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Revirement im Sternenstädtchen: Drei Raumfahrer aus dem Kosmonautenkorps ausgemustert

 

Moskau,  25. April 2017  —  Im Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau findet offenbar ein größeres Revirement statt. Drei Raumfahrer seien aus dem Kosmonautenkorps ausgemustert worden,  meldet die Nachrichtenagentur TASS. Die Auswahl-  und Berufungskommission des Staatskonzerns GK Roskosmos habe mit Beschluss vom 21. April die Kosmonauten Sergej Wolkow,  Alexander Samokutjajew und Sergej Rewin ausgemustert,  heißt es unter Berufung auf eine Mitteilung des ZPK-Pressedienstes. Bei Wolkow sei das auf eigenen Wunsch geschehen,  für Samokutjajew und Rewin seien medizinische Gründe genannt worden.

Bereits am Vortag hatte Langzeitflugweltrekordler Gennadi Padalka (siehe die Meldung vom 22. 4.) seinen Dienst im Zorn aufgekündigt,  weil man keine Aufgaben mehr für ihn habe, wie er zur Begründung sagte.

© Gerhard Kowalski

US-Präsident Trump und Tochter Ivanka gratulieren der Astronautin Peggy Whitson zum nationalen Langzeitflugrekord – Live-Schaltung zur ISS

Credit:White House

Houston,   24. April 2017 —  US-Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka haben am Montag der amerikanischen Astronautin Peggy Whitson zu ihrem neuen nationalen Weltraumlangzeitflugrekord gratuliert. Whitson hat an diesem Tag bei ihrer nunmehr dritten Mission in der Internationalen Raumstation ISS den alten 534-Tage-Rekord ihres Landsmann Jeff Williams überboten.

In der 20-minütigen Live-Schaltung zur Station sagte der Präsident, der neue Rekord markiere einen großartigen Tag in der US-Raumfahrtgeschichte. Alle Amerikaner und die ganze Welt seien stolz darauf.

Auf die Frage von Trump,  wann es so weit sei,  bemannt zum Mars fliegen,  sagte Whitson,  leider sei ein solches Unternehmen sehr kostspielig und zeitraubend. Zudem erfordere es eine breite internationale Kooperation. Die ISS habe eine wichtige Brückenfunktion zwischen Erde und dem tiefen Weltraum.  In ihr würden jene Technologien entwickelt,  die für Marsflüge gebraucht werden. Er werde versuchen, das zu beschleunigen,  so dass es vielleicht schon in seiner 2. Amtszeit möglich werde,  erwiderte der Präsident scherzend.

Das Video-Gespräch konnte nach Angaben der Luft-   und Raumfahrtbehörde NASA von „Schulen,  Museen und anderen Organisationen“  in den USA und auf der ganzen Welt verfolgt werden.

Whitson ist derzeit zum zweiten Mal Kommandantin der ISS. Ihrer nunmehr 51. Stammbesatzung gehören die Russen Oleg Nowizki und Fjodor Jurtschichin, ihr Landsmann Jack Fischer und der französische ESA-Astronaut Thomas Pesquet an. Die Amerikanerin,  die eigentlich am 2. Juni mit Nowizki und Pesquet zur Erde zurückkehren sollte,  hat ihren Flug um drei Monate verlängert.

Nach wie vor beherrschen die Russen aber souverän die Langzeitflugrekordliste. Absoluter Rekordhalter ist Gennadi Padalka mit 878 Tagen. Er hat gerade seine Arbeit gekündigt,  weil ihm ein sechster Flug verwehrt wurde,  bei dem er die 1.000-Tage-Schallmauer durchbrechen wollte,  und scheidet am 28. April aus dem russischen Kosmonautenkorps aus.

Er wird aber noch lange im Besitz dieses Rekordes bleiben. Der einzige Rivale,  der ihm theoretisch gefährlich werden könnte,  ist sein Landsmann Alexander Kaleri,  der es bei sechs Missionen auf 769 Tage brachte. Für ihn ist jedoch derzeit kein neuer Flug geplant. Zudem müsste er mindestens 197 Tage im All bleiben,  um neuer Rekordhalter zu werden. Denn die bisherige Bestleistung muss dafür immer um zehn Prozent überboten werden.

