Berlin, 12. Juni 2020 – Die pauschale Reisewarnung der Bundesregierung für 160 Drittländer ist nach Ansicht des Bundesverbandes der Luftverkehrswirtschaft (BDL) unverhältnismäßig. Er drängt deshalb auf bilaterale Verhandlungen über Grenzöffnungen. Im Juni steuern Airlines von deutschen Flughäfen 39 Ziele in 24 Ländern außerhalb Europas an. Mehr dürften es zumindest kurzfristig nicht werden. Dafür sorgt unter anderem die Mitte dieser Woche bis Ende August verlängerte Reisewarnung der Bundesregierung für 160 außereuropäische Länder.
„Mit der Lockerung der Reisebeschränkungen in Europa und der Ausweitung des Flugangebots im Juni ist die Phase der wirtschaftlichen und betrieblichen Unsicherheit für die Fluggesellschaften aber längst nicht beendet“, erklärte BDL-Geschäftsführer Matthias von Randow in einem Video-Chat mit Journalisten des LPC-Mediennetzwerks Luft- und Raumfahrt. „Wenn wir darüber reden, dass es wieder losgeht, dann reden wir von einem Sprung für die Airlines von annähernd Null auf 15 Prozent des normalen Flugangebots im Juni. 30 Prozent des Streckennetzes ab Deutschland werden dann wieder bedient.“ Das sei unter den gegebenen Rahmenbedingungen betrieblich anspruchsvoll, aber natürlich weit von einer Normalisierung entfernt. Die Liquidität der Fluggesellschaften bleibe auf absehbare Zeit „ein Riesenproblem“.
Die Politik sei an dieser Stelle gefragt, ihren Worten Taten folgen zu lassen und die angekündigten bilateralen Verhandlungen zur Lockerung von Reisebeschränkungen mit wichtigen Zielländern „schnellstmöglich“ zu beginnen, betonte von Randow. „Wir sehen die generelle Reisewarnung sehr kritisch.“ Sie operiere an der Realität vorbei und entpuppe sich immer als Hindernis auf dem Weg zur Erholung.
© Gerhard Kowalski
