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RKK Energija schlägt Roskosmos aufblasbares Modul für die ISS vor

 

Logo RoskosmosKoroljow, 25. Mai 2016 —  Das Raumfahrtunternehmen RKK Energija in Koroljow bei Moskau hat dem Staatskonzern GK Roskosmos vorgeschlagen,  ein eigenes aufblasbares Modul für die Internationale Raumstation ISS und künftige Stationen zu bauen. Die RKK Energija habe gerade Tests mit einem solchen Muster abgeschlossen,  teilte deren Präsident Wladimir Solnzew nach Angaben der Nachrichtenagentur TASS mit. Nunmehr trete er mit der Initiative an Roskosmos heran, ein „Einsatzmodul“  herzustellen.

Solnzew sagte,  das Muster bestehe aus einer zentralen massiven Sektion,  die von einer mehrschichtigen flexiblen Thermohülle umgeben sei. Bisher habe man geprüft,  wie sich das Modul bei Einschlägen von Meteoriten bis zu zehn Zentimetern Größe verhält.

Die USA verfügen bereits über ein solches Versuchsmodul der Privatfirma Bigelow Aerospace. Es wurde im April mit einem Dragon-Frachter zur ISS gebracht und am US-Segment installiert. Demnächst soll es von derzeit 3,6 auf 16 Kubikmeter Rauminhalt aufgeblasen und dann zwei Jahre lang getestet werden. In dieser Zeit wird es auch mehrfach von Astronauten betreten.

© Gerhard Kowalski

Überraschung:Russland will keine Verträge mehr für Mitflieger zur ISS nach 2018 abschließen –NASA verzichtet von sich aus (Update)

 

Credit:Roskosmos

Credit:Roskosmos

Moskau,  24. Mai 2016 —  Überraschungsmeldung aus Moskau:  Der Staatskonzern GK Roskosmos plant nicht, noch Verträge mit der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und der Europäischen Weltraumorganisation ESA über die Mitnahme von Astronauten nach 2018 zur Internationalen Raumstation ISS abzuschließen. Das teilte Roskosmos-Vize Sergej Saweljew am Dienstag vor Journalisten in Moskau mit, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti meldet. Weitere Einzelheiten dazu sind bislang nicht bekannt.

Roskosmos und die NASA haben bislang noch einen gültigen  Vertrag über die Mitnahme von US-Astronauten bis zum Jahr 2019.

Der NASA-Vizechef für bemannte Programme,Bill Gerstenmaier,  stellte am selben Tag klar,  dass seine Behörde keine weiteren Mitflug-Verträge mit den Russen mehr brauche. Denn nach 2018 würden die US-Astronauten mit eigenen Raumschiffen zur ISS fliegen. Zudem würden dann auch russische  Kosmonauten mit US-Raumschiffen zur Station starten. Im Zuge der Gegenseitigkeit sei je ein Astronaut beziehungsweise Kosmonaut pro Besatzung vorgesehen, was keiner vertraglichen Regelung bedürfe.  Der Name des ersten Russen,  der mit einem US-Raumschiff starten werde, werde im kommenden Jahr  bekannt gegeben.

Saweljew schlug ferner anderen Ländern vor,  gemeinsam  eine superschwere Trägerrakete für die Erschließung des fernen Weltraums zu bauen. Er lud zudem „ausländische Kollegen“  ein,  gemeinsam interplanetare Transportmittel zu bauen und bei der Projektierung und Schaffung bemannter Mondbasen zusammenzuarbeiten.

© Gerhard Kowalski

Kourou: Russische Sojus-Rakete bringt zwei Galileo-Satelliten sicher ins All

 

Credit:Arianespace

Credit:Arianespace

Kourou,  24. Mai 2016 — Eine russische Sojus-ST-B-Rakete hat am Dienstag zwei Satelliten des europäischen Weltraumnavigationssystems Galileo sicher ins All gebracht. Der Mittelklasse-Träger mit Galileo 13 und 14 an der Spitze stieg um 10.48 Uhr deutscher Zeit (5.48 Uhr Ortszeit) vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou (Französisch-Guyana) auf, teilte der Startdienstleister Arianespace mit.

Die Satelliten wurden um 14.36 Uhr von der FregatMT-Oberstufe im Zielorbit in 23.500 Kilometern Höhe abgesetzt und vom Auftraggeber übernommen. Nach einer Testphase sollen sie noch im Laufe des Jahres ihren Dienst aufnehmen.

Im Herbst werden vier weitere Satelliten in den Weltraum gebracht –  zum ersten Mal mit einer angepassten Ariane-5. Damit erhöht sich die Satellitenkonstellation mit einem Schlag auf 18.

