{"id":2956,"date":"2011-04-08T10:43:57","date_gmt":"2011-04-08T08:43:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=2956"},"modified":"2011-04-08T10:43:57","modified_gmt":"2011-04-08T08:43:57","slug":"der-erste-juri-gagarins-weg-vom-bauernsohn-zum-kolumbus-des-xx-jahrhunderts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=2956","title":{"rendered":"Der Erste &#8211; Juri Gagarins Weg vom Bauernsohn zum &#8222;Kolumbus des XX. Jahrhunderts&#8220;"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2957\" aria-describedby=\"caption-attachment-2957\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/Gagarin3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-2957\" src=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/Gagarin3-150x150.jpg\" alt=\"Credit: Roskosmos \" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2957\" class=\"wp-caption-text\">Credit: Roskosmos <\/figcaption><\/figure>\n<p>Berlin, 8. April 2011 &#8212;\u00a0Tausende junger sowjetischer Jagdflieger sind 1959 f\u00fcr den Job &#8222;gecastet&#8220; worden, wie man heute sagen w\u00fcrde, doch nur 20 davon kamen ins Finale. Unter dem Geheimcode &#8222;Thema Nr.6&#8220; wurde nach jenem Sowjetb\u00fcrger gesucht, der als erster Mensch in den Weltraum fliegen sollte. Den 20 Kandidaten hatte man lediglich gesagt, es gehe um &#8222;neue Technik&#8220;. Die meisten dachten deshalb an modernere und schnellere\u00a0 Flugzeuge. Erst als nach den gr\u00fcndlichen medizinischen Untersuchungen im M\u00e4rz 1960 das harte Training begann, wurde das R\u00e4tsel aufgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Der 27-j\u00e4hrige Oberleutnant Juri Gagarin machte schlie\u00dflich das Rennen. Am 10. April 1961 wurde er als die Nummer Eins nominiert, seine Ersatzleute waren German Titow und Grigori Neljubow. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 12. April, stieg der &#8222;Kolumbus des XX. Jahrhunderts&#8220; in seiner &#8222;Wostok&#8220;-Kapsel vom Raketenstartplatz Tjura-Tam, dem heutigen Kosmodrom Baikonur (Kasachstan), auf und landete 108 Minuten sp\u00e4ter wohlbehalten am Fallschirm auf einem Sturzacker bei Saratow an der Wolga.<\/p>\n<p>Der Werdegang Gagarins war typisch f\u00fcr Millionen seiner Altersgenossen in dem inzwischen untergegangenen Land. Am 9. M\u00e4rz 1934 in einer Kolchosbauernfamilie bei Smolensk geboren, lernte er nach der Grundschule den Beruf eines Gie\u00dfers, bildete sich auf einem Industrietechnikum weiter, trat einem Aeroklub bei und wurde nach Abschluss der Fliegerschule in Orenburg (Ural) 1957 Milit\u00e4rpilot. Nach kurzer Dienstzeit in einem Fliegerregiment der Nordmeerflotte kam er schlie\u00dflich in die erste Auswahlgruppe f\u00fcr den Raumflug, die heute als &#8222;Gagarinsche Garde&#8220; bekannt ist.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblichen Anteil an der Entscheidung f\u00fcr Gagarin hatte Chefkonstrukteur Sergej Koroljow (1907-66). &#8222;In Juri verbinden sich angeborener Mut, analytischer Verstand und au\u00dfergew\u00f6hnlicher Flei\u00df&#8220;, sagte er zur Begr\u00fcndung. Wenn Gagarin eine &#8222;solide Bildung&#8220; erhalte, werde man einst seinen Namen unter den bedeutendsten Wissenschaftlern finden, f\u00fcgte\u00a0 Koroljow hinzu.<\/p>\n<p>In der Tat: Parallel zu seinen Reisen in rund 40 L\u00e4nder der Erde, wo er wie ein Popstar gefeiert und mit Ehrungen geradezu \u00fcbersch\u00fcttet wurde, nahm Gagarin im September 1961 ein Studium an der Moskauer &#8222;Shukowski&#8220;-Milit\u00e4rakademie auf, das er im Februar 1968 mit Auszeichnung abschloss. Der frischgebackene &#8222;Flieger-Ingenieur-Kosmonaut&#8220; lieb\u00e4ubelte damit, eine Aspirantur aufzunehmen und seine wissenschaftliche Laufbahn fortzusetzen, wurde aber auch als Chef des Kosmonauten-Ausbildungszentrum (ZPK) gehandelt. Doch dann st\u00fcrzte er am 27. M\u00e4rz zusammen mit seinem Instrukteur Wladimir Serjogin bei einem \u00dcbungsflug mit einer MiG aus bis heute nicht eindeutig gekl\u00e4rter Ursache ab. Die UdSSR hatte ihren Nationalhelden verloren.<\/p>\n<p>Der Tod des Kosmonauten, der mit seinem offenen Wesen und unnachahmlichen L\u00e4cheln der beste Botschafter seines Landes war, l\u00f6ste in der ganzen Welt gro\u00dfe Best\u00fcrzung aus. Zur\u00fcck blieben seine Witwe Walentina, die seither im &#8222;Sternenst\u00e4dtchen&#8220; bei Moskau lebt, und seine T\u00f6chter Jelena und Galina. Dr. Jelena Gagarina (51) ist als Kulturwissenschaftlerin seit 2001 Generaldirektorin der Kreml-Museen. An ihrer Seite arbeitet auch Tochter Katja (23). Dr. Galina Gagarina (50) ist Dozentin an der Moskauer &#8222;Plechanow&#8220;-Wirtschaftsakademie, ihr Sohn Juri jr. (21) Student.<\/p>\n<p>Im vergangenen halben Jahrhundert sind 519 Frauen und M\u00e4nner aus 37 L\u00e4ndern\u00a0 Gagarin in den Weltraum gefolgt. Das Gros stellen die USA mit 335 Astronauten, Russland folgt mit 110 Kosmonauten auf Platz 2. Deutschland liegt mit zehn Raumfahrern an dritter Stelle.<\/p>\n<p>Von den 20 Mitgliedern der &#8222;Gagarinschen Garde&#8220; leben heute noch vier, darunter ist auch Waleri Bykowski, der 1978 Kommandant des ersten Deutschen im All, Sigmund J\u00e4hn, war. Sie sind besonders willkommene Ehreng\u00e4ste bei den Feierlichkeiten zum gro\u00dfen Jubil\u00e4um am 12. April im Moskauer Kreml.<\/p>\n<p>(f\u00fcr dapd)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 8. April 2011 &#8212;\u00a0Tausende junger sowjetischer Jagdflieger sind 1959 f\u00fcr den Job &#8222;gecastet&#8220; worden, wie man heute sagen w\u00fcrde, doch nur 20 davon kamen ins Finale. Unter dem Geheimcode &#8222;Thema Nr.6&#8220; wurde nach jenem Sowjetb\u00fcrger gesucht, der als erster Mensch in den Weltraum fliegen sollte. 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