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Deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie weiter im Aufwind

Berlin,  28. April 2017 —  Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie hat sich 2016 sehr gut entwickelt. Das Umsatzwachstum der Gesamtbranche betrug acht Prozent,  und der Gesamtumsatz erreichte ein Allzeithoch von 37,5 Milliarden Euro, teilte der BDLI am Freitag mit. Die Gesamtbeschäftigtenzahl verzeichnete ein leichtes Plus von einem Prozent auf 108.000 Beschäftigte. Das ist ein neuer Höchststand. Die Raumfahrt-Sparte erhöhte dabei ihren Umsatz auf 2,9 Milliarden, und die Beschäftigtenzahl stieg auf 8.900.

BDLI-Präsident Klaus Richter warnte jedoch davor,  sich auf den Erfolgen auszuruhen. „Angesichts der wachsenden Konkurrenz aus aller Welt geht es in den kommenden Jahren vor allem darum, den Luft- und Raumfahrtstandort Deutschland wettbewerbsfähig und damit zukunftssicher zu machen.“ Dieses Ziel sei nur zu erreichen, wenn alle Beteiligten aus Industrie, Politik und Forschung an einem Strang ziehen. „Die Bundesregierung sollte sich verstärkt für faire Wettbewerbsbedingungen (level playing field) weltweit einsetzen“, fügte Richter hinzu. Regulierungen müssten global erfolgen.

© Gerhard Kowalski

Chinas neueste Weltraumpremiere: Erstmals Modul automatisch betankt

Peking,  28. April 2017 —   Chinas Raumfahrt feiert eine neue Premiere im Weltraum. Zum ersten Mal hat das neue Frachtraumschiff Tianzhou-1  das Weltraummodul Tiangong-2  am Donnerstag automatisch betankt, meldet die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua. Der Vorgang habe fünf Stunden in Anspruch genommen. Weitere Details wurden nicht genannt. So ist die Frage offen,  wie viel Treibstoff in die Tanks des Moduls gepumpt wurde. Der Frachter war am Donnerstag vergangener Woche vom südchinesischen Weltraumbahnhof Wenchang an der Spitze einer Langer Marsch-7 Y2-Trägerrakete zu seinem Jungfernflug gestartet und hatte am Samstag angekoppelt.

Insgesamt sind drei Betankungsmanöver geplant. Das nächste soll im Juni stattfinden, danach folgt eine Schnell-Docking-Test. Das Raumschiff soll zudem bis zu sechs Tonnen Fracht auf die Umlaufbahn bringen können.

Xinhua betonte, dass China nunmehr nach Russland und den USA das dritte Land der Welt sei,  das eine solche Betankung mit eigener Technik durchführen kann. Die Europäische Weltraumagentur ESA habe bei ihren ATV-Missionen zur Internationalen Raumstation ISS das russische Betankungssystem eingesetzt.

China will bis spätestens 2022 eine eigene Raumstation in Betrieb nehmen. Das erste von drei Modulen soll 2019 gestartet werden.

© Gerhard Kowalski

 

ISS-Umlaufbahn um 800 Meter angehoben

Credit:NASA

Koroljow,  27. April 2017 –  Die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS ist am Donnerstag um 800 Meter angehoben worden. Dazu seien die Triebwerke des russischen Swesda-Moduls um 7.10 Uhr deutscher Zeit für rund 30 Sekunden gezündet worden,  teilte das Flugleitzentrum (ZUP) in Koroljow bei Moskau mit. Die Station umkreise die Erde nunmehr auf einer mittleren Bahnhöhe von 405,1 Kilometern.

Das Manöver wurde vollzogen,  um günstige ballistische Bedingungen für die Landung des Raumschiffes Sojus MS-03 am 2. Juni in Kasachstan zu schaffen.

© Gerhard Kowalski

Kalenderblatt: Waleri Poljakow wird 75

Credit:ZPK

Credit:ZPK

Berlin,  27. April 2017 —  Der russische Wissenschaftler und Kosmonaut Waleri Poljakow begeht am Donnerstag seinen 75. Geburtstag. Der gebürtige Tulaer und Absolvent des 1. Moskauer Medizinischen Instituts (1MMI) hat sein ganzes Leben der Raumfahrtmedizin gewidmet. Seine irdischen Forschungen zu den Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Gesundheit und Arbeitsfähigkeit von Kosmonauten hat Poljakow zudem bei zwei Langzeitmissionen in der Raumstation MIR auch in der Praxis überprüft.