Die Satelliten nehmen bereits konkrete Formen an: Ihre Nutzlasten werden zurzeit von der Surrey Satellite Technology Ltd. im britischen Guildford gefertigt, während für die Plattformen und die Gesamtintegration die OHB in Bremen zuständig ist.

Im Europäischen Zentrum für Weltraumforschung und -technologie (ESTEC) der ESA in den Niederlanden werden die Satelliten umfangreichen Tests unterzogen, bevor sie über den Atlantik nach Kourou geflogen werden.

© Gerhard Kowalski

Rogosin fordert von Roskosmos neue Raumfahrttechnologien – Rat der Chefkonstrukteure soll wiederbelebt werden

 

Credit:Roskosmos

Credit:Roskosmos

Moskau,  23. Mai 2016 – Russlands Vizepremier Dmitri Rogosin hat vom Staatskonzern GK Roskosmos Ideen für neue Raumfahrttechnologien gefordert. Er erwarte unikale Initiativen, die zu einer Entwicklung der russischen Technologien und der Entwicklung der Betriebe insgesamt führen, sagte Rogosin am Montag in Moskau auf einer Festveranstaltung zum 70. Jahrestag des Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstituts des Maschinenbaus  (NIIMasch), der wissenschaftlichen Leiteinrichtung von Roskosmos.

Die Wissenschaftler müssten darüber nachdenken,  wie die einmalige Position Russlands auf dem Markt für  kommerzielle Startdienstleistungen verteidigt und das Satellitenpotenzial gestärkt werden kann. Zudem müsse auch die Verteidigungskraft des Landes durch neue Raketenkomplexe gefestigt werden,  die in der Lage sind,  die heutigen und perspektivischen Abwehrsystem der USA zu überwinden,  betonte der Politiker, der für das Militär und die Raumfahrt zuständig ist.

Gebaucht würden Entscheidungen über neue Raumschiffe,  neuen Weltraummodule und darüber, ob es eine nationale Raumstation geben werde oder ob man diese weiterhin international betreibe, fügte Rogosin hinzu. Zudem müsse man entscheiden,  ob es künftig zum Mond oder zum Mars gehe,  um die entsprechende Technik dafür zu entwickeln. Deshalb werde man dazu für den Herbst eine spezielle Konferenz einberufen.

Der Vizepremier Rogosin  sagte,  er erwarte vom  ZIIMasch Unterstützung für die Idee der Wiederbelebung der Institution des Rates der Chefkonstrukteure. Dieser hatte in  der Sowjetzeit lange  unter Führung des legendären Chefkonstrukteurs Sergej Koroljow die Geschicke der Raumfahrt Moskaus mit großem Erfolg gelenkt.  Dieses neue Gremium müsse „weitgehend unabhängig arbeiten“.

© Gerhard Kowalski

Indien startet erfolgreich Shuttle-Prototypen

LOGO ISRONeu Delhi,  23. Mai 2016 —  Indien hat in der Nacht zum Montag erfolgreich den Prototyp eines wiederverwendbaren Shuttles gestartet. RLV-TD stieg  um 3.30 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Sriharikota  im Bundesstaat Andhra Pradesh auf, teilte die indische Weltraumorganisation ISRO mit. 20 Minuten später wurde der Versuch als Erfolg gewertet.

Der 6,5 Meter lange und 1,75 Tonnen schwere Prototyp stieg bis in 70 Kilometer Höhe auf und „landete“  rund 500 Kilometer vor der Küste im Golf von Bengalen auf einem virtuellen Flugplatz. Er wurde dabei erwartungsgemäß zerstört.

Indien baut seit 15 Jahren an dem Shuttle Avatar,  der um 2030  im Dienst gestellt werden soll. Er soll kostengünstig rund 1.000 Kilogramm Nutzlast auf eine erdnahe Umlaufbahn bringen können.

© Gerhard Kowalski

Krikaljow fordert bessere Integration der wissenschaftlichen Zusammenarbeit in der ISS

Credit:Roskosmos

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Moskau,  21. Mai  2016 —  Der neue amtierende Direktor für bemannte Programme des russischen Staatskonzerns GK Roskosmos,  Sergej Krikaljow, bemängelt die Zusammenarbeit in der Internationalen Raumstation ISS. Obwohl sich diese generell gut entwickelt und erweitert habe,  müsste sie jedoch im Bereich der Wissenschaft „systematisiert“ werden,  sagte der Sechsfachkosmonaut der Moskauer Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Samstag.

