{"id":12422,"date":"2016-04-28T04:08:49","date_gmt":"2016-04-28T02:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=12422"},"modified":"2016-04-28T08:01:41","modified_gmt":"2016-04-28T06:01:41","slug":"russland-weiht-im-zweiten-anlauf-erste-etappe-von-wostotschny-mit-perfektem-sojus-start-ein-ersehnte-unabhaengigkeit-von-kasachstan-aber-noch-in-weiter-ferne","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=12422","title":{"rendered":"Russland weiht neues Kosmodrom Wostotschny ein \u2013  Putin begl\u00fcckw\u00fcnscht Startkommando &#8211;  Unabh\u00e4ngigkeit von Kasachstan noch in weiter Ferne (update)"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_12399\" aria-describedby=\"caption-attachment-12399\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12399\" src=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/Wostotschny-neu-Rakete-300x225.jpg\" alt=\"Credit: GK Roskosmos \" width=\"300\" height=\"225\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12399\" class=\"wp-caption-text\">Credit: GK Roskosmos<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wostotschny,\u00a0 28. April 2016 \u2013 \u00a0Russland hat am Donnerstag ein neues Kapitel seiner Raumfahrtgeschichte aufgeschlagen. Im zweiten Anlauf wurde mit dem perfekten Start einer <em>Sojus-2.1a<\/em>-Tr\u00e4gerrakete um 04.01 Uhr deutscher Zeit (11.01 Uhr Ortszeit) die erste Etappe seines neuen und rein zivilen Kosmodroms <em>Wostotschny<\/em> im Amur-Gebiet eingeweiht. Die Rakete, \u00a0deren Start noch bis zu einer Entfernung von 100 Kilometern zu sehen gewesen sein soll, \u00a0brachte von dem einstigen Gel\u00e4nde einer Atomraketen-Division drei kleine Satelliten ins All, \u00a0die von Studenten in Moskau und Samara an der Wolga gebaut wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Startversuch war am Mittwochmorgen zweieinhalb Minuten vor dem Abheben automatisch abgebrochen worden. Schuld daran war ein fehlerhaftes Kabel in der Steuerung der Rakete. Es wurde zusammen mit einem Kommutator-Block in aller Eile ausgetauscht, \u00a0so dass die Staatliche Kommission am Abend kurz nach 22.30 Uhr gr\u00fcnes Licht f\u00fcr den zweiten Versuch geben konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Start beobachtete auch Pr\u00e4sident Wladimir Putin, der zuvor wegen Qualit\u00e4tsm\u00e4ngeln scharfe Kritik an den Raumfahrt-Verantwortlichen ge\u00fcbt hatte. Er hatte 2008 den Grundstein f\u00fcr das Kosmodrom gelegt und danach die Baustelle mehrfach besucht, auf der die Arbeiten erst 2012 in vollem Umfang begannen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident begl\u00fcckw\u00fcnschte die Startmannschaften zur erfolgreichen Premiere. Es gebe etwas, \u00a0 auf das man stolz sein k\u00f6nne, \u00a0sagte er. Beim ersten Startversuch habe es nicht geklappt. Das sei eine &#8222;normale Erscheinung&#8220;. Das Wichtigste sei, \u00a0dass die Infrastruktur des Startplatzes funktioniere. &#8222;Ich hoffe, \u00a0dass das auch beim Raketenkomplex so sein wird.&#8220; \u00a0Nunmehr stehe mit dem Bau der <em>Angara<\/em>-Rampe die zweite Ausbauetappe bevor, \u00a0die auch nicht leicht sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Pr\u00e4sidenten verfolgten auch Putins Administrationschef Sergej Iwanow, \u00a0der f\u00fcr das Milit\u00e4r und die Raumfahrt zust\u00e4ndige Vizepremier Dmitri Rogosin, \u00a0der Chef des Raumfahrtstaatskonzerns GK Roskosmos, \u00a0Igor Komarow, \u00a0und der Kommandierende der Weltraumstreitkr\u00e4fte, \u00a0Generalleutnant Alexandr Golowko, \u00a0das Spektakel.