{"id":13386,"date":"2016-12-29T07:31:01","date_gmt":"2016-12-29T05:31:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=13386"},"modified":"2016-12-31T09:44:44","modified_gmt":"2016-12-31T07:44:44","slug":"russlands-raumfahrt-2016-schoene-siege-aber-auch-herbe-niederlagen-gk-roskosmos-nennt-lage-der-branche-stabil-viele-jubilaeen-2017-beitrag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=13386","title":{"rendered":"Russlands Raumfahrt 2016:   Sch\u00f6ne Siege,   aber auch herbe Niederlagen &#8211;   GK Roskosmos nennt Lage der Branche \u201estabil\u201c &#8211;   Viele Jubil\u00e4en 2017 (Beitrag)"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-12136\" src=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/Roskosmos-KG-Logo-e1479194365377.jpg\" alt=\"Roskosmos KG Logo\" width=\"150\" height=\"113\" \/>Berlin,\u00a0 29. Dezember 2016 \u2013 Russlands Raumfahrt hat dem Land im zu Ende gehenden Jahr einige sch\u00f6ne Siege beschert,\u00a0 musste aber auch herbe Niederlagen einstecken. Das offenbart sich insbesondere im schmerzlichen Verlust seiner F\u00fchrungsrolle bei den weltweiten Raketenstarts und im Absturz eines Frachtraumschiffes im Dezember. Der Staatskonzern <em>GK Roskosmos <\/em>zieht dennoch eine positive Bilanz. \u201eDie Branche befindet sich in einem stabilen Zustand\u201c,\u00a0 sagte <em>Roskosmos<\/em>-Vizechef Juri Wlassow in einem Rundfunkinterview. \u201eNat\u00fcrlich wollten wir,\u00a0 dass dieses Jahr ohne Havarien abl\u00e4uft,\u00a0 aber das ist nicht gelungen.\u201c<\/p>\n<p>Auf der Haben-Seite von 2016 steht der erste Start einer<em> Sojus<\/em>-Tr\u00e4gerrakete vom neuen Zivilkosmodrom <em>Wostotschny<\/em> im Amur-Gebiet am 28. April ganz oben. Damit hat Russland einen wichtigen Schritt nach vorn bei dem Bestreben getan,\u00a0 sich von Kasachstan unabh\u00e4ngig zu machen,\u00a0 auf dessen Territorium seit dem Zerfall der Sowjetunion sein wichtigstes Kosmodrom,<em>\u00a0 Baikonur<\/em>,\u00a0 liegt. Doch bis von <em>Wostotschny<\/em> das erste Mal russische Kosmonauten mit neuen Tr\u00e4gerraketen und Raumschiffen ins All starten k\u00f6nnen,\u00a0 vergehen noch mindestens sechs Jahre. F\u00fcr 2017 sind nur zwei unbemannte Starts vorgesehen. Man muss sich also weiter mit Kasachstan gut stellen.<\/p>\n<p>Als gro\u00dfen Erfolg wertet Moskau auch den Start der europ\u00e4isch-russischen Sonde ExoMars-2016 am 14. M\u00e4rz. Zwar ist der Lander <em>Schiaparelli<\/em> dann auf dem Roten Planeten zerschellt,\u00a0 doch die russischen Wissenschaftler sind sich ziemlich sicher,\u00a0 dass sich diese Panne 2020 beim zweiten Teil der Mission nicht wiederholen wird,\u00a0 weil sie den<em> ESA<\/em>-Rover mit ihrer etwas anderen Technologie ans Ziel bringen werden.<\/p>\n<p>Als Pluspunkte gelten ferner die Verabschiedung des <em>F\u00f6deralen<\/em> <em>Raumfahrtprogramms (FKP)<\/em> f\u00fcr die Jahre 2016 bis 2025,\u00a0 selbst wenn das inzwischen schon wieder wegen der angespannten Wirtschaftslage finanziell erheblich abgespeckt wurde,\u00a0 der Einjahresflug des russischen Kosmonauten Michail Kornijenko mit seinem\u00a0 US-Kollegen Kollegen Scott Kelly in der I<em>nternationalen Raumstation ISS<\/em> und die Feierlichkeiten zum 55. Jahrestag des Fluges von Juri Gagarin vom 12. April 1961. Diese standen unter dem Motto \u201eErhebe Dein Haupt!,\u00a0 was kritische Geister als einen Aufruf verstanden haben,\u00a0 sich offen mit den vielen noch vorhandenen Unzul\u00e4nglichkeiten der Branche auseinander zu setzen.