Nach einem 240-Tage-Flug (1988/1989) vollbrachte er vom 8. Januar 1994 bis zum 22. März 1985 eine bislang weltweit einmalige Leistung:  Er forschte 437 Tage am Stück in der Station, was durchaus als Selbstversuch einer Reise zum Mars gewertet werden kann. Wie der Jubilar in einem Video (siehe gctc.ru) mitteilte,  entspricht die Wegstrecke, die er dabei zurückgelegt hat,  der Entfernung Erde-Mars-Erde.

Der promovierte Arzt und Professor ist Autor von mehr als 50 wissenschaftlichen Arbeiten und hat führende Positionen in der russischen Raumfahrtmedizin bekleidet, so als stellvertretender Chef des Moskauer Instituts für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP). Zugleich ist er Mitglied zahlreicher internationaler Fachverbände.

Poljakows Leistungen wurden zu Sowjetzeiten mit dem Goldenen Stern eines Helden der Sowjetunion und nach dem Ende der UdSSR mit dem Titel Held der Russischen Föderation gewürdigt.

© Gerhard Kowalski

Revirement im Sternenstädtchen: Drei Raumfahrer aus dem Kosmonautenkorps ausgemustert – Lontschakow: Normaler Prozess (Update)

 

Moskau,  25. April 2017  —  Im Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau findet offenbar ein größeres Revirement statt. Drei Raumfahrer seien aus dem Kosmonautenkorps ausgemustert worden,  meldet die Nachrichtenagentur TASS. Die Auswahl-  und Berufungskommission des Staatskonzerns GK Roskosmos habe mit Beschluss vom 21. April die Kosmonauten Sergej Wolkow,  Alexander Samokutjajew und Sergej Rewin ausgemustert,  heißt es unter Berufung auf eine Mitteilung des ZPK-Pressedienstes. Bei Wolkow sei das auf eigenen Wunsch geschehen,  für Samokutjajew und Rewin seien medizinische Gründe genannt worden.

Bereits vor zwei Tagen hatte Langzeitflugweltrekordler Gennadi Padalka (siehe die Meldung vom 22. 4.) seinen Dienst im Zorn aufgekündigt,  weil man keine Aufgaben mehr für ihn habe, wie er zur Begründung sagte.

ZPK-Chef Juri Lontschakow bezeichnete den Abgang als einen „normalen Prozess“, der sich fortsetzen werde. Die jungen Leute müssten die Möglichkeit erhalten, öfter zu fliegen. Zudem sei jeder neue Flug der Gesundheit nicht zuträglich. Deshalb habe die Ärztekommission jüngst auch beschlossen, Oleg Kotow auszumustern.

Padalka gehen zu lassen, sei „nicht ganz einfach“ gewesen, betonte Lontschakow. Diese Entscheidung sei persönlich mit dem Generaldirektor der GK Roskosmos getroffen worden. Padalka sei ein echter Profi und habe viel für die Raumfahrt getan. Er glaube, dass Roskosmos ihm einen angemessenen Arbeitsplatz anbieten werde, sagte der ZPK-Chef.

© Gerhard Kowalski

US-Präsident Trump und Tochter Ivanka gratulieren der Astronautin Peggy Whitson zum nationalen Langzeitflugrekord – Live-Schaltung zur ISS

Credit:NASA

Credit:NASA

Houston,   24. April 2017 —  US-Präsident Donald Trump und seine Tochter Ivanka haben am Montag der amerikanischen Astronautin Peggy Whitson zu ihrem neuen nationalen Weltraumlangzeitflugrekord gratuliert. Whitson hat an diesem Tag bei ihrer nunmehr dritten Mission in der Internationalen Raumstation ISS den alten 534-Tage-Rekord ihres Landsmann Jeff Williams überboten.

In der 20-minütigen Live-Schaltung zur Station sagte der Präsident, der neue Rekord markiere einen großartigen Tag in der US-Raumfahrtgeschichte. Alle Amerikaner und die ganze Welt seien stolz darauf.