Mit nunmehr über 534 Tagen rückt Whitson auf Platz 14 der Weltrangliste vor. Sie liegt damit direkt hinter Jurtschichin,  der noch mit 537 Tagen zu Buche steht.

© Gerhard Kowalski

 

 

Kalenderblatt: Vor 50 Jahren verunglückte Wladimir Komarow tödlich

Credit: GK Roskosmos

Berlin,  24. April 2017 —  Er war der Erste –   im Leben wie im Tod. Am 24. April 1967 verunglückte der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow bei der Erprobung des neuen Raumschiffes Sojus-1 tödlich. Nachdem er eine ganze Serie technischer Probleme an der noch nicht voll ausgereiften Kapsel mit viel Können und Glück gemeistert hatte,  glaubte er,  wieder heil nach Hause zu kommen. Doch dann versagte das Fallschirmsystem. Sojus-1 schlug ungebremst auf die Erde auf,  explodierte und brannte aus. Für den Kosmonauten gab es keine Rettung. Zuvor hatte man noch den Start eines zweiten Sojus-Schiffes mit drei Kosmonauten an Bord abgesagt,  an das Sojus-1 anlegen sollte. Die ganze Mission war eigentlich als „Geschenk“  zum bevorstehenden 50. Jahrestag der Oktoberrevolution gedacht.

Komarow war damit der erste Raumfahrer,  der bei einer Weltraummission ums Leben kam. Zugleich war er der erste Zweifachkosmonaut nach seinem Flug mit Woßchod-1 1964,  wobei er gleichzeitig der erste Kommandant einer Dreierbesatzung war.

Der Kosmonaut wurde posthum mit einem zweiten Stern eines Helden der Sowjetunion ausgezeichnet und an der Kreml-Mauer beigesetzt.

(siehe auch meinen Beitrag zu Komarow bei Spiegel Plus)

© Gerhard Kowalski

Weltraumbahnhof Kourou nimmt nach Blockade Tätigkeit wieder auf

Credit:G.- Kowalski

Credit:G. Kowalski

Kourou,  23. April 2017 —  Nach mehr als vierwöchiger Blockade nimmt der europäische Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana am Montag wieder seine Arbeit auf. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Administration des Centre Spatial Guyanais (CSG). Im Rahmen eines Generalstreiks in dem französischen Überseegebiet hatten Hunderte Demonstranten auch  das Raumfahrtzentrum besetzt. Dadurch mussten drei Starts verschoben werden. Sie sollen voraussichtlich im Mai und Juni nachgeholt werden.

Der Generalstreik war Ausdruck der seit langen schwelenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Arbeits-  und Lebensbedingungen vor dem Hintergrund der allgemeinen Krise der regionalen Wirtschaft Französisch-Guyanas. Der Streik legte praktisch alle staatlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten lahm. Auch das Verkehrsnetz war blockiert. Die Blockade wurde lediglich für die Präsidentschaftswahlen etwas gelockert.

Die Streikenden forderten von der Regierung in Paris Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro für die Verbesserung der örtlichen Infrastruktur und des Gesundheits-  und Bildungssystems sowie für die Erhöhung der Sicherheit. Paris hat inzwischen 2,1 Milliarden Euro für die Überwindung der ökonomischen und sozialen Probleme zugesagt.

Rund 40 Prozent der Menschen unter 25 Jahren sind in Französisch-Guyana arbeitslos. 30 Prozent der 250.000 Einwohner haben keinen Zugang zu Trinkwasser oder Elektrizität.

© Gerhard Kowalski

Langzeitflugweltrekordler Padalka verlässt das russische Kosmonautenkorps – Offenbar im Zorn

Credit:ZPK

Moskau,  22. April 2017 —    Der Langzeitflugweltrekordler Gennadi Padalka verlässt das russische Kosmonautenkorps –  und das offenbar im Zorn. Er werde nur noch bis zum 28. April in der Kosmonautengruppe arbeiten,  teilte der 58-Jährige mit, der bei fünf Weltraummissionen insgesamt 878 Tage, sechs Stunden, 36 Minuten und 24 Sekunden im All war und dabei auch zehn Ausstiege in den freien Raum absolvierte .

