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Swetlana Sawizkaja beklagt Benachteiligung der Frauen bei der Kosmonauten-Auswahl in Russland 

Credit:ZPK

Moskau,  27. Juli 2019 —   Die russische Zweifachkosmonautin Swetlana Sawizkaja hat in ungewohnter Offenheit die Benachteiligung der Frauen bei der Kosmonauten-Auswahl in ihrem Land beklagt. Die geringe Anzahl von Frauen im russischen Kosmonautenkorps sei das Ergebnis des fehlenden Willens der Führung,  Mädchen aufzunehmen,  sagte Sawizkaja, die für die KP der Russischen Föderation in der Staatsduma sitzt,  in einem TASS-Interview. Auch bei der derzeit laufenden Rekrutierungskampagne siebe man sie wieder aus und „schämt sich nicht,  in Gesprächen zu sagen,  dass man Frauen nicht braucht“.

Die weiblichen Bewerberinnen würden vor allem bei den medizinischen Untersuchungen ausgesiebt,  „weil man dabei immer einen Vorwand finden kann,  einen Menschen durchfallen zu lassen“,  sagte Sawizkaja,  die auch stellvertretende Vorsitzende des DumaVerteidigungsausschusses ist. So sei es schon zu Sowjetzeiten gewesen. Das hätten sie und ihr Double Irina Pronina am eigenen Leibe erfahren. Deshalb sei sie überzeugt,  dass es so lange nicht mehr Frauen im Kosmonautenkorps geben wird,  wie sie der oberste Chef nicht unterstützt.

Russlands Kosmonautenkorps besteht derzeit aus 33 Mitgliedern,  darunter ist mit Anna Kikina nur eine Frau. Sie war zwischenzeitlich sogar schon einmal ausgemustert worden,  wurde dann aber offenbar als Vorzeigedame wieder aufgenommen. Sie wäre erst die fünfte Russin im All,  ist bisher aber für keinen Flug nominiert.

Sawizkaja war 1982 und 1984 insgesamt rund 20 Tage in der sowjetischen Raumstation Salut 7. Dabei absolvierte sie vor nunmehr 35 Jahren –  am 25. Juli 1984 –  als erste Frau der Welt einen Ausstieg in den freien Weltraum. Er dauerte 3 Stunden und 35 Minuten.

Böse Zungen behaupten heute noch,  auch Sawizkaja sei nur wegen ihres Vaters,  eines Fliegerhelden aus dem Zweiten Weltkrieg und späteren Luftmarschalls,  Kosmonautin geworden. Allerdings brachte die Testpilotin,  Geschwindigkeitstrekordlerin,  Fallschirmsprung- und Kunstflug-Weltmeisterin selbst alle Voraussetzungen dafür mit. Als zweite Frau der Welt im All nach Walentina Tereschkowa (1963) erfüllte sie denn auch alle in sie gesetzten Erwartungen. Tereschkowa,  mit deren Leistungen auf der Umlaufbahn Chefkonstrukteur Sergej Koroljow überhaupt nicht zufrieden war,  ist heute als Abgeordnete der Putin-Partei Einiges Russland ihre Rivalin im Parlament.

© Gerhard Kowalski

2 comments to Swetlana Sawizkaja beklagt Benachteiligung der Frauen bei der Kosmonauten-Auswahl in Russland 

  • Zelinski

    Hallo Herr Kowalski,das Thema neue Kosmonautin Kikina im All…hatten wir ja in Morgenröthe schon angesprochen,bezüglich letzter ESA Astronaut zur ISS ,sehe ich einen Startplatz für ISS-62S mit Flug 21.10.2020…! Und was ist mit Herr Maurer…soll dieser später mit den neuen Systemen der Amerikaner fliegen?? Viele Grüße Jan Zelinski

  • Gerhard Kowalski

    Hallo,Herr Zelinski,

    mich hat die Aussage von Pischel auch etwas überrascht. Mal sehen,wie sich die Sache entwickelt. Maurer träumt ja von einem Mondflug. Und das ist vorerst nur mit den Amerikanern möglich,wie mir scheint.

    GK

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