Auf die Frage von Trump,  wann es so weit sei,  bemannt zum Mars fliegen,  sagte Whitson,  leider sei ein solches Unternehmen sehr kostspielig und zeitraubend. Zudem erfordere es eine breite internationale Kooperation. Die ISS habe eine wichtige Brückenfunktion zwischen Erde und dem tiefen Weltraum.  In ihr würden jene Technologien entwickelt,  die für Marsflüge gebraucht werden. Er werde versuchen, das zu beschleunigen,  so dass es vielleicht schon in seiner 2. Amtszeit möglich werde,  erwiderte der Präsident scherzend.

Das Video-Gespräch, bei dem auch Astronautin Kate Rubins zugegen war, konnte nach Angaben der Luft-   und Raumfahrtbehörde NASA von „Schulen,  Museen und anderen Organisationen“  in den USA und auf der ganzen Welt verfolgt werden.

Whitson ist derzeit zum zweiten Mal Kommandantin der ISS. Ihrer nunmehr 51. Stammbesatzung gehören die Russen Oleg Nowizki und Fjodor Jurtschichin, ihr Landsmann Jack Fischer und der französische ESA-Astronaut Thomas Pesquet an. Die Amerikanerin,  die eigentlich am 2. Juni mit Nowizki und Pesquet zur Erde zurückkehren sollte,  hat ihren Flug um drei Monate verlängert.

Nach wie vor beherrschen die Russen aber souverän die Langzeitflugrekordliste. Absoluter Rekordhalter ist Gennadi Padalka mit 878 Tagen. Er hat gerade seine Arbeit gekündigt,  weil ihm ein sechster Flug verwehrt wurde,  bei dem er die 1.000-Tage-Schallmauer durchbrechen wollte,  und scheidet am 28. April aus dem russischen Kosmonautenkorps aus.

Er wird aber noch lange im Besitz dieses Rekordes bleiben. Der einzige Rivale,  der ihm theoretisch gefährlich werden könnte,  ist sein Landsmann Alexander Kaleri,  der es bei sechs Missionen auf 769 Tage brachte. Für ihn ist jedoch derzeit kein neuer Flug geplant. Zudem müsste er mindestens 197 Tage im All bleiben,  um neuer Rekordhalter zu werden. Denn die bisherige Bestleistung muss dafür immer um zehn Prozent überboten werden.

Mit nunmehr über 534 Tagen rückt Whitson auf Platz 14 der Weltrangliste vor. Sie liegt damit direkt hinter Jurtschichin,  der noch mit 537 Tagen zu Buche steht.

© Gerhard Kowalski

 

 

Kalenderblatt: Vor 50 Jahren verunglückte Wladimir Komarow tödlich

Credit: GK Roskosmos

Berlin,  24. April 2017 —  Er war der Erste –   im Leben wie im Tod. Am 24. April 1967 verunglückte der sowjetische Kosmonaut Wladimir Komarow bei der Erprobung des neuen Raumschiffes Sojus-1 tödlich. Nachdem er eine ganze Serie technischer Probleme an der noch nicht voll ausgereiften Kapsel mit viel Können und Glück gemeistert hatte,  glaubte er,  wieder heil nach Hause zu kommen. Doch dann versagte das Fallschirmsystem. Sojus-1 schlug ungebremst auf die Erde auf,  explodierte und brannte aus. Für den Kosmonauten gab es keine Rettung. Zuvor hatte man noch den Start eines zweiten Sojus-Schiffes mit drei Kosmonauten an Bord abgesagt,  an das Sojus-1 anlegen sollte. Die ganze Mission war eigentlich als „Geschenk“  zum bevorstehenden 50. Jahrestag der Oktoberrevolution gedacht.

Komarow war damit der erste Raumfahrer,  der bei einer Weltraummission ums Leben kam. Zugleich war er der erste Zweifachkosmonaut nach seinem Flug mit Woßchod-1 1964,  wobei er gleichzeitig der erste Kommandant einer Dreierbesatzung war.

Der Kosmonaut wurde posthum mit einem zweiten Stern eines Helden der Sowjetunion ausgezeichnet und an der Kreml-Mauer beigesetzt.