Zur Begründung sagte Padalka,  er sei zu diesem Schritt „gezwungen“ worden. Er sei es leid, untätig herumzusitzen. Es gebe für ihn „keine Perspektive“ für einen neuen Flug. Damit spielte der Weltrekordler auf seinen Wunsch nach einer sechsten Mission an, bei der er die 1.000-Tage-Grenze überschreiten wollte. Zudem gebe es für ihn keine Arbeit im Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau,  betonte er.

ZPK-Chef Juri Lontschakow scheint Padalka nicht nachzutrauern. Er sehe darin „keine große Tragödie“,  sagte er unter Hinweis auf die neue Ausschreibung für Kosmonautenkandidaten. Zudem gebe es im Korps nicht wenige Kosmonauten, die noch nicht in den Weltraum geflogen sind. In zwei Wochen werde über den Antrag Padalkas entschieden.

© Gerhard Kowalskis

US-Frachter bringt Nachschub zur ISS

Houston,22. April 2017 —   Ein privater US-Frachter mit rund 3,5 Tonnen Nachschub an Bord hat am Samstagmittag um 12.05 Uhr deutscher Zeit die Internationale Raumstation ISS erreicht. Da Cygnus OA-7 des Konzerns Orbital ATK  über keinen eigenen aktiven Kopplungsadapter verfügt,  musste das Raumschiff von Astronautin Peggy Whitson mit einem Roboterarm „eingefangen“ und dann an das amerikanische Harmony-Modul umgesetzt werden.

Der Frachter,  der auf den Namen des ersten US-Astronauten John Glenn getauft wurde,  bringt Trinkwasser,  Lebensmittel,  wissenschaftliche Geräte und Experimente sowie Versorgungsgüter und Kleinsatelliten auf die Umlaufbahn. Letztere sollen in nächster Zeit zur Erforschung der oberen Schichte der Erdatmosphäre aus der Station freigesetzt werden.

Cygnus OA-07 war am Dienstag an der Spitze einer Atlas V-Trägerrakete vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral in Florida gestartet. Es ist dies die 7. ISS-Versorgungsmission des Frachters.

© Gerhard Kowalski

Chinesischer Frachter legt automatisch am Weltraummodul Tiangong-2 an

Peking,  22. April 2017 —  Chinas Raumfahrt meldet einen großen Erfolg auf dem Weg zu einer eigenen Raumstation. Das erste Frachtraumschiff Tianzhou-1 hat am Samstag automatisch am Weltraummodul Tiangong-2 angelegt,  meldet die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua. Der Vorgang wurde im Fernsehen übertragen. Der Frachter war am Donnerstag vom südchinesischen Weltraumbahnhof Wenchang an der Spitze einer Langer Marsch-7 Y2-Trägerrakete gestartet.

Das Raumschiff bringt mehr als sechs Tonnen Fracht,  darunter auch Treibstoff,  zu dem Weltraummodul,  an dem es in den kommenden Monaten dreimal ankoppeln soll, um es zu betanken und andere Tests durchzuführen. Danach wird Tianzhou-1 gezielt zum Absturz gebracht. Mit der Kopplung hat China nach Einschätzung seiner Experten eindrucksvoll nachgewiesen, dass es zwei Raumflugkörper gleichzeitig zu steuern vermag.

China will bis spätestens 2020 eine eigene Raumstation in Betrieb nehmen.

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Krikaljow: Testprogramm der Sojus MS-Raumschiffe noch nicht abgeschlossen

Credit:ZPK

Moskau,  21. April 2017 —  Das Testprogramm der neuen Sojus MS-Raumschiffe ist mit der Seriennummer 04 nicht nicht abgeschlossen. Eigentlich sollte es mit der Landung von Sojus MS-04,  das gerade an der Internationalen Raumstation ISS angekoppelt hat, beendet werden,  teilte der amtierende Direktor für bemannte Programme des Staatskonzerns GK Roskosmos,   Sergej Krikaljow,  in Moskau mit. Jetzt würden die Tests um ein oder zwei Raumschiffe verlängert.

Als Grund nannte Krikaljow „gewisse Nuancen“, die sich bei den ersten beiden Schiffen gezeigt hätten und die nun korrigiert würden. Einzelheiten teilte der Manager nicht mit. Insofern gehe das Testprogramm „normal“ weiter.

