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Buchrezension: „SOS im Weltraum“ – Ein Buch mit Déjà-vu-Effekt

Wer sich in der Fachliteratur auch nur halbwegs auskennt, stutzt, wenn er das Buch von Hermann Woydt „SOS im Weltraum“ (Foto links) sieht. Sofort stellt sich ein Déjà-vu-Effekt ein. Zuerst glaubt man, eine Neuauflage von Matthias Gründers „SOS im All“ (Foto rechts) aus dem Jahre 2000 in der Hand zu halten, zumal nicht nur der Titel, sondern auch  das Foto auf der Umschlagseite zum Verwechseln ähnlich sind. Wie das dem Motorbuch Verlag Stuttgart, dem Autor und dem Einbandgestalter Frank Zähringer passieren konnte, wüsste man nur zu gern. Ich vermute, dass man als anerkannter und geschätzter Massenproduzent von Raumfahrtliteratur einfach nicht mehr über den eigenen Tellerrand schaut.

Hermann Woydts Buch, das mit 144 Seiten knapp die Hälfte des Umfangs von Gründers Werk hat, will das Thema nicht umfassend beackern. Es beschränkt sich vielmehr auf 13 ausgesuchte SOS-Fälle aus den USA, der Internationalen Raumstation ISS und der ehemaligen Sowjetunion. Die Amerikaner sind mit acht Vorkommnissen unter anderem aus dem Apollo-, Gemini- und Shuttle-Programm vertreten. Besonders ausführlich werden die Challenger-  und die Columbia-Katastrophe von 1986 und 2003 behandelt, bei denen 13 Amerikaner und ein Israeli umkamen.

Allerdings geht der Autor auch auf den tödlichen Absturz im X-15-Programm und des SpaceShipTwo ein, die nur bedingt der Raumfahrt zuzuordnen sind. Die ISS ist mit dem spektakulären Außenbordeinsatz von 2013 vertreten, bei dem der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano fast ertrank, weil sich wegen eines verstopften Filters bis zu 2 Liter Wasser im Helm seines Raumanzuges angesammelt hatten.

Bei den vier sowjetischen SOS-Beispielen handelt es sich um den tödlichen Absturz von Wladimir Komarow vom 24. April 1967 mit Sojus 1, der sich gerade zum 50. Mal jährte, um die vorzeitige Enthermetisierung von Sojus 11 im Jahre 1971, bei der die Kosmonauten Wiktor Pazajew, Georgi Dobrowolski und Wladislaw Wolkow den Tod fanden,  und um die Beinahe-Katastrophen von Sojus 18-1 (1975) und Sojus T 10-1 (1983). Die drei Männer waren übrigens die bislang letzten Todesopfer in Moskaus Raumfahrt.

Der gefährliche Brand in der russischen Raumstation MIR vom Februar 1997, an dessen erfolgreicher Bekämpfung auch der deutsche Astronaut  Reinhold Ewald beteiligt war, und die folgenschwere Kollision eines Progress-Frachters mit dem Modul Spektr zwei Monate später finden indes keine Erwähnung.

Auffallend ist, dass der Autor selbst bei den schon lange zurückliegenden sowjetischen Fällen nicht immer ganz auf dem Laufenden ist, obwohl nach Jahren der krankhaften Geheimhaltung inzwischen alle Fakten auf dem Tisch liegen. So schreibt er allen Ernstes, dass der Flug von Komarow zu Ehren des 1. Mai (!) stattgefunden habe und nicht, wie bereits in allen damaligen Veröffentlichungen mitgeteilt, zum bevorstehenden 50. Jahrestag der bolschewistischen Oktoberrevolution.

Das Buch von Woydt ist wie alle Raumfahrtwerke des Verlages wieder reich bebildert und aufwändig gestaltet. Allerdings strotzt es leider auch wieder vor orthografischen und Interpunktionsfehlern. Der schönste davon ist das Wort „Rumfahrt“ gleich in der ersten Spalte der Einleitung.

Motorbuch Verlag Stuttgart, 2017

ISBN 978-3-613-03954-4

Preis:14,95 Euro

© Gerhard Kowalski

Putin fordert schnellen Ausbau der Erdfernerkundung und die beschleunigte Entwicklung eines superschweren Trägers

 

Credit:Präsidialamt

Sotschi, 22. Mai 2017 —  Russlands Präsident Wladimir Putin hat den schnellen Ausbau der Erdfernerkundung gefordert. Bis 2020 müsse die Zahl der diesbezüglichen Satelliten auf mindestens 15 erhöht werden,  sagte er auf einer Raumfahrt-Beratung am Montag auf der Krim. Das diene der Stärkung der nationalen Sicherheit,  der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sowie der Erhöhung der Qualität der staatlichen Leitung.