<\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dfte Niederlage des Jahres wird wohl empfunden,\u00a0 dass Russland seine f\u00fchrende Position bei den Weltraumraketenstarts verloren hat.<em> Baikonur<\/em>,\u00a0 das nordrussische Milit\u00e4rkosmodrom <em>Plessezk <\/em>und <em>Wostotschny<\/em> brachten es zusammen nur auf 16 gelungene Starts. Hinzu kamen zwei in Kourou (Franz\u00f6sisch-Guyana). \u00a0Das bedeutet Minusrekord. Zum ersten Mal seit 1999 wurde das Land damit von den USA und China \u00fcberholt. Das wiegt umso schwerer,\u00a0 als Russland damit nach Ansicht von unabh\u00e4ngigen Experten die einzige Spitzenposition eingeb\u00fc\u00dft hat,\u00a0 die es in der Raumfahrt noch besa\u00df.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich lastet den Russen der Absturz des Frachters <em>Progress MS-04<\/em> vom 1. Dezember auf der Seele,\u00a0 der neben teuren und einzigartigen wissenschaftlichen Ger\u00e4ten und Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden auch Weihnachtspost- und \u2013p\u00e4ckchen f\u00fcr die russisch-amerikanisch-franz\u00f6sische ISS-Besatzung auf die Umlaufbahn bringen sollte. Das war nicht nur ein\u00a0 rabenschwarzer Abschluss des Jahres,\u00a0 dessen Folgen noch nicht abzusehen sind,\u00a0 weil von der l\u00fcckenlosen Aufkl\u00e4rung der Ursachen der Katastrophe abh\u00e4ngt,\u00a0 wann die Versorgungsfl\u00fcge wieder aufgenommen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist auch die US-Luft- und Weltraumbeh\u00f6rde <em>NASA<\/em> in die Untersuchungen einbezogen worden. Gemeinsam analysiert man jetzt \u00e4hnliche Havarien bis in die 70-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts,\u00a0 wie die Zeitung<em> Iswestija<\/em> am Donnerstag berichtet. Das Hauptproblem besteht danach darin,\u00a0 dass sich die Havarie innerhalb von nur Millisekunden abgespielt hat. Auch der letzte Start des Jahres,\u00a0 der f\u00fcr den 28. Dezember geplant war, \u00a0wurde gecancelt,\u00a0 weil die <em>Proton<\/em>-Rakete und deren Oberstufe noch einmal \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bei den Jubil\u00e4en und anderen Vorhaben ragt 2017 vor allem im Oktober der 60. Jahrestag des Starts des<em> Sputniks<\/em> heraus,\u00a0 des ersten k\u00fcnstlichen Erdsatelliten der Welt. Der wird nat\u00fcrlich geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt und gefeiert. Als einschneidende Ma\u00dfnahme muss indes gewertet werden,\u00a0 dass Russland das ganze Jahr \u00fcber die Zahl seiner Kosmonauten in der ISS von drei auf zwei reduziert. Offiziell wird das als Beitrag zur Erh\u00f6hung der Effektivit\u00e4t der Arbeit im russischen Segment verkauft. In Wahrheit d\u00fcrfte dahinter aber wohl eher der strikte Sparzwang des Staatskonzerns <em>KG Roskosmos<\/em> stehen,\u00a0 dessen Finanzforderungen f\u00fcr das <em>FKP<\/em> 2016-25 schon rigoros auf die H\u00e4lfte zusammengestrichen wurden. Jetzt werden die Gelder noch einmal um mindestens 10 Prozent gek\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Das hat nicht nur die Kosmonauten,\u00a0 sondern auch die Wissenschaft zu harschen Protesten bewogen. So beklagte sich Fjodor Jurtschichin,\u00a0 dass die Kosmonauten dadurch sogar ihre Freizeit f\u00fcr