Sojus MS-04 (MS steht für modernisierte Systeme) war das 50. Sojus-Raumschiff,  das zur ISS geflogen ist. Die ersten drei MS-Versionen waren im Juli, Oktober und November 2016 dorthin gestartet. Die neue Kapsel entstand durch die grundlegende Modernisierung der vorangegangenen TMA-Version.

Das erste Sojus-Raumschiff wurde 1966 unbemannt gestartet. Der erste bemannte Flug endete am 24. April 1967, also vor fast genau 50 Jahren, für den Kosmonauten Wladimir Komarow tödlich,  weil nach vielen anderen ernsthaften Pannen schließlich auch noch das Fallschirmsystem versagte.

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ISS-Besatzung wieder komplett – Neue reduzierte Sojus-Besatzung legt problemlos an – Präsident Trump kündigte Telefonat mit Peggy Whitson an

Credit:GK Roskosmos

Credit:GK Roskosmos

Koroljow,  20. April 2017 — Die Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS ist wieder komplett. Das Raumschiff Sojus MS-04 mit den Russen Fjodor Jurtschichin und dem Amerikaner Jack Fischer hat am Donnerstag um 15.19 Uhr deutscher Zeit und damit vier Minuten früher als geplant automatisch an der Station angelegt und wurde von der Amerikanerin Peggy Whitson,  dem Russen Oleg Nowizki und dem französischen ESA-Astronaut Thomas Pesquet freudig begrüßt.

Die Ankömmlinge waren am Morgen pünktlich um 09.13 Uhr vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan gestartet. Das dritte „Besatzungsmitglied“ war diesmal ein Container mit 70 Kilogramm Obst und Gemüse. Die ursprünglich geplante Mitnahme von lebenden Mäusen hatte Jurtschichin abgelehnt.

Ein Quintett ersetzt nunmehr die eigentlich auf sechs Astronauten ausgelegte Stamm-Crew,  weil die Russen die Zahl ihrer Kosmonauten an Bord vorübergehend von drei auf zwei reduziert haben. Diese Regelung soll bis zum Start des Mehrzwecklabormoduls  MLM Nauka (Wissenschaft) gelten.

Die Mission von Jurtschichin und Fischer soll 136 Tage dauern. Für die Russen ist dabei neben den 56 wissenschaftlichen Experimenten,  darunter der Versuch,  erstmals Kefir herzustellen,  vor allem ein Ausstieg in den freien Raum wichtig. Jurtschichin und Sergej Rjasanski,  der mit einem Amerikaner mit dem nächsten Sojus-Raumschiff zur ISS kommt,  sollen dabei ein Bullauge des russischen Segments säubern,  eine Box mit Materialproben bergen und eine Antenne am Service-Modul Swesda reparieren. Zudem soll der erste russische Nanosatellit,  der im 3D-Druckverfahren hergestellt wurde, in den freien Raum entlassen werden.

Wie die US-Luft-  und Raumfahrtbehörde NASA am Mittwoch mitgeteilt hat,  wollen Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka am Montag bei Peggy Whitson anrufen,  um ihr zum neuen amerikanischen Langzeitflugrekord zu gratulieren. Am 24. April stellt sie bei ihrer nunmehr dritten ISS-Mission den alten 534-Tage-Rekord ihres Landsmann Jeff Williams ein.

Das Gespräch mit Trump und seiner Tochter soll um 16.00 Uhr deutscher Zeit beginnen und 20 Minuten dauern. Die NASA-Videoübertragung soll von „Schulen,  Museen und anderen Organisationen“  in den USA und auf der ganzen Welt verfolgt werden können.

© Gerhard Kowalski

China startet erstes Frachtraumschiff Tianzhou-1

Credit:Xinhua

Peking,  20. April 2017 —  China hat am Donnerstag sein erstes Frachtraumschiff gestartet. Tianzhou-1 stieg um 13.41 Uhr deutscher Zeit vom südchinesischen Weltraumbahnhof Wenchang an der Spitze einer Langer Marsch-7 Y2-Trägerrakete auf,  meldet die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua.

Das Raumschiff bringt mehr als sechs Tonnen Fracht,  darunter auch Treibstoff,  zum Weltraummodul Tiangong-2. Tianzhou-1 wird  dreimal an das Modul ankoppeln, um es zu betanken und andere Tests durchzuführen,  und nach etwa drei Monaten gezielt zum Absturz gebracht.

© Gerhard Kowalski