In den ersten Etappen der ISS sei die Besatzung  „besser integriert gewesen als heute“, fügte er hinzu. „In den letzten Jahren hat jeder begonnen,mehr in seinem Segment zu arbeiten, und das ist nicht richtig.“ Eine „große Integration ist nützlicher, richtiger – sowohl für unsere Wissenschaftler als auch für die Wissenschaftler, die im amerikanischen Segment arbeiten“.

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Nach der Startverschiebung in Wostotschny: Kabelfehler war bei Digitalisierung der Papiervorlage entstanden

Credit:GK Roskosmos

Credit:GK Roskosmos

Moskau,20.  Mai 2016 — Der Grund für die Startverzögerung bei der Einweihung des neuen russischen Kosmodroms Wostotschny  im Amur-Gebiet Ende April ist geklärt. Der dafür verantwortliche Kabelschaden war durch einen Fehler bei der Digitalisierung der papierenen Fertigungsunterlagen verursacht worden. Das haben die Untersuchungen im Herstellerwerk NPO Automatika in Jekaterinburg (Ural) ergeben. Der Chef des Staatskonzerns GK Roskosmos, Igor Komarow, ordnete daraufhin verstärkte Qualitätskontrollen in der ganzen Branche an.

Am 28. April war von Wostotschny die erste Sojus-Rakete gestartet. Sie hob allerdings erst im zweiten Anlauf ab, weil wegen des Kabelschadens der Countdown am Vortag im Beisein von Präsident Wladimir Putin kurz vor dem Abheben automatisch unterbrochen wurde. Putin hatte daraufhin Komarow und dem für das Militär und die Raumfahrt zuständigen Vizepremier Dmitri Rogosin Rügen erteilt. Der Werkdirektor wurde abgelöst und inzwischen durch einen neuen ersetzt.

Wie mitgeteilt wurde, sollen in Wostotschny neben der Sojus-Startrampe noch zwei Rampen für die neue Angara-Rakete und später dann eine für den geplanten superschweren Träger gebaut werden.

Der Chef des neuen Kosmodroms,  Konstantin Tschmarow, kündigte an, dass für 2017 und 2018 jeweils zwei Starts nach dem nationalen Programm geplant sind. Zudem wolle man 2018 vier kommerzielle Starts durchführen.

© Gerhard Kowalski

 

 

Bei Airbus in Bremen hat die Integration des Europäischen Servicemoduls für das NASA-Raumschiff Orion begonnen

Credit:G. Kowalski

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Bremen,  19. Mai 2016 —  Bei Airbus Defence & Space in Bremen hat am Donnerstag die Integration des Europäischen Servicemoduls (ESM) für das neue bemannte Raumschiff Orion der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA begonnen. Bis Januar nächsten Jahres müssen über 20.000 Elemente und  kilometerlange Kabel in den Zylinder von vier Metern Höhe und Durchmesser eingebaut werden. Das Modul ist für den Antrieb, die Energieversorgung, die Thermalkontrolle und für die Versorgung der  Crew in ihrer vom US-Konzern Lockheed Martin gebauten Kapsel mit Wasser und Sauerstoff verantwortlich. Der unbemannte  Erststart von Orion zum Mond und darüber hinaus ist für Ende 2018 geplant, und 2020 oder 2021 soll das Raumschiff erstmals  bemannt auf die Reise geschickt werden.

Der Chef der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Johann-Dietrich Wörner (Foto), sprach von einem historischen Tag. Mit dem ESM  liefere Europa in Gestalt der ESA erstmals ein „Schlüsselelement“ für ein US-Raumfahrzeug. Er werde alles daran setzen,  dass diese Zusammenarbeit zu einer „Erfolgsgeschichte“ werde.

Wörner äußerte zudem die Hoffnung,  dass die USA noch weitere solcher Module bestellen und eines Tages auch europäische Astronauten mit den Amerikanern über den niedrigen Erdorbit hinaus in die Tiefen des Weltraums fliegen. Das erfordere aber erst einmal den Willen der ESA-Mitglieder, ihre Beteiligung an der Internationalen Raumstation ISS, die bisher nur bis 2020 gesichert ist, bis 2024  zu verlängern. Denn mit dem ESM bezahlt die ESA im Rahmen eines Bartergeschäfts ihren ISS-Betriebskostenanteil bei den Amerikanern.

NASA-Vize Jim Free betonte die enge Partnerschaft mit der ESA, die sich schon in der ISS bewährt habe und nun fortgesetzt werde. „Ohne das ESM können wir nicht fliegen“,  sagte er.

Bart Reijnen von der Airbus Group nannte den Montagebeginn ein historisches Ereignis. Mit der Lieferung des ESM spielten die Europäer und auch sein Unternehmen jetzt in der Champions League. Nun müsse es das Ziel sein, das Finale zu gewinnen.

