{"id":8,"date":"2008-06-21T14:56:43","date_gmt":"2008-06-21T12:56:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=8"},"modified":"2024-02-12T13:01:16","modified_gmt":"2024-02-12T11:01:16","slug":"tragik-und-triumph","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=8","title":{"rendered":"Tragik und Triumph"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie der Gulag-H\u00e4ftling Sergej Koroljow die UdSSR zur f\u00fchrenden Weltraumnation machte &#8211; Zum 100. Geburtstag des genialen Wissenschaftlers und Konstrukteurs am 12. Januar 2007<\/strong><\/p>\n<p><strong><!--more--><\/strong><\/p>\n<p>Berlin &#8211; Kaum eine Biografie spiegelt die Tragik und den Triumph der Ex-UdSSR so deutlich wider wie die von Sergej Koroljow (1907-1966). Der &#8222;Vater der modernen sowjetischen Raumfahrt&#8220;, wie er gern offiziell apostrophiert wird, entkam nur knapp dem Tod in Stalins Gulag und machte dennoch sein Land zur f\u00fchrenden Weltraumnation. Er baute mit der R-7, der &#8222;Semjorka&#8220;, die erste Interkontinentalrakete der Welt, deren ber\u00fchmtester ziviler Ableger &#8222;Sojus&#8220; bis heute \u00fcber 850 Mal gestartet ist. Und mit dem legend\u00e4ren &#8222;Sputnik 1&#8220; (1957) und Juri Gagarin (1961) stie\u00df Koroljow f\u00fcr die Menschheit das Tor zum All auf. Seinen 50. Geburtstag am 12. Januar 1957 musste der geniale Wissenschaftler, Konstrukteur und Organisator noch inkognito begehen. Aus \u00fcbertriebener &#8222;bolschewistischer Wachsamkeit&#8220; wurde sein Name bis zu seinem \u00fcberraschenden Tod 1966 geheim gehalten. Auf die Anfrage des Stockholmer Nobelpreiskomitees, wer denn der Sch\u00f6pfer des &#8222;Sputnik&#8220; sei, lie\u00df Parteichef Nikita Chruschtschow antworten: &#8222;Das ganze sowjetische Volk!&#8220; Der gro\u00dfe Antipode Wernher von Brauns, mit dem er in einem erbitterten Wettlauf um die Vorherrschaft im Weltraum stand, litt sehr unter der Anonymit\u00e4t, die er mit allen f\u00fchrenden Raumfahrtexperten seines Landes teilte. Dennoch arbeitete er als guter Patriot verbissen weiter und schickte vier Jahre sp\u00e4ter mit Gagarin den ersten Menschen in den Weltraum. Dabei h\u00e4tte Koroljow eigentlich allen Grund gehabt, das Regime zu hassen. Denn 1938 hatte ihn ein karrieres\u00fcchtiger Ingenieur denunziert. Stalins Geheimdienstchef Jeshow lie\u00df ihn verhaften, foltern und als &#8222;Volkssch\u00e4dling&#8220; f\u00fcr zehn Jahre zur Zwangsarbeit nach Sibirien verbannen. Aus dem Lager im so genannten Kolyma-Trakt wandte sich Koroljow mehrfach an den Obersten Gerichtshof und auch an Stalin pers\u00f6nlich. Er beteuerte seine Unschuld und bat, seinen Fall erneut zu verhandeln. Er schrieb: &#8222;Ich bitte Sie, mir Gelegenheit zu geben, meine Arbeit an Raketenflugzeugen zur St\u00e4rkung der Verteidigungsf\u00e4higkeit der UdSSR fortzusetzen.&#8220; Im Herbst 1940 holte der ber\u00fchmte Flugzeugkonstrukteur Andrej Tupolew, der selbst Gefangener war, Koroljow nach Moskau in das Besondere Technische B\u00fcro (OTB), das zu den NKWD-Speziallagern geh\u00f6rte. Der einstige Tupolew-Sch\u00fcler entwickelte hier Zusatzraketen f\u00fcr Kampfflugzeuge. Ab 1944 arbeiteten Koroljow und weitere namhafte inhaftierte Spezialisten, darunter sein k\u00fcnftiger Nachfolger Wassili Mischin, an den Grundlagen f\u00fcr den sp\u00e4teren sowjetischen &#8222;Raketenschild&#8220;. Hier studierte er auch erstmals Teile von Hitlers &#8222;Wunderwaffe&#8220;, der V-2, die von der vorr\u00fcckenden Roten Armee in Polen erbeutet worden waren. Ein Jahr sp\u00e4ter sammelte Koroljow selbst im Nachkriegsdeutschland alles ein, was er von der V-2-Produktion finden konnte. Bereits im Oktober 1948 startete die UdSSR erfolgreich ihre R-1, ein Nachbau der V-2. Und 1953 begann Koroljow mit der Entwicklung der R-7 als Grundpfeiler des atomaren &#8222;Raketenschilds&#8220;. Die zivilen Varianten der legend\u00e4ren &#8222;Semjorka&#8220; haben seit 1957 nicht nur die &#8222;Sputniks&#8220; sowie Mond-, Mars- und Venussonden, sondern auch die rund 100 sowjetischen\/russischen Kosmonauten und viele ausl\u00e4ndische Astronauten, darunter f\u00fcnf deutsche, ins All getragen. Als erfolgreichster Ableger leistet die &#8222;Sojus&#8220;-Tr\u00e4gerrakete seit 1967 treue Dienste und versorgt derzeit mit der gleichnamigen Raumkapsel und deren Frachtversion &#8222;Progress&#8220; zuverl\u00e4ssig die Internationale Raumstation ISS mit Menschen, Treibstoff ud Material. Koroljow, erst seit 1957 (!!!) voll rehabilitiert, hat den Jungfernflug seines &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiffs, das eigentlich bemannt zum Mond fliegen sollte, nicht mehr miterlebt. Er starb 1966 zwei Tage nach seinem 59. Geburtstag nach einer Krebsoperation. Koroljows Rakete leistet noch heute in der neuesten Version unverzichtbare Dienste bei der Versorgung der Internationalen Raumstation ISS mit Menschen und Material. Denn keiner seiner Nachfolger vermochte es, seinen Platz auf nur ann\u00e4hernd auszuf\u00fcllen und einen besseren Tr\u00e4ger zu bauen.<br \/>\n(Ver\u00f6ffentlicht am 9. 1. 2007 von der Nachrichtenagentur ddp)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Gulag-H\u00e4ftling Sergej Koroljow die UdSSR zur f\u00fchrenden Weltraumnation machte &#8211; Zum 100. Geburtstag des genialen Wissenschaftlers und Konstrukteurs am 12. 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