{"id":25,"date":"2008-06-30T14:32:09","date_gmt":"2008-06-30T12:32:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=25"},"modified":"2024-02-12T13:01:38","modified_gmt":"2024-02-12T11:01:38","slug":"wenn-der-rubel-nicht-rollt-russlands-fuhrende-raumfahrtschmiede-energija-hat-qualitatsprobleme-wegen-geld-und-facharbeitermangels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=25","title":{"rendered":"Wenn der Rubel nicht rollt&#8230; &#8211; Russlands f\u00fchrende Raumfahrtschmiede &#8222;Energija&#8220; hat Qualit\u00e4tsprobleme wegen Geld- und Facharbeitermangels"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"Arial,Helvetica,sans-serif;\"><br \/>\nBerlin &#8211; Russlands f\u00fchrende Raumfahrtschmiede &#8222;Energija&#8220; schl\u00e4gt Alarm: Aus Geld- und Facharbeitermangel ist sie nur noch bedingt in der Lage, ihren Aufgaben bei der Produktion von Raumschiffen in Menge und Qualit\u00e4t nachzukommen. Denn schon ab 2009 soll die Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS auf sechs Astronauten verdoppelt werden. Das erfordert auch eine hundertprozentige Steigerung der Fertigung von &#8222;Sojus&#8220;-Kapseln. <\/span><!--more--><span style=\"Arial,Helvetica,sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"Arial,Helvetica,sans-serif;\">Das bringt den Kosmoskonzern RKK &#8222;Energija&#8220; in arge Bedr\u00e4ngnis. Das Unternehmen vor den Toren Moskaus, das einst vom legend\u00e4ren Chefkonstrukteur Sergej Koroljow (1907-1966) begr\u00fcndet wurde, muss k\u00fcnftig mindestens vier &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiffe statt der bisher zwei j\u00e4hrlich bauen. M\u00f6glich wird das derzeit nur, weil die Amerikaner f\u00fcr ihre Mitfl\u00fcge und den Frachttransport vorerst bis 2011 schon 719 Millionen Dollar \u00fcberwiesen haben. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, kann auch das russische ISS-Segment nicht wie geplant 2010 fertiggestellt werden, weil 330 Millionen Euro daf\u00fcr fehlen, wie &#8222;Energija&#8220;-Chef Anatoli Lopota beklagt.<\/span><\/p>\n<p>Zudem ist der Maschinenpark des Unternehmens hoffnungslos veraltet. Es ist ein offenes Geheimnis, dass bis zu 80 Prozent der Ausr\u00fcstungen der Branche schon l\u00e4ngst durch neue ersetzt werden m\u00fcssten. Immer wieder werden zwar Modernisierungsprogramme aufgelegt, doch umgesetzt wurden sie bislang nicht. Noch schlechter ist es um das Personal bestellt. Bei &#8222;Energija&#8220;\u00a0 gibt es kaum noch hochqualifizierte Facharbeiter. Und die Jugend denkt gar nicht daran, in die schlecht zahlenden Staatsbetriebe zu gehen. Sie zieht es in die Banken und den Handel, wo viel h\u00f6here L\u00f6hne winken.<\/p>\n<p>Die Folge ist, dass sich die Produktionsm\u00e4ngel h\u00e4ufen. Die beiden letzten &#8222;Sojus TMA&#8220;-Raumschiffe mit den Seriennummern zehn und elf sind ballistisch, das hei\u00dft ungesteuert und damit h\u00e4rter als normal wieder zur Erde zur\u00fcckgekehrt. Dabei wurden die Besatzungen kurzzeitig mit dem Acht- bis Neunfachen ihres K\u00f6rpergewichts in die Konturensessel gepresst. Die Ursache war im ersten Fall ein Kabelschaden am Steuerpult und im zweiten &#8211; nach den bisherigen Erkenntnissen\u00a0 &#8211; ein Problem mit den Pyrobolzen. Sie sprengen\u00a0 die\u00a0 Ger\u00e4tesektion vor dem Wiedereintritt in die\u00a0 Atmosph\u00e4re von der Landekapsel ab. Die genaue Ursache wird noch von den Experten untersucht. Doch die Amerikaner haben schon klar gemacht, dass sie ihre Astronauten\u00a0 k\u00fcnftig nur noch mit den Russen mitfliegen lassen, wenn die Kapseln hunderprozentig sicher sind.<\/p>\n<p>Um sich zu vergewissern, dass die Pyrobolzen am Raumschiff &#8222;Sojus TMA-12&#8220; funktionieren, das derzeit als &#8222;Rettungsboot&#8220; an der ISS vor Anker liegt, sollen es die russischen Kosmonauten Sergej Wolkow und Oleg Kononenko gr\u00fcndlich inspizieren. Anfang Juli steigen sie dazu in den freien Raum aus, bauen die Verkleidung ab und kontrollieren die Kabel, die zu den Bolzen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eigentlich wollen die Russen schon lange ein neues bemanntes Raumschiff bauen, um die 40 Jahre alten &#8222;Sojus&#8220;-Kapseln endlich in Rente zu schicken. Der potenzielle Nachfolger, ein sechssitziges Raumschiff namens &#8222;Clipper&#8220;, war 2005 der Star auf dem Moskauer Luft- und Raumfahrtsalon (MAKS). Doch dann wurde das Projekt auf Eis gelegt &#8211; nicht zuletzt, weil sich die Europ\u00e4ische Weltraumorganisation ESA weigerte, daf\u00fcr nur als Geldgeber zu fungieren. Inzwischen planen die Russen eine neue, nunmehr f\u00fcnfte Generation der &#8222;Sojus&#8220;-Kapseln. Mit ihnen soll die Zeit bis zum &#8222;Clipper&#8220; \u00fcberbr\u00fcckt werden, den man noch nicht abgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Auch bei der neuen &#8222;Sojus&#8220;-Version ist Russland auf die Kooperation mit den Europ\u00e4ern angewiesen. ESA-Chef Jean-Jacques Dordain ist dazu auch prinzipiell bereit. Bedingung sei aber eine gleichberechtigte Beteiligung an dem Projekt &#8211; und nicht nur als Sponsor, sagte er. Die Entscheidung dar\u00fcber liege beim ESA-Ministerrat, der im Herbst tage. Allerdings w\u00e4re auch eine solche Kooperation &#8222;nur eine Etappe&#8220; auf dem Weg Europas zu einem eigenen autonomen bemannten Raumfahrtsystem, f\u00fcgte Dordain mit Blick auf die j\u00fcngst vorgestellte Industriestudie &#8222;ATV-Evolution&#8220; hinzu. Dabei handelt es sich um eine bemannte Weiterentwicklung des europ\u00e4ischen automatischen Frachtraumschiffes ATV, die 2017 einsatzbereit sein k\u00f6nnte, wenn die Politik das will.<\/p>\n<p>(Ver\u00f6ffentlicht am 27.Juni 2008)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin &#8211; Russlands f\u00fchrende Raumfahrtschmiede &#8222;Energija&#8220; schl\u00e4gt Alarm: Aus Geld- und Facharbeitermangel ist sie nur noch bedingt in der Lage, ihren Aufgaben bei der Produktion von Raumschiffen in Menge und Qualit\u00e4t nachzukommen. Denn schon ab 2009 soll die Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS auf sechs Astronauten verdoppelt werden. 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