Die wichtigste Aufgabe bestehe darin, die Erdfernerkundungsdaten allen russischen wie auch ausländischen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Die Gewinne,  die mit der Kommerzialisierung dieser Daten erwirtschaftet werden, müssten voll in die weitere technische Modernisierung dieser Dienstleistungen gesteckt werden.

Putin verlangte ferner die beschleunigte Entwicklung einer superschweren Trägerrakete für bemannte Flüge zum Mond und darüber hinaus. Nach der bisherigen Planung soll sie erst ab 2035 erprobt werden.

© Gerhard Kowalski

 

Wiktor Gorbatko mit militärischen Ehren beigesetzt

Credit:Archiv/G. Kowalski

Credit:Archiv/G. Kowalski

Mytischtschi, 22. Mai 2017 —  Der russische Kosmosveteran Wiktor Gorbatko ist am Wochenende in Mytischtschi bei Moskau mit allen militärischen Ehren beigesetzt worden. Er war am vergangenen Mittwoch im 83. Lebensjahr gestorben. An der Trauerfeier auf dem Föderalen Militärgedenkfriedhof nahmen Vertreter des Verteidigungsministeriums,  der Chef des Staatskonzerns GK Roskosmos,  Igor Komarow, sowie zahlreiche Kosmonauten,  unter ihnen Walentina Tereschkowa und Pjotr Klimuk, teil.

Gorbatko gehörte der Gagarinschen Garde an, wie die 20 sowjetischen Offiziere der ersten Auswahlgruppe um den ersten Menschen im All genannt wurden. Der Verstorbene war zwischen 1969 und 1980 dreimal für insgesamt 30 Tage im Weltraum. Im Oktober 1969 nahm er am ersten Gruppenflug von drei Sojus-Raumschiffen teil. Im Februar 1977 war er Kommandant der 2. Besatzung der Orbitalstation Salut 5,  und im Juli 1980 bildete er zusammen mit dem Vietnamesen Pham Tuan die 7. Gastmannschaft in Salut 6.

Wie erst in den 1980-er Jahren bekannt wurde, gehörte Gorbatko einer streng geheimen Gruppe von 28 Militärkosmonauten an,  die für das Almas-Programm ausgebildet wurden. Offiziell figurierten die drei militärischen Almas-Raumstationen unter Salut 2Salut 3 und Salut 5. Sie hatten ausschließlich zwei- bis dreiköpfige militärische Besatzungen und flogen tiefer als die zivilen Varianten Salut 1,  Salut 4, Salut 6 und Salut 7, um die Erde besser ins Visier nehmen zu können. Dazu waren sie mit großformatigen Kameras, Teleskopen und einer Anlage für die Entwicklung der Filme ausgestattet.

Gorbatko wurde für seine Verdienste um die Raumfahrt zweimal mit dem Titel eines Helden der Sowjetunion geehrt. Zuletzt bekleidete er den Rang eines Generalmajors der Flieger.

Die meisten russischen Kosmosveteranen, so jüngst erst Georgi Gretschko, haben in Moskau auf dem Trojekurowo-Friedhof in der Allee der Kosmonauten ihre letzte Ruhestätte gefunden.

©  Gerhard Kowalski

US-Astronauten unternehmen außerplanmäßigen Ausstieg aus der ISS

 

Credit:NASA

New York, 22. Mai 2017 — Die US-Astronauten Peggy Whitson und Jack Fischer sollen am Dienstag bei einem außerplanmäßigen Ausstieg aus der Internationalen Raumstation ISS eine defekte Datenverbindungsbox austauschen. Die Box, die am Samstag ausgefallen war, kontrolliert unter anderem die Funktionstüchtigkeit der Radiatoren,  der Sonnenbatterien,  der Kühlkreisläufe und anderer Hardware,  teilte die US-Luft- und Raumfahrbehörde NASA mit. Die Aufgaben der defekten Box werden derzeit durch eine Ersatzbox erfüllt,  so dass keine Gefahr für die Besatzung der Station bestehe.

Der insgesamt 201. Ausstieg in der Geschichte der ISS soll  am Nachmittag deutscher Zeit beginnen und rund zwei Stunden dauern. Während Whitson die Box austaucht,  soll Fischer  zwei Antennen am Destiny-Modul installieren.

Für Whitson ist das der 10. und für Fischer der 2. Ausstieg ihrer Karriere.