© Gerhard  Kowalski

Merkel besucht ESA-Astronautenzentrum und DLR –Alexander Gerst für zweiten Flug zur ISS nominiert

Credit:DLR

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Credit:G.Kowalski

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Köln,18. Mai 2016 —Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Mittwoch das Europäische Astronautenzentrum EAC der Europäischen Weltraumorganisation ESA und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln besucht. Die DLR-Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund und ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner begrüßten die Kanzlerin und stellten ihr den DLR-Standort sowie die  EAC-Trainingsanlagen vor.

Während des Besuchs verkündete Wörner, dass der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst ab Mai 2018 für eine zweite Langzeitmission zur Internationalen Raumstation ISS ausgewählt wurde. Er werde sechs Monate auf der Station verbringen und in der zweiten Hälfte seiner Mission sogar drei Monate lang das Kommando übernehmen.

„Mit diesem Flug wird Deutschland seine Kompetenzen in der Raumfahrt weiter ausbauen“, erklärte Pascale Ehrenfreund.  „Raumfahrt eröffnet uns eine Vielzahl von gänzlich neuen oder deutlich verbesserten Anwendungen zur Lösung globaler Herausforderungen und trägt dazu bei, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken und weiter auszubauen. Denn wer Raumfahrt kann, kann alles.“

Mit Gerst wird zum ersten Mal ein deutscher ESA-Astronaut Kommandant der ISS und nach dem Belgier Frank de Winne zum zweiten Mal ein Europäer. Für Gerst ist es die zweite Langzeitmission im All,er war bereits von Mai bis November 2014 auf der ISS.

„Alexander Gerst hat sich bei seiner ersten ISS-Mission BlueDot durch hervorragende Gesamtleistungen und eine hohe Professionalität in der Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem hat er exzellente Koordinationsfähigkeiten und soziale Kompetenzen bei der Interaktion mit den Kollegen der ISS-Crew bewiesen“, sagte Wörner. „Aus diesem Grund hat die ESA Alexander Gerst für diese Mission ausgewählt sowie als Kommandanten der ISS vorgeschlagen.“Der Vorschlag sei vom ISS Multilateral Crew Operations Panel (MCOP), dem internationalen Gremium, das die ISS-Crews zusammenstellt, angenommen worden.

Im Laufe ihres Rundgangs informierte sich Merkel im DLR-Kontrollzentrum des Landers Philae über die europäische Kometenmission Rosetta,die nach einer über zehnjährigen Reise durch das All im Frühjahr 2014 mit der spektakulären Landung auf dem Zielkometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko endete.

Viel Zeit nahm sich die Kanzlerin für einen Besuch des DLR_School_Labs in Köln. In den bundesweit zwölf Laboren können Schulklassen jeweils einen Tag lang bei  betreuten Experimenten die faszinierende Welt der Forschung eigenständig entdecken. Mit Schülerinnen und Schülern aus der sechsten Klasse eines Bonner Gymnasiums beobachtete die promovierte Physikerin,  wie sich Wasser in einem Fallturm und damit in einem kurzen Moment der Schwerelosigkeit verhält.

Über die Erforschung der negativen Auswirkungen der Schwerelosigkeit und die Entwicklung von effektiven Trainingsmethoden für Astronauten  konnte sich die Bundeskanzlerin im Forschungsgebäude „:envihab“des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin informieren. ESA-Astronauten durchlaufen hier vor und nach ihrem Aufenthalt auf der ISS umfangreiche medizinische Untersuchungen und Rehabilitationsprogramme. Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse fließen auch in irdische Behandlungsmethoden ein.

Im EAC erläuterten Leiter Frank De Winne, Alexander Gerst und weitere Experten dem Gast einige wichtige Aspekte der Raumflugausbildung. Sie informierten zugleich über Details des Spezialtrainings für die Arbeit im europäischem Columbus-Labor in der ISS und über einige Ergebnisse der Forschung in dem Weltraumlabor. Ferner wurden Merkel ein Service Modul,  das beim neuen US-Raumschiff Orion zum Einsatz kommen soll,und das großen Tauchbecken vorgestellt, in dem Außenbordeinsätze im All trainiert werden.

Der promovierte Geophysiker und Vulkanologe Gerst gehört seit 2009 dem ESA-Astronautenkorps an. Er war das erste Mal im Mai 2014 mit einem russischen Sojus-Raumschiffes zur ISS geflogen,um dort im Rahmen seiner europäischen BlueDot-Mission ein halbes Jahr