{"id":13,"date":"2008-06-21T19:34:54","date_gmt":"2008-06-21T17:34:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=13"},"modified":"2024-02-12T13:01:39","modified_gmt":"2024-02-12T11:01:39","slug":"nur-bedingt-wettbewerbsfahig-russlands-raumfahrt-hat-2007-auf-dem-weg-aus-der-krise-einen-guten-schritt-nach-vorn-getan-militars-profitieren-am-meisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=13","title":{"rendered":"Nur bedingt wettbewerbsf\u00e4hig &#8211; Russlands Raumfahrt hat 2007 auf dem Weg aus der Krise einen guten Schritt nach vorn getan &#8211; Milit\u00e4rs profitieren am meisten"},"content":{"rendered":"<p>Berlin &#8211; Russlands Raumfahrt hat 2007 auf ihrem Weg aus der Krise, in die sie in den 1990er Jahren geraten war, einen guten Schritt nach vorn getan. Nach Ansicht von unabh\u00e4ngigen Experten ist sie allerdings noch immer weit davon entfernt, sich zivil wie milit\u00e4risch auf diesem Gebiet auf Augenh\u00f6he mit dem gro\u00dfen Rivalen USA zu bewegen. Allein bei den kommerziellen Startdienstleistungen sei man   international wettbewerbsf\u00e4hig. <!--more-->Noch vor zwei Jahren sei die Lage der russischen Raumfahrt &#8222;nicht nur kritisch, sondern schlichtweg katastrophal&#8220; gewesen, sagt Juri Saizew vom Moskauer Institut f\u00fcr Kosmosforschung (IKI). Die Satellitenflotte hatte zu 65 Prozent ihre Garantiefrist schon \u00fcberschritten, und bei 82 Prozent der milit\u00e4rischen Satelliten war die Einsatzzeit  schon voll ausgelaufen. \u00dcber ein halbes Jahr musste das Land ohne einen einzigen Himmelsspion auskommen.<\/p>\n<p>Inzwischen ist der Verfall der &#8222;orbitalen Gruppierung&#8220;, wie die Russen ihre Satelliten auf der Umlaufbahn nennen, aufgehalten. Nach Ansicht von Saizew seien sogar &#8222;wichtige Voraussetzungen&#8220; f\u00fcr die \u00dcberwindung der Krisenfolgen geschaffen worden. Das betreffe vor allem die milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>In der Tat: Die Produktion in Moskaus Raketenschmieden wuchs 2007 um 12,7 Prozent &#8211; zweieinhalb Mal schneller als in der Wirtschaft insgesamt. Es wurden 20 Tr\u00e4gerraketen gestartet, darunter 9 mit ausl\u00e4ndischen kommerziellen Nutzlasten. Sechs Starts erfolgten im Auftrag des Verteidigungsministeriums. Zwei bemannte &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiffe und vier automatische &#8222;Progress&#8220;-Frachter flogen zur Internationalen Raumstation ISS. Die Satellitenflotte wuchs um rund zehn Prozent auf 101 an. Allerdings haben zwei Drittel davon milit\u00e4rische Aufgaben oder sind dual nutzbar, also milit\u00e4risch und zivil.<\/p>\n<p>Wesentlich schlechter war es um das wissenschaftliche Weltraumprogramm bestellt. Hier wurde keine der Vorgaben erf\u00fcllt. Das Sonnenobservatorium &#8222;Koronas-Foton&#8220;, das eigentlich schon 2006 starten sollte, und das Radioteleskop &#8222;Spektr-Radioastron&#8220;, das in internationaler Zusammenarbeit entstand, blieben erneut am Boden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurden sechs neue Satelliten f\u00fcr das Navigationssystem &#8222;Glonass&#8220; ins All geschossen, das Pr\u00e4sident Wladimir Putin zur Chefsache erkl\u00e4rt hat. Offiziell wurde Ende 2007 mit nunmehr 18 solcher Raumflugk\u00f6rper von der Raumfahrtagentur Roskosmos &#8222;Planerf\u00fcllung&#8220; an den Kreml gemeldet. Die Signale deckten bereits 90 Prozent des Landesterritoriums ab, behauptete ihr Chef Anatoli Perminow. Die Realit\u00e4t sieht jedoch anders aus: Erstens sind noch l\u00e4ngst nicht alle Satelliten aktiv, so dass rund 66 Prozent abgedeckt werden. Zweitens sind derzeit nur ganz wenige Empfangsger\u00e4te auf dem Markt, und drittens steht bisher lediglich die Software f\u00fcr Moskau und Umgebung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Russlands Raumfahrtindustrie hat 2007 f\u00fcr nur 2,5 bis 3 Milliarden Dollar exportiert. Sie partizipiert damit nur in geringem Ma\u00dfe an dem weltweit boomenden Markt f\u00fcr Satelliten, Navigationsger\u00e4ten und Nachrichtendienstleistungen, der auf 90 Milliarden Dollar gesch\u00e4tzt wird. Eine Ursache sieht der 1. Vizepremier Sergej Iwanow darin, dass die Branche &#8222;ihre F\u00e4higkeit verloren hat, einen bedeutenden Teil der daf\u00fcr erforderlichen Ger\u00e4te und Bauteile zu entwickeln und zu fertigen&#8220;. Diese m\u00fcssten h\u00e4ufig im Ausland zugekauft werden. Einen Ausweg sieht man jetzt im Bau von kleinen unifizierten Satelliten, die mit leichten Tr\u00e4gern oder als Nebennutzlast bei anderen Starts mit ins All gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Perminow seinerseits beklagt die permanent &#8222;unzureichende Finanzierung&#8220; der Raumfahrtprojekte. Experte Saizew macht indes Roskosmos selbst als Problem aus. Der Agentur mangele es angesichts ihres &#8222;h\u00e4ufigen Priorit\u00e4tenwechsels&#8220; an &#8222;Konsequenz in ihrem Handeln und in der Planung&#8220;, kritisierte er.<\/p>\n<p>(Ver\u00f6ffentlicht am 14. Januar 2008)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin &#8211; Russlands Raumfahrt hat 2007 auf ihrem Weg aus der Krise, in die sie in den 1990er Jahren geraten war, einen guten Schritt nach vorn getan. 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