© Gerhard Kowalski

RKK Energija schlägt Bau einer Waschmaschine für die ISS vor

Moskau,  20. Mai 2017 – Kein Scherz! Der russische Raumfahrtkonzern RKK Energija schlägt den Bau einer „Waschmaschine“ für die Internationale Raumstation ISS vor. Damit könnten die Versorgungsnutzlasten,  die auf die Umlaufbahn gebracht werden müssen, erheblich verringert werden, berichtet die Nachrichtenagentur TASS unter Berufung auf einen Artikel in der Betriebszeitung des Konzerns.

Da Wasser in der Station ein sehr seltenes,  weil teures Gut ist,  wollen die Erfinder der „Waschmaschine“ die schmutzige Kleidung der Kosmonauten und Astronauten in einer Spezialeinrichtung mit Kohlendioxid reinigen,  das die Besatzungsmitglieder ausatmen. Bei einer Temperatur von 31 Grad Celsius und einem Duck von 74 bar verflüssigt sich das Gas für den Waschvorgang.

Wie es in dem Artikel heißt, tragen die Raumfahrer ihre Wäsche in der Regel zwischen drei bis vier Tagen. Dann wird sie entsorgt. Das bedeute einen Bedarf von bis zu 600 Kilogramm Wäsche pro Jahr, die auf die Umlaufbahn befördert werden müssen. Für eine sechsköpfige Raumschiffbesatzung einer zweijährigen Mars-Expedition müssten sogar rund drei Tonnen Wäsche mitgenommen werden.

© Gerhard Kowalski

Russische Wissenschaftsakademie sieht Projekt ExoMars-2020 in Gefahr

Credit:ESA/OHB

Moskau,  19. Mai 2017 —  Die Russische Akademie der Wissenschaften (RAN) schlägt Alarm. Sie sieht das Projekt ExoMars-2020 in Gefahr. Grund sei der Rückstand der russischen Seite beim Abschluss der entsprechenden Vereinbarungen mit dem Auftragnehmer,  betonte die Expertengruppe für den sogenannten planetaren Schutz in einer Erklärung. Der RAN-Rat wandte sich daraufhin mit der Bitte an die Führungen des Staatskonzerns GK Roskosmos und der Wissenschaftlichen Produktionsvereinigung NPO Lawotschkin als Auftragnehmer für die russischen Bordinstrumente der Sonde,  die Auswahl der Lieferanten und die Vertragsabschlüsse mit ihnen zu beschleunigen. Andernfalls könnten die Terminvorgaben für die Mission nicht rechtzeitig erfüllt werden.

Die Expertengruppe zeichnet für die biologische Reinheit der Bordgeräte von ExoMars-2020 verantwortlich. Dadurch soll verhindert werden, dass der Weltraum und die Marsoberfläche durch irdische Mikroorganismen verunreinigt werden.

ExoMars ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und GK Roskosmos. Dabei geht es um die Suche nach Lebenszeichen auf dem Roten Planeten. Im ersten Teil der Mission wurden 2016 der Trace Gas Orbiter (TGO)  und der Landedemonstrator Schiaparelli (EDM) zum Roten Planeten geschickt. Im zweiten Teil soll ein Rover abgesetzt und bei Bohrungen bis in zwei Meter Tiefe nach organischen Molekülen gesucht werden.

© Gerhard Kowalski

Russland startet in Kourou erfolgreich Telekommunikationssatelliten

 

Credit:ESA

Kourou,  18. Mai 2018 —  Russland hat am Donnerstag erfolgreich von Kourou einen Telekommunikationssatelliten gestartet. Die Trägerrakete Sojus-ST-A mit SES-15 an der Spitze stieg bei regnerischem Wetter um 13.54 Uhr deutscher Zeit vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guyana auf. Auftraggeber ist die Europäische Satellitengesellschaft SES. Der Satellit,  der von Boeing gebaut wurde,  soll Nord- und Mittelamerika mit modernsten Dienstleistungen versorgen.

Es war dies der 17. Start von Kourou. Der erste hatte im Oktober 2011 stattgefunden. Jährlich sind zwei bis drei Starts für die Europäische Weltraumorganisation ESA und kommerzielle Kunden vorgesehen.

© Gerhard Kowalski

ISS: Nauka-Startverzögerung durch die Hintertür verkündet

Moskau,  18. Mai 2017 —  Nun steht es fest: Der Start des russischen Mehrzwecklabormoduls (MLM) Nauka zur Internationalen Raumstation ISS verzögert sich möglicherweise bis Ende kommenden Jahres. Das wurde am Donnerstag in Moskau quasi durch die Hintertür bekannt, als die Nachrichtenagentur TASS meldete,  der Staatskonzern GK Roskosmos habe eine neue Ausschreibung für den Start der Trägerrakete Proton-M veröffentlicht. Die Erfüllungsfrist laufe am 25. November 2018 ab, heißt es darin.

