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Russland räumt in seiner Raumfahrt auf –   Veraltete ISS-Experimente und Proton werden ausrangiert

Credit:GK Roskosmos

Wien,  22. Juni 2018 —   Russland räumt in seiner Raumfahrt auf. Eine der ersten Schlussfolgerungen der von ihm angeordneten gründlichen Bestandsaufnahme und Neuordnung in der Branche sei der Verzicht auf veraltete Experimente in der Internationalen Raumstation ISS,  sagte der neue Chef des Staatskonzerns GK Roskosmos, Dmitri Rogosin,  am Freitag der Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Rande der UNISPACE+50 in Wien. Dabei handele es sich um wissenschaftliche Versuche,  die vor zehn Jahren und mehr ausgearbeitet wurden und schon lange ihre Aktualität verloren haben.

Künftig setze man im wesentlichen auf Experimente, die autonom in dem Segment durchgeführt werden können und nicht vom Boden aus gesteuert werden müssen,  betonte Rogosin.  Auf diese Weise komme man zu wichtigen Ergebnissen, die das Unterpfand dafür seien,  dass die ISS wirklich qualitativ neue Schritte beim Übergang zu Operationen im fernen Weltraum machen kann.

Der Roskosmos-Chef kündigte ferner an,  dass die Produktion der schweren Trägerrakete Proton schon Anfang des kommenden Jahrzehnts auslaufen werde. Die Rakete habe ihre „Mission“  erfüllt und werde durch die neue Angara abgelöst.

Die Konzeption für die laufende Reform der Raketen-  und Raumfahrtbranche besteht nach den Worten von Rogosin darin, dass sich die GK Roskosmos nicht mehr als Auftraggeber gegenüber der Industrie,  sondern als Teil eines einheitlichen Ganzen versteht.

© Gerhard Kowalski

Kalenderblatt:   Langzeitflugrekordhalter Padalka wird 60

Credit:ZPK

Berlin,  21. Juni 2018  —  Der russische Kosmonaut Gennadi Padalka begeht am Donnerstag seinen 60. Geburtstag. Der Held der Russischen Föderation,  der am 21. Juni 1958 in Krasnodar geboren wurde,  arbeitete bei seinen fünf Raumflügen zwischen 1998 und 2015 insgesamt 878 Tagen in den Raumstationen MIR und ISS. Damit ist er der Langzeitflugweltrekordler. Zudem hat er zehn Ausstiege in den freien Raum mit einer Gesamtdauer von 38 Stunden und 38 Minuten auf seinem Konto.

Padalka verließ im April 2017 im Streit das Kosmonautenkorps. Der Hauptgrund dafür war,  dass man ihm einen sechsten Flug verweigerte,  bei dem er die 1.000-Tage-Schallmauer durchbrechen wollte.

© Gerhard Kowalski

Marija Sacharowa:   Russland prüft aufmerksam Vormachtpläne der USA im Weltraum

Samara,  20. Juni 2018 —  Russland prüft aufmerksam die möglichen Folgen der Erhöhung des militärischen Potenzials der USA im Weltraum. Das betonte die Sprecherin des Moskauer Außenministeriums, Marija Sacharowa,  am Mittwoch. Sie reagierte damit auf die Entscheidung von Präsident Donald Trump,  Weltraumstreitkräfte als eigene Waffengattung zu schaffen. Das Alarmierendste an dieser Nachricht sei, dass sie auf die Sicherung der amerikanischen Dominanz im Kosmos abziele, um dort möglicherweise Kampfhandlungen durchzuführen.

Russland nehme eine diametral entgegengesetzte Position ein und präferiere die Nutzung und Erforschung des Weltraums für ausschließlich friedliche Ziele, betonte die Sprecherin.

© Gerhard Kowalski

RemoveDEBRIS-Satellit von der ISS gestartet –   Experimente mit Airbus-Fangnetz für Weltraumschrott vorgesehen

Toulouse,  20. Juni 2018 —   Die von der Universität Surrey geleitete Mission RemoveDEBRIS für die Erprobung innovativer Technologien zur Beseitigung von Weltraumschrott ist von der Internationalen Raumstation ISS gestartet worden. Die von Airbus konzipierte und gebaute Versuchsanordnung soll im Oktober 2018 zum Einsatz kommen,  teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Der Satellit ist mit drei Airbus-Technologien für die aktive Beseitigung von Weltraumschrott (Active Debris Removal –  ADR) ausgestattet:  mit Fangnetz und Harpune für das Einsammeln von Müll sowie einem optischen Navigationssystem (VisionBased Navigation –  VBN) für die Entwicklung von Techniken zur Annäherung an Weltraumschrott im Orbit.