(siehe auch meinen Beitrag zu Komarow bei Spiegel Plus)

© Gerhard Kowalski

Weltraumbahnhof Kourou nimmt nach Blockade Tätigkeit wieder auf

Credit:G.- Kowalski

Credit:G. Kowalski

Kourou,  23. April 2017 —  Nach mehr als vierwöchiger Blockade nimmt der europäische Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana am Montag wieder seine Arbeit auf. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Administration des Centre Spatial Guyanais (CSG). Im Rahmen eines Generalstreiks in dem französischen Überseegebiet hatten Hunderte Demonstranten auch  das Raumfahrtzentrum besetzt. Dadurch mussten drei Starts verschoben werden. Sie sollen voraussichtlich im Mai und Juni nachgeholt werden.

Der Generalstreik war Ausdruck der seit langen schwelenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Arbeits-  und Lebensbedingungen vor dem Hintergrund der allgemeinen Krise der regionalen Wirtschaft Französisch-Guyanas. Der Streik legte praktisch alle staatlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten lahm. Auch das Verkehrsnetz war blockiert. Die Blockade wurde lediglich für die Präsidentschaftswahlen etwas gelockert.

Die Streikenden forderten von der Regierung in Paris Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro für die Verbesserung der örtlichen Infrastruktur und des Gesundheits-  und Bildungssystems sowie für die Erhöhung der Sicherheit. Paris hat inzwischen 2,1 Milliarden Euro für die Überwindung der ökonomischen und sozialen Probleme zugesagt.

Rund 40 Prozent der Menschen unter 25 Jahren sind in Französisch-Guyana arbeitslos. 30 Prozent der 250.000 Einwohner haben keinen Zugang zu Trinkwasser oder Elektrizität.

© Gerhard Kowalski

Langzeitflugweltrekordler Padalka verlässt das russische Kosmonautenkorps – Offenbar im Zorn

Credit:ZPK

Moskau,  22. April 2017 —    Der Langzeitflugweltrekordler Gennadi Padalka verlässt das russische Kosmonautenkorps –  und das offenbar im Zorn. Er werde nur noch bis zum 28. April in der Kosmonautengruppe arbeiten,  teilte der 58-Jährige mit, der bei fünf Weltraummissionen insgesamt 878 Tage, sechs Stunden, 36 Minuten und 24 Sekunden im All war und dabei auch zehn Ausstiege in den freien Raum absolvierte .

Zur Begründung sagte Padalka,  er sei zu diesem Schritt „gezwungen“ worden. Er sei es leid, untätig herumzusitzen. Es gebe für ihn „keine Perspektive“ für einen neuen Flug. Damit spielte der Weltrekordler auf seinen Wunsch nach einer sechsten Mission an, bei der er die 1.000-Tage-Grenze überschreiten wollte. Zudem gebe es für ihn keine Arbeit im Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau,  betonte er.

ZPK-Chef Juri Lontschakow scheint Padalka nicht nachzutrauern. Er sehe darin „keine große Tragödie“,  sagte er unter Hinweis auf die neue Ausschreibung für Kosmonautenkandidaten. Zudem gebe es im Korps nicht wenige Kosmonauten, die noch nicht in den Weltraum geflogen sind. In zwei Wochen werde über den Antrag Padalkas entschieden.

© Gerhard Kowalskis

US-Frachter bringt Nachschub zur ISS

Houston,22. April 2017 —   Ein privater US-Frachter mit rund 3,5 Tonnen Nachschub an Bord hat am Samstagmittag um 12.05 Uhr deutscher Zeit die Internationale Raumstation ISS erreicht. Da Cygnus OA-7 des Konzerns Orbital ATK  über keinen eigenen aktiven Kopplungsadapter verfügt,  musste das Raumschiff von Astronautin Peggy Whitson mit einem Roboterarm „eingefangen“ und dann an das amerikanische Harmony-Modul umgesetzt werden.

Der Frachter,  der auf den Namen des ersten US-Astronauten John Glenn getauft wurde,  bringt Trinkwasser,  Lebensmittel,  wissenschaftliche Geräte und Experimente sowie Versorgungsgüter und Kleinsatelliten auf die Umlaufbahn. Letztere sollen in nächster Zeit zur Erforschung der oberen Schichte der Erdatmosphäre aus der Station freigesetzt werden.

Cygnus OA-07 war am Dienstag an der Spitze einer Atlas V-Trägerrakete vom militärischen Teil des Weltraumbahnhofs Cape Canaveral in Florida gestartet. Es ist dies die 7. ISS-Versorgungsmission des Frachters.

© Gerhard Kowalski