Das Paket, bei dem es dabei geht,  habe einen Umfang von umgerechnet rund 13 Millionen Euro,  schreibt die Agentur. Es reiche von der Vorbereitung des Moduls auf den Start über den Start selbst und die Kontrolle des Aufstiegs in den Zielorbit bis hin zu den erforderlichen Nacharbeiten in den sogenannten Fallgebieten der ausgebrannten Raketenstufen.

Kurz zuvor hatte GK Roskosmos  eine Ausschreibung für den Transport der Proton-M-Trägerrakete für Nauka zum Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) annulliert, weil niemand bereit gewesen sei,  das für die angebotenen rund 260.000 Euro zu übernehmen.

Eigentlich sollte das Modul spätestens Ende 2017 zur ISS gebracht werden. Bis zu diesem Zeitpunkt will Russland nach der derzeitigen Planung in seinem Segment auch nur mit zwei statt drei Kosmonauten arbeiten. Ob diese Phase nun auch verlängert wird,  war in Moskau heute nicht zu erfahren.  Der Grund für die Startverzögerung sind Fremdkörper im Treibstoffsystem des Moduls. Dadurch müssen Tanks aufgeschnitten werden.

Das über 20 Tonnen schwere Mehrzwecklabor,  das bereits 2014 gestartet werden sollte,  dient vor allem der Durchführung wissenschaftlicher Experimente. Es soll nach Auskunft des Herstellers Chrunitschew in einer ganzen Reihe von Parametern besser als das europäische Pendant Columbus und das japanische Modul Kibo sein. Sein hoher Automatisierungsgrad ermögliche auch die Reduzierung teurer Ausstiege in den freien Weltraum,  heißt es.

©  Gerhard Kowalski

 

ISS-Umlaufbahn um 350 Meter angehoben

Credit:NASA

Koroljow,  18. Mai 2017 –  Die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS ist am späten Mittwochabend um 350 Meter angehoben worden. Dazu seien um 23.35 Uhr deutscher Zeit die Triebwerke des russischen Swesda-Moduls für 13 Sekunden gezündet worden,  teilte das Flugleitzentrum (ZUP) in Koroljow bei Moskau mit. Die Station umkreise die Erde nunmehr auf einer mittleren Bahnhöhe von 405,1 Kilometern.

Das Manöver wurde vollzogen,  um günstige ballistische Bedingungen für die Landung des Raumschiffes Sojus MS-03 am 2. Juni in Kasachstan zu schaffen. Mit ihm kehren der Russe Oleg Nowizki und der französische ESA-Astronaut Thomas Pesquet zur Erde zurück. Ihre US-Kollegin Peggy Whitson, mit der sie gestartet waren,  bleibt drei Monate länger in der Station.

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Kosmosveteran Wiktor Gorbatko gestorben

Credit:Archiv/Kowalski

Credit:ZPK

Moskau,  17. Mai 2017 —  Der russische Kosmosveteran Wiktor Gorbatko ist tot. Er starb am heutigen Mittwoch im 83. Lebensjahr, teilte das Kosmonautenausbildungszentrum (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau mit. Gorbatko gehörte der Gagarinschen Garde an. So wurden die 20 sowjetischen Offiziere der ersten Auswahlgruppe um den ersten Menschen im All genannt.

Der Verstorbene war zwischen 1969 und 1980 dreimal für insgesamt 30 Tage im Weltraum. Im Oktober 1969 nahm er am ersten Gruppenflug von drei Sojus-Raumschiffen teil. Im Februar 1977 war er Kommandant der 2. Besatzung der Orbitalstation Salut 5,  und im Juli 1980 bildete er zusammen mit dem Vietnamesen Pham Tuan die 7. Gastmannschaft in Salut 6.

Gorbatko wurde für seine Verdienste um die Raumfahrt zweimal mit dem Titel eines Helden der Sowjetunion geehrt. Als Teilnehmer der ersten Schachpartie zwischen einer Raumschiffbesatzung und einem Team auf der Erde erhielt er die Ehrenmitgliedschaft im Zentralen Schachklub der UdSSR.

Von der Gagarinschen Garde leben heute nur noch Alexej Leonow,  Waleri Bykowski und Boris Wolynow.

© Gerhard Kowalski