die L\u00f6sung der Flugaufgaben opfern m\u00fcssten. Oleg Skripotschka verwies darauf,\u00a0 dass die Arbeit in der Station aus zwei \u201eBl\u00f6cken\u201c bestehe &#8211;\u00a0 der Bedienung und Wartung der Bordsysteme und der Arbeit mit den Nutzlasten. Da die Zeit f\u00fcr den ersten Block nicht verringert werden k\u00f6nne,\u00a0 verk\u00fcrze sich die Zeit f\u00fcr die Experiment auf die H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Der Kosmos-Rat der <em>Akademie der Wissenschaften (RAN)<\/em> protestierte in einem Brandbrief an <em>Roskosmos<\/em> gegen die Streichung von Mitteln f\u00fcr die Grundlagenforschung unter anderem in den Bereichen Astrophysik,\u00a0 Planetenforschung und kosmische Biologie. Das f\u00fchre zu einer \u201eunumkehrbaren Degradation des Systems der Entwicklung von perspektivischen wissenschaftlichen Vorschl\u00e4gen zu Weltraumprojekten von wissenschaftlicher Bedeutung\u201c,\u00a0 sagte der wissenschaftliche Leiter des <em>Instituts f\u00fcr Astronomie<\/em>,\u00a0 Boris Schustow, \u00a0einer Nachrichtenagentur.<\/p>\n<p>Wenn es nach dem Willen von Vizepremier Dmitri Rogosin geht,\u00a0 vollzieht Russland 2017 mindestens 23 Weltraumstarts &#8211;\u00a0 15 in <em>Baikonur<\/em>,\u00a0 6 in <em>Plessezk<\/em> und 2 in <em>Wostotschny &#8211; \u00a0<\/em>andere Quellen sprechen von 29. Die Hauptaufgabe sei dabei,\u00a0 das Programm ohne Havarien durchzuziehen,\u00a0 forderte der f\u00fcr das Milit\u00e4r und die Raumfahrt zust\u00e4ndige Politiker.<\/p>\n<p>Das neue Jahr bringt neben dem 80. Geburtstag von Walentina Tereschkowa und dem 90. Geburtstag von Wladimir Schatalow noch weitere nennenswerte Ereignisse:\u00a0 Die erste Ausschreibung f\u00fcr Kosmonautenkandidaten f\u00fcr den <em>Sojus-<\/em>Nachfolger <em>Federazija,\u00a0 <\/em>den Beginn einer ganzen Serie von russisch-amerikanischen Isolations-Experimenten zur Vorbereitung auf k\u00fcnftige Mars-Fl\u00fcge,\u00a0 den letzten <em>Sojus-U<\/em>-Start,\u00a0 die Premiere des Weltraumroboters <em>Spotty,\u00a0 <\/em>die Wiederer\u00f6ffnung des legend\u00e4ren <em>Kosmos-Pavillons<\/em> auf der Moskauer Volkswirtschaftsausstellung und,\u00a0 nicht zu vergessen,\u00a0 das russisch-deutsche Experiment <em>ICARUS (International Cooperation for Animal<\/em> <em>Research Using Space<\/em>).<\/p>\n<p>Dabei geht es um die Beobachtung von Tierwanderungen auf der Erde aus der ISS mittels neuer Miniatursender von der Gr\u00f6\u00dfe eines Daumennagels,\u00a0 mit denen V\u00f6gel ausgestattet werden. Federf\u00fchrend auf deutscher Seite ist das <em>Max-Planck-Institut f\u00fcr Ornithologie<\/em> in Radolfzell am Bodensee. Die daf\u00fcr erforderliche Antenne soll mit einem russischen <em>Progress<\/em>-Frachter zur ISS gebracht und dann beim einzigen f\u00fcr 2017 geplanten russischen Ausstieg in den freien Raum an der Au\u00dfenhaut der Station montiert werden.<\/p>\n<p>\u00a9 Gerhard Kowalski<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin,\u00a0 29. Dezember 2016 \u2013 Russlands Raumfahrt hat dem Land im zu Ende gehenden Jahr einige sch\u00f6ne Siege beschert,\u00a0 musste aber auch herbe Niederlagen einstecken. Das offenbart sich insbesondere im schmerzlichen Verlust seiner F\u00fchrungsrolle bei den weltweiten Raketenstarts und im Absturz eines Frachtraumschiffes im Dezember. 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