{"id":14,"date":"2008-06-21T19:35:44","date_gmt":"2008-06-21T17:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=14"},"modified":"2024-02-12T13:01:39","modified_gmt":"2024-02-12T11:01:39","slug":"kosmische-lastenesel-seit-30-jahren-versorgen-russlands-automatische-progress-frachter-raumstationen-jetzt-kommt-europa-bei-der-iss-zu-hilfe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=14","title":{"rendered":"Kosmische Lastenesel &#8211; Seit 30 Jahren versorgen Russlands automatische &#8222;Progress&#8220;-Frachter Raumstationen &#8211; Jetzt kommt Europa bei der ISS zu Hilfe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kosmische Lastenesel &#8211; Seit 30 Jahren versorgen Russlands automatische &#8222;Progress&#8220;-Frachter Raumstationen &#8211; Jetzt kommt Europa bei der ISS zu Hilfe <\/strong><br \/>\n(Zum 30. Jahrestag des Erstfluges des russischen Lastenraumschiffs &#8222;Progress&#8220; am 20. Januar) <!--more-->Berlin &#8211; Ob Treibstoff, Lebensmittel, wissenschaftliche Ger\u00e4te, Hygieneartikel oder einfach nur Post von den Lieben auf der Erde &#8211; die russischen &#8222;Progress&#8220;-Frachter versorgen seit nunmehr 30 Jahren zuverl\u00e4ssig die Besatzungen von Raumstationen mit allem Notwendigen. Vom 20.Januar 1978 bis zur Jahrtausendwende flogen sie mit jeweils 2,5 Tonnen Nachschub nur die eigenen Erdau\u00dfenposten &#8222;Salut&#8220; und MIR an. Nach dem Ende des MIR-Labors 2001 ist nunmehr die Internationale Raumstation ihr Ziel. Gemeinsam mit den &#8222;Sojus&#8220;-Schiffen und den US-Shuttles sichern sie so den Pendelverkehr von Menschen und Material zwischen Erde und ISS.<\/p>\n<p>Doch bald erhalten die Russen und Amerikaner dabei willkommene Hilfe. Ende Februar\/Anfang M\u00e4rz soll das Automated Transfer Vehicle (ATV) &#8222;Jules Verne&#8220; zum Jungfernflug starten. Der europ\u00e4ische automatische Frachter, der die Gr\u00f6\u00dfe eines Londoner Doppeldeckerbusses hat, kann 7,5 Tonnen Treibstoff und St\u00fcckgut zur Station bringen. Damit leistet Europa nicht nur einen wichtigen Beitrag zur stabilen Versorgung der ISS-Stammbesatzungen, die ab 2009 von derzeit drei auf sechs Astronauten verdoppelt werden sollen. Es verschafft sich vor allem auch erstmals einen eigenen Zugang zur Station, die bald durch das europ\u00e4ische Forschungslabor &#8222;Columbus&#8220; erweitert wird, wenn die Raumf\u00e4hre &#8222;Atlantis&#8220; wie geplant am 7. Februar abheben kann.<\/p>\n<p>Mit 115 erfolgreichen Missionen stehen die russischen Lastenesel bisher zu Buche &#8211; und ein Ende ist nicht abzusehen. Das erste &#8222;Progress&#8220;-Modell war am 20. Januar 1978 zur Raumstation &#8222;Salut 6&#8220; gestartet, in der \u00fcbrigens dann im August\/September auch Sigmund J\u00e4hn als erster Deutscher eine Woche gearbeitet hat. Nach 42 Fl\u00fcgen zu dieser Station und ihren Nachfolgern &#8222;Salut 7&#8220; und MIR hatte die erste Generation 1990 ausgedient.<\/p>\n<p>Sie wurde 1989 und 2000 von der zweiten und dritten Generation abgel\u00f6st, die als &#8222;Progress M&#8220; und &#8222;Progress M1&#8220; firmieren. Sie entsprechen zwar dem neuesten Stand der Technik, k\u00f6nnen aber auch weiter nur rund 2,5 Tonnen Nachschub auf die Umlaufbahn bringen. Allerdings haben sie gr\u00f6\u00dfere Tanks mit einem Fassungsverm\u00f6gen von 1,2 beziehungsweise 1,950 Tonnen Treibstoff gegen\u00fcber einer knappen Tonne bei dem Vorg\u00e4nger. Damit tragen die Russen dem Bedarf der ISS Rechnung. Denn bisher k\u00f6nnen nur sie die Station nachtanken. Das wird sich nun mit den ATV \u00e4ndern, die sogar 2,5 Tonnen &#8211; russischen &#8211; Treibstoffs an Bord nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei all ihren Vorz\u00fcgen sto\u00dfen die &#8222;Progress&#8220;-Frachter inzwischen aber auch an ihre Grenzen. Denn sie sind &#8211; wie ihr europ\u00e4ischer Helfer &#8211; nur Ein-Weg-Raumschiffe. Nachdem sie von der ISS-Crew entladen wurden, werden sie mit den Abf\u00e4llen vollgestopft und dann gezielt als kosmische M\u00fclltonne \u00fcber dem Pazifik zum Absturz gebracht. Die US-Shuttles mit ihrer gewaltigen Ladebucht \u00fcbernehmen indes den R\u00fccktransport von Forschungsergebnissen und ausgedientem Sperrgut zur Erde. Doch wenn die Raumf\u00e4hren 2010 ihre Fl\u00fcge einstellen, haben die ISS-Partner ein Problem. Dann stehen nur noch die &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiffe f\u00fcr solche Operationen zur Verf\u00fcgung. Allerdings k\u00f6nnen in den kleinen Kapseln neben der dreik\u00f6pfigen Besatzung bestenfalls 20 Kilogramm Fracht mitgenommen werden.<\/p>\n<p>Die Russen arbeiten deshalb an einem neuen Frachter mit einer R\u00fcckf\u00fchrungsm\u00f6glichkeit. Nach den Pl\u00e4nen der Kosmosschmiede &#8222;Energija&#8220; soll dazu die &#8222;Sojus&#8220;-Kapsel entkernt werden und so rund 800 Kilogramm Fracht aufnehmen k\u00f6nnen. Mit dieser neuen Technologie, die 2010 zur Verf\u00fcgung stehen soll, will das Unternehmen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. So sollen dabei auch ein digitales Steuerungssystem und Laser-Gyroskope f\u00fcr die f\u00fcnfte &#8222;Sojus&#8220;-Generation getestet werden. Diese soll die L\u00fccke bis zum neuen, sechssitzigen Raumschiff &#8222;Clipper&#8220; schlie\u00dfen, \u00fcber dessen Bau noch in diesem Jahr entschieden wird.<\/p>\n<p>(Ver\u00f6ffentlicht am 17. 1. 2008) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kosmische Lastenesel &#8211; Seit 30 Jahren versorgen Russlands automatische &#8222;Progress&#8220;-Frachter Raumstationen &#8211; Jetzt kommt Europa bei der ISS zu Hilfe (Zum 30. Jahrestag des Erstfluges des russischen Lastenraumschiffs &#8222;Progress&#8220; am 20. 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