{"id":662,"date":"2009-12-01T11:14:57","date_gmt":"2009-12-01T09:14:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=662"},"modified":"2009-12-02T11:53:31","modified_gmt":"2009-12-02T09:53:31","slug":"personalabbau-in-der-iss-esa-astronaut-de-winne-und-kollegen-sicher-mit-sojus-kapsel-gelandet-internationale-raumstation-setzt-flug-mit-minibesatzung-fort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/?p=662","title":{"rendered":"Personalabbau in der ISS &#8211; ESA-Astronaut de Winne und Kollegen sicher mit &#8222;Sojus&#8220;-Kapsel gelandet &#8211; Internationale Raumstation setzt Flug mit Minibesatzung fort"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_663\" aria-describedby=\"caption-attachment-663\" style=\"width: 144px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/TMA-15.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-663  \" src=\"http:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/TMA-15.jpg\" alt=\"Credit: NASA\" width=\"144\" height=\"111\" srcset=\"https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/TMA-15.jpg 400w, https:\/\/www.gerhardkowalski.com\/public\/TMA-15-300x231.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 144px) 100vw, 144px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-663\" class=\"wp-caption-text\">Credit: NASA<\/figcaption><\/figure>\n<p>Berlin\/Baikonur, 1. Dezember 2009 &#8212; Der krisenbedingte Personalabbau auf der Erde schl\u00e4gt jetzt auch auf den Weltraum durch. Nach der R\u00fcckkehr von Roman Romanenko (Russland), Frank de Winne (ESA\/Belgien) und Robert Thirsk (Kanada)\u00a0 am Dienstagvormittag von ihrer Halbjahresmission\u00a0 setzt die Internationale Raumstation ISS jetzt ihren Flug mit der Minimalbesatzung von nur noch zwei Astronauten fort. Derzeit halten dort US-Astronaut Jeffrey Williams und seine russischer Kollege Maxim Surajew allein die Stellung. Damit ist der erst Ende Mai gro\u00df gefeierte \u00dcbergang zu einer st\u00e4ndigen sechsk\u00f6pfigen Stammbesatzung schon wieder Geschichte. <!--more--><\/p>\n<p>Das Raumschiff &#8222;Sojus TMA-15&#8220; mit Romanenko, de Winne und Thirsk an Bord war um 8.16 Uhr deutscher Zeit 84 Kilometer n\u00f6rdlich der Stadt Arkalyk in der kasachischen Steppe weich gelandet. Wegen der niedrigen Wolkendecke konnten die Bergungsmannschaften aber nicht mit Hubschraubern zum Landeort eilen, teilte die Raumfahrtagentur Roskosmos mit. So seien zuerst Trupps mit gel\u00e4ndeg\u00e4ngigen Fahrzeugen bei der Kapsel gewesen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 48-j\u00e4hrigen Belgier war das bereits die zweite erfolgreiche ISS-Mission. Im Oktober\/November 2002 war er das erste Mal f\u00fcr\u00a0 eine Woche da oben und konnte wertvolle Erfahrungen sammeln, die ihm jetzt\u00a0 bei seiner erheblich anspruchsvolleren\u00a0 Aufgabe sehr zugute kamen. Als erster Astronaut der Europ\u00e4ischen Weltraumorganisation ESA war\u00a0 de Winne n\u00e4mlich von Anfang Oktober bis zur vergangenen Woche Chef der 21. Stammbesatzung. Bislang war dieser Posten nur\u00a0 Russen und Amerikanern vorbehalten. Nun\u00a0 trug man auch der Tatsache Rechnung, dass die ESA mit ihrem Forschungsmodul &#8222;Columbus&#8220; und dem automatischen Frachtraumschiff ATV inzwischen zu einem ISS-Partner herangewachsen ist, der mit den &#8222;Gro\u00dfen&#8220; auf Augenh\u00f6he agiert.<\/p>\n<p>De Winne, Romanenko und Thirsk haben w\u00e4hrend ihres Langzeitfluges die Besatzungen von zwei US-Shuttles und eines &#8222;Sojus&#8220;-Raumschiffes auf der Umlaufbahn begr\u00fc\u00dft. Zudem empfingen sie den\u00a0 ersten japanischen Transporter HTV sowie zwei Frachter und ein neues Forschungsmodul der Russen. Der Belgier absolvierte au\u00dferdem ein anspruchsvolles Wissenschaftsprogramm, das nach den Wort der ESA-Direktorin f\u00fcr bemannte Raumfahrt, Simonetta Di Pippo, &#8222;ein totaler Erfolg&#8220; war.