{"id":27,"date":"2008-08-22T09:03:37","date_gmt":"2008-08-22T07:03:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=27"},"modified":"2024-02-12T13:01:38","modified_gmt":"2024-02-12T11:01:38","slug":"weise-voraussicht-vor-30-jahren-hissten-die-kasachen-fur-ddr-kosmonaut-sigmund-jahn-die-deutschland-fahne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=27","title":{"rendered":"Weise Voraussicht &#8211; Vor 30 Jahren hissten die Kasachen f\u00fcr DDR-Kosmonaut Sigmund J\u00e4hn die Deutschland-Fahne"},"content":{"rendered":"<p>Berlin &#8211; Die Kasachen sind offenbar weitsichtige Leute. Denn als Sigmund J\u00e4hn am 3. September 1978 nach einw\u00f6chigem Flug zur sowjetischen Raumstation &#8222;Salut 6&#8220; mit seinem &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiff in der kasachischen Steppe landete, gingen sie schon von der deutschen Einheit aus, wie sie erst ein Dutzend Jahre sp\u00e4ter vollzogen wurde: Sie hissten zu Ehren des ersten Deutschen im All die Deutschlandfahne. <!--more--><\/p>\n<p>Doch das schwarz-rot-goldene Banner wehte nicht lange \u00fcber der Trib\u00fcne, auf der J\u00e4hn und sein sowjetscher Raumschiffkommandant Waleri Bykowski von den \u00f6rtlichen Honorit\u00e4ten begr\u00fc\u00dft und zu Ehrenb\u00fcrgern Kasachstans gek\u00fcrt wurden. Ein Oberst der Nationalen Volksarmee (NVA) sorgte in aller Eile daf\u00fcr, dass es durch eine DDR-Fahne mit Hammer, Sichel und \u00c4hrenkranz ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Die Fahnenpanne wiederholte sich im Kleinen auch an den schwarzen &#8222;Wolga&#8220;-Limousinen der lokalen Partei- und Staatsfunktion\u00e4re. An den Frontseiten der Wagen prangten Stander im Janus-Stil. Auf der einen Seite gr\u00fc\u00dfte die DDR-Fahne, auf der anderen die der Bundesrepublik. Um die richtige Fahne ins Bild zu bekommen, drehten die Fotoreporter der DDR den Stander einfach um. Dadurch entstanden kuriose Aufnahmen, bei denen der eine Standar nach vorn, der andere aber nach hinten zeigte.<\/p>\n<p>Fotos, die den Zwischenfall belegen, gibt es nicht. Die Bildreporter mussten n\u00e4mlich w\u00e4hrend der gesamten Weltraummission J\u00e4hns alle ihre Filme bei den Sicherheitsbeh\u00f6rden des Kosmodroms Baikonur abgeben und bekamen selten mehr als eine Aufnahme zur\u00fcck. Auch in der Berichterstattung der schreibenden Zunft, des Rundfunks und des Fernsehens wurde die Sache totgeschwiegen. Fairerweise muss man aber sagen, dass das diesmal weniger an der Zensur als an der fehlenden Courage der Journalisten lag. Keiner von ihnen hat die &#8222;Fahnen-Story&#8220;, die sicherlich international f\u00fcr viel Wirbel gesorgt h\u00e4tte, in einer Art vorauseilenden Gehorsams seiner Redaktion anzubieten gewagt.<\/p>\n<p>Beim J\u00e4hn-Flug gab es daneben noch viele\u00a0 Momente, die zu DDR-Zeiten nicht das Licht der Welt erblickt haben und erst nach der Wende publik wurden. Einer der dramatischsten h\u00e4tte beinahe zum vorzeitigen Ende der Mission gef\u00fchrt, weil die Umstiegsluke zwischen dem Raumschiff &#8222;Sojus 31&#8220; und der &#8222;Salut 6&#8220;-Raumstation klemmte. Doch Kommandant Bykowski, der schon die Erfahrungen zweier Raumfl\u00fcge mitbrachte, rettete die Situation. Mit kr\u00e4ftigen Fu\u00dftritten stie\u00df er zur Verwunderung des Deutschen die Luke auf.<\/p>\n<p>Sigmund J\u00e4hn hat diese Rettungsaktion 1999 in seiner Biographie geschildert. In seinem vertraulichen Flugbericht, den er f\u00fcr seinen Dienstherrn, Verteidigungsminister Heinz Hoffmann, abgefasst hat, ist sie hingegen nicht erw\u00e4hnt. Vielleicht wollte der Kosmonaut den Armeegeneral damit vor einem nachtr\u00e4glichen Herzinfarkt oder aber die &#8222;Russentechnik&#8220; auch nur vor unberechtigter H\u00e4me bewahren.<\/p>\n<p>(ver\u00f6ffentlicht am 21. August 2008)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin &#8211; Die Kasachen sind offenbar weitsichtige Leute. Denn als Sigmund J\u00e4hn am 3. 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