Der Satellit wurde von der Airbus-Tochtergesellschaft SurreySatellite Technology Limited (SSTL) konzipiert und gebaut. Es verfügt auch über ein Segel zur Erhöhung des Atmosphärenwiderstands,  das dafür sorgt,  dass das gesamte System den Orbit schnell verlässt.

Der Zeitplan der Mission sieht den Einsatz des Fangnetzes für Oktober dieses Jahres vor. Danach sollen Ende Dezember der VBN-Test und schließlich im Februar 2019 die Harpune folgen.  Alle Experimente werden unterhalb der ISS-Umlaufbahn stattfinden.

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Erster Kosmonaut der VAE fliegt im April 2019 zur ISS

Moskau,  20. Juni 2018 —  Der erste Kosmonaut der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) fliegt im April 2019 mit den Russen für zehn Tage zur Internationalen Raumstation ISS. Das haben die GK Roskosmos und die VAE vereinbart,  teilte die Raumfahrtagentur am Mittwoch auf ihrer Homepage mit.

Der Kosmonaut,  der dafür im Kosmonautenausbildungszentrum Juri Gagarin im Sternenstädtchen das entsprechende Training absolviert,  soll mit der Besatzung des Raumschiffes Sojus MS-12 starten und mit der des Raumschiffes Sojus MS-10 auf die Erde zurückkehren.

Das VAE-Kosmonautenkorps soll aus vier bis acht Kandidaten bestehen. Das arabische Land strebt schon lange die Entsendung eines eigenen Raumfahrers zur ISS an. Es ist zudem bereit, sich auch finanziell in der russischen Raumfahrt zu engagieren.

© Gerhard Kowalski

UNISPACE+50:    GK Roskosmos-Chef Rogosin besorgt über zunehmenden Weltraummüll

Credit:GK Roskosmos

Wien,  20. Juni 2018 – Der Generaldirektor des russischen Staatskonzerns GK Roskosmos, Dmitri Rogosin,  hat sich besorgt über die zunehmende Vermüllung des Weltraums geäußert. Der Weltraummüll  bedrohe vor allem jene Satelliten, die sich  auf niedrigen Erdumlauf-  und auf geostationären Bahnen befinden,  sagte Rogosin auf der UNISPACE+50 in Wien. Deshalb rückten die Fragen der Erhaltung der kosmischen Umwelt und der Gewährleistung der Sicherheit der Operationen im Weltraum an die erste Stelle. Dazu müssten gemeinsam „moderne internationale Spielregeln“  erarbeitet werden.

Die Teilnahme an der UNISPACE+50 ist der erste Auftritt Rogosins im Westen nach seiner kürzlichen Ernennung durch Präsident Wladimir Putin. Russische Medien haben deshalb im Vorfeld darauf hingewiesen,  dass der Agenturchef,  der zuvor als Vizepremier für das Militär und die Raumfahrt zuständig war,  seit 2014 auf der Sanktionsliste der USA und der EU steht.

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USA erhalten Weltraumstreitkräfte als eigenständige Waffengattung –   Space Policy Directive-3 unterzeichnet

Credit:NASA

Washington,  19. Juni 2018  —   Präsident Donald Trump hat das Pentagon angewiesen, Weltraumstreitkräfte als eigenständige Waffengattung der US-Armee zu bilden. Dazu unterzeichnete er am Montag die Space Policy Directive-3 (SPD-3). „Wir wollen nicht,  dass Russland oder China Leader im Weltraum sind,  wir haben die Absicht, dort die Leader zu sein“,  sagte der Präsident zur Begründung. Für Amerika reiche es nicht,  seine Präsenz im Weltraum  nur aufrecht zu erhalten. „Wir müssen im Weltraum dominieren.“

Der Chef der US-Luft-  und Raumfahrtbehörde NASA,  Jim Bridenstine (Foto),  begrüßte die Entscheidung Trumps. Die SPD-3 liefere die erforderlichen Regularien für die Stärkung der Führungskraft der USA im All.