<\/p>\n<p>Williams und Surajew sind als 22. Stammcrew nicht um ihre Aufgabe zu beneiden. Die beiden haben alle H\u00e4nde voll zu tun, um die inzwischen auf 345 Tonnen angewachsene Hightech-R\u00f6hre mit ihren ungez\u00e4hlten hochkomplizierten Aggregaten am Laufen zu halten. Da bleibt nicht viel Zeit f\u00fcr die Forschung. Erst zu Weihnachten\u00a0 bekommen sie Verst\u00e4rkung. Am 21. Dezember machen sich\u00a0 der Russe Oleg Kotow, der US-Amerikaner Timothy Craemer und der Japaner Soichi Noguchi mit dem Raumschiff &#8222;Sojus TMA-17&#8220; zu ihnen auf den Weg. Doch auch dann fehlt immer noch ein Astronaut an der Soll-St\u00e4rke.<\/p>\n<p>Die Personalkrise geht auf das Konto der Amerikaner. Pr\u00e4sident George W. Bush hatte nach\u00a0 der &#8222;Columbia&#8220;-Katastrophe vom 1. Februar\u00a0 2003 eine neue zivile Raumfahrtpolitik verk\u00fcndet, die sein Land &#8222;zum Mond, zum Mars und dar\u00fcber hinaus&#8220; bringen soll. Im Rahmen des &#8222;Constellation&#8220;-Programms sollen die neuen Tr\u00e4gerraketen &#8222;Ares 1&#8220; und &#8222;Ares 5&#8220; zusammen mit dem neuen Raumschiff &#8222;Orion&#8220; nebst Mondlandef\u00e4hre &#8222;Altair&#8220;\u00a0 die technisch veralteten und s\u00fcndhaft teuren Space Shuttles abl\u00f6sen. Allerdings sorgte die Bush-Administration nicht f\u00fcr die ad\u00e4quate Finanzierung des ehrgeizigen Projekts.<\/p>\n<p>Nach dem derzeitigen Stand der Dinge stehen deshalb die &#8222;Ares 1&#8220; und &#8222;Orion&#8220; nicht vor 2016 zur Verf\u00fcgung. Dadurch haben die USA nach Einstellung der Shuttle-Missionen im September\u00a0 2010 mindestens f\u00fcnf Jahre lang keinen eigenen bemannten Zugang zum All und sind voll auf die guten Dienste und den guten Willen der Russen angewiesen. Mehr noch: Seit September steht eine\u00a0 Entscheidung des neuen US-Pr\u00e4sidenten Barack Obama dar\u00fcber aus,\u00a0 ob und wie es mit dem Programm \u00fcberhaupt weitergeht. Dabei muss auch die Frage beantwortet werden, ob die USA sich \u00fcber das Jahr 2015 hinaus\u00a0 f\u00fcr die ISS engagieren oder nicht.<\/p>\n<p>Leidtragende dieser H\u00e4ngepartie sind die Russen. Auf ihren Schultern ruht nun die gesamte Last des Personen- und der Gro\u00dfteil des G\u00fcterverkehrs zwischen Erde und ISS. Dazu m\u00fcssen sie die Zahl der bemannten Missionen auf vier pro Jahr verdoppeln.\u00a0 Bisher haben sich die Amerikaner erst bis 2012 je einen Platz in den engen &#8222;Sojus&#8220;-Kapseln gekauft. Was danach geschieht, steht noch in den Sternen. An den &#8222;Progress&#8220;-Frachtern, deren Startfrequenz ebenfalls erh\u00f6ht werden muss, wollen sie sich finanziell \u00fcberhaupt nicht beteiligen.<\/p>\n<p>Diese Z\u00f6gerlichkeit Washingtons ist nat\u00fcrlich Wasser auf die M\u00fchlen der ISS-Kritiker in Russland.\u00a0 Diese zweifeln generell den Nutzen der Station an, die den L\u00f6wenanteil des ohnehin knappen russischen Weltraumhaushalts verschlingt. Dadurch ger\u00e4t ihrer Meinung nach das nationale Programm str\u00e4flich ins Hintertreffen. Erst dieser Tage hat Zweifachkosmonaut Michail Tjurin in einem Interview beklagt, seinem Lande fehle es in der Raumfahrt an<br \/>\n&#8222;Systematik&#8220;. Das zeige sich darin, dass es wie schon\u00a0 bei der MIR auch in der ISS keine\u00a0 entsprechende wissenschaftliche Aufgabenstellung gebe.\u00a0 Die laufenden\u00a0 Experimente im russischen Segment seien &#8222;Laborarbeiten f\u00fcr Erstsemestler&#8220;, sagte Tjurin. Und auch der Nachfolger der \u00fcber\u00a0 40 Jahre alten &#8222;Sojus&#8220;-Kapseln werde &#8222;bar jeder Konzeption&#8220; projektiert. Er nehme sich aus wie eine Mischung aus einer &#8222;Asphaltiermaschine&#8220; und einem &#8222;Formel 1-Boliden&#8220;.<\/p>\n<p>(Material f\u00fcr ddp)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin\/Baikonur, 1. Dezember 2009 &#8212; Der krisenbedingte Personalabbau auf der Erde schl\u00e4gt jetzt auch auf den Weltraum durch. Nach der R\u00fcckkehr von Roman Romanenko (Russland), Frank de Winne (ESA\/Belgien) und Robert Thirsk (Kanada)\u00a0 am Dienstagvormittag von ihrer Halbjahresmission\u00a0 setzt die Internationale Raumstation ISS jetzt ihren Flug mit der Minimalbesatzung von nur noch zwei Astronauten fort. 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