Juri Koptjew: Raumfahrtprojekte Russlands verteuern sich um 27 Prozent – Föderales Programm wird gekürzt

Credit: Roskosmos

Moskau, 24. März 2015 — Düstere Aussichten für Russlands Raumfahrt: Die bereits bestätigten Projekte verteuern sich nach Mitteilung von Juri Koptjew (Foto) um durchschnittlich 27 Prozent. Grund sei die ökonomische Lage des Landes, sagte der Chef des Wissenschaftlich-Technischen Rates (NTS) der neuen Dachorganisation Roskosmos am Dienstag in Moskau. Die Inflationsrate sei viel höher als erwartet, so dass die festgelegten Parameter nicht mehr den jetzigen „Lebensrealitäten“ entsprechen. 

Deshalb werde das Föderale Raumfahrtprogramm (FKP) für die Jahre 2016-25, das am 10. Juni der Regierung zur Bestätigung vorgelegt werden soll, um 10 Prozent gekürzt und sehe jetzt „ganz anders“ aus, fügte Koptjew hinzu. Die Hälfte des Budgets entfalle auf die bemannte Raumfahrt und die Entwicklung der geplanten superschweren Trägerrakete für Flüge zum Mond und zum Mars.

Der NTS-Chef teilte mit, dass die USA ihr Interesse an einer Verlängerung der Nutzungsdauer der Internationalen Raumstation ISS bis 2027 angeregt haben. „Lasst uns also einvernehmlich auf das Jahr 2027 schauen“, sagte Koptjew. Er verwies aber zugleich darauf, dass noch niemand über die Einzelheiten gesprochen habe. Schon mit Blick auf das bisher anvisierte Jahr 2024 gebe es viele  „technische und politische Unwägbarkeiten“.

Koptjew betonte, die Weiterführung der ISS sei für Russland jetzt „hinreichend vorteilhaft“. Während des gesamten bisherigen Betriebs der Station habe Russland 10 Prozent investiert und 30 Prozent der Ressourcen genutzt. Damit widersprach er eindeutig dem für die Raumfahrt zuständigen Vizepremier Dmitri Rogosin. Der hatte im vergangenen Jahr angesichts der US-Sanktionen wegen der Ukraine-Krise den Rückzug Russland aus dem ISS-Programm für 2020 angedroht. Zur Begründung sagte er, die Mitarbeit in der ISS zahle sich für sein Land nicht aus.

Inzwischen hat Russland aber seine Bereitschaft bekundet, dem Wunsch der USA nachzukommen, die Station bis 2024 zu betreiben. Danach will man eine eigene hochfliegende Raumstation als Vorposten für Missionen zum Mond und Mars bauen.

(c) Gerhard Kowalski

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