<\/p>\n<p>Vor dem Start hatte der Bischof von Blagoweschtschensk, \u00a0Lukian, \u00a0die Rakete gesegnet. Diese Tradition war nach dem Ende der UdSSR in Baikonur eingef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>Von seinem erkl\u00e4rten Ziel, \u00a0sich mit<em> Wostotschny<\/em> von Kasachstan unabh\u00e4ngig zu machen, \u00a0auf dessen Territorium seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 der legend\u00e4re Startplatz<em> Baikonur<\/em> liegt, \u00a0ist Russland aber noch meilenweit entfernt. Fr\u00fchestens 2023 soll von hier der erste bemannte Start erfolgen \u2013 \u00a0mit der neuen Tr\u00e4gerrakete<em> Angara<\/em> und dem neuen Raumschiff<em> Federazija<\/em>.<\/p>\n<p>Mindestens bis zu diesem Zeitpunkt sind also Russland und seine Partner auf Kasachstan angewiesen, \u00a0wenn sie mit den <em>Sojus<\/em>-Raumschiffen zur Internationalen Raumstation ISS fliegen wollen. Der Grund: die Raumschiffe sind von <em>Wostotschny<\/em> aus am Ende der Aufstiegsphase viel \u00fcber Wasser unterwegs \u2013 \u00a0zuerst \u00fcber dem Ochotskischen Meer und dann dem Pazifik. Und da die <em>Sojus<\/em>-Kapseln f\u00fcr die Landung auf dem Festland konzipiert sind, \u00a0k\u00f6nnten sie sich im Falle einer Notlandung nicht sehr lange \u00fcber Wasser halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In K\u00fcrze soll auf dem nur 700 Quadratkilometer gro\u00dfen Areal mit dem Bau eines Startkomplexes f\u00fcr die <em>Angara<\/em>-Raketenfamilie als zweiter Etappe des Kosmodroms begonnen werden. Erst mit der Fertigstellung dieses Komplexes kann nach Ansicht von Experten von einer echten Kommerzialisierung des neuen Kosmodroms die Rede sein. Doch darum geht es den Russen auch nicht vorrangig. Wichtig ist f\u00fcr sie die nationale Sicherheit, \u00a0das hei\u00dft der unabh\u00e4ngige Zugang zum All vom eigenen Staatsgebiet.<\/p>\n<p>Der unbemannte Erststart einer <em>Angara<\/em>, \u00a0die nach dem Baukastenprinzip f\u00fcr Nutzlasten zwischen 1,5 und 30 Tonnen zusammengestellt werden kann, \u00a0ist aber erst f\u00fcr 2021 geplant.<\/p>\n<p>Russland verf\u00fcgt derzeit nur \u00fcber einen eigenen Startplatz &#8211; das Milit\u00e4rkosmodrom <em>Plessezk<\/em> im Landesnorden. Von hier starten \u00fcberwiegend milit\u00e4rische Satelliten in Polarbahnen beziehungsweise auch Konversionsraketen mit Nutzlasten f\u00fcr zahlende Kunden. F\u00fcr bemannte Starts ist Plessezk nicht geeignet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insofern ist <em>Baikonur<\/em>, \u00a0 das Moskau f\u00fcr j\u00e4hrlich 115 Millionen Dollar bis 2050 von Kasachstan gepachtet hat, \u00a0\u00a0auch in den kommenden etwa zehn Jahren unverzichtbar.<\/p>\n<p>F\u00fcr das neue Kosmodrom gab es sechs m\u00f6gliche Standorte: \u00a0jeweils zwei im europ\u00e4ischen Teil des Landes, \u00a0in Sibirien und im Fernen Osten. Die Wahl fiel schlie\u00dflich auf das Amur-Gebiet, \u00a0das von Moskau gut 8.000 und von China nur 100 Kilometer entfernt ist.<\/p>\n<p>Den Ausschlag gaben die gute Infrastruktur, \u00a0die energetischen Ressourcen und die im Vergleich etwa zum Konkurrenten Sowjetskaja Gawan geringe seismologische Aktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Gouverneur des Amur-Gebietes, \u00a0Alexandr Koslow,\u00a0\u00a0 erwartet sich vom Kosmodrom einen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und sozialen Aufschwung. So soll die nahe Garnison Uglegorsk, \u00a0die vor kurzem in Ziolkowski umbenannt wurde, \u00a0zu einer Akademikerstadt weiterentwickelt werden, \u00a0die viele junge qualifizierte Leute anlockt.<\/p>\n<p>\u00a9 Gerhard Kowalski<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wostotschny,\u00a0 28. April 2016 \u2013 \u00a0Russland hat am Donnerstag ein neues Kapitel seiner Raumfahrtgeschichte aufgeschlagen. Im zweiten Anlauf wurde mit dem perfekten Start einer Sojus-2.1a-Tr\u00e4gerrakete um 04.01 Uhr deutscher Zeit (11.01 Uhr Ortszeit) die erste Etappe seines neuen und rein zivilen Kosmodroms Wostotschny im Amur-Gebiet eingeweiht. 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