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UNISPACE+50 in Wien eröffnet – Bilanz und Space2030-Agenda auf der Tagesordnung  

Wien,  18. Juni 2018 —  Die UNO-Weltraumkonferenz UNISPACE+50 ist am Montag in Wien eröffnet worden. Auf der viertägigen Veranstaltung soll an den 50. Jahrestag der ersten UNO-Konferenz für die friedliche Nutzung des Weltraums erinnert und die Aufgaben für die künftige Arbeit der Weltorganisation auf diesem Gebiet in Gestalt der Space2030-Agenda abgesteckt werden.

Das Deutsche Zentrum für Luft-  und Raumfahrt (DLR) wird auf dem Forum durch seine Chefin Pascale Ehrenfreund,  die Europäische Weltraumorganisation ESA von ihrem Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner vertreten. Der italienische ESA-Astronaut Paolo Nespoli will auf der Konferenz eine Fahne präsentieren,  auf der die 17 nachhaltigen globalen Ziele der UNO-Weltraumpolitik symbolisch dargestellt sind. Nespoli hatte die Fahne (siehe Foto) 2017 zur Internationalen Raumstation ISS mitgenommen und von der Umlaufbahn diese Ziele demonstriert.

Am Mittwoch wird erwartet,  dass der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst und seine amerikanischen und russischen Kollegen die UNISPACE+50 in einer Direktschalte aus der ISS grüßen.

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DLR:  Erster Brenntest für neues Ariane-6-Triebwerk erfolgreich abgeschlossen

Credit:DLR

Köln,  18. Juni 2018 —   Das neue Triebwerksmodell ETID (Expander-Cycle Technology Integrated Demonstrator), das bei Schwerlastraketen der nächsten Generation wie Ariane-6 eingesetzt werden soll, hat seinen ersten Brenntest erfolgreich bestanden. Dieses Ergebnis präsentierten Experten der Europäischen Weltraumorganisation ESA, des Raumfahrtunternehmens ArianeGroup GmbH und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR),  teilte das DLR am Montag mit. Der ETID-Antrieb sei am 14. Juni am Prüfstand P3.2 am DLR-Standort Lampoldshausen getestet worden.

„Seit rund vier Jahren arbeiten wir mit unseren Partnern an einem neuen Antrieb für die Trägerraketen von morgen“, erklärte DLR-Projektleiterin Lysan Pfützenreuter dazu. „Über die Ergebnisse sind wir sehr froh,  denn der erfolgreiche Test zeigt,  dass wir mit dem Einsatz moderner Fertigungsverfahren auf dem richtigen Weg sind.“

Die ETID-Technologien sollen künftig für Verbesserungen des Vinci-Triebwerks und der Ariane-6-Oberstufe eingesetzt werden. Durch neue Herstellungsverfahren und optimierte Bauteile werden gleichzeitig die Leistungsdichte des Antriebs erhöht und die Produktionskosten gesenkt.

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Russland kündigt Frachter-Start zur ISS an –   Progress MS-09 soll Station erstmals in dreieinhalb Stunden erreichen

Credit:NASA

Moskau,  18. Juni 2018  —  Russland kündigt den nächsten Start eines Frachtraumschiffs mit Nachschub für die Internationale Raumstation ISS an. Progress MS-09 solle am 10. Juli um 00.51 Uhr Moskauer Zeit (9. Juli 23.51 Uhr deutscher Zeit) an der Spitze einer Sojus-2.1a-Trägerrakete von der Rampe 6  des Platzes 31 in Baikonur (Kasachstan) abheben, teilte die GK Roskosmos am Montag mit.

Wie die Moskauer Nachrichtenagentur RIA Nowosti ergänzend berichtet,  könnte der Frachter nach dem superschnellen neuen 3,5-Stunden-Schema die Station nach nur zwei Erdumkreisungen erreichen. Das würde die explizite Erwähnung des Startplatzes erklären. Denn vom Gagarischen Start kann die neue Trägerrakete nicht aufsteigen.

Wie die Agentur weiter schreibt, sollte das neue Startschema schon im Oktober 2017 und im Februar 2018 erprobt werden. In beiden Fällen sei es jedoch zu einem automatischen Startabbruch gekommen,  so dass man aus ballistischen Gründen wieder auf das Zwei-Tage-Schema zurückgreifen musste.

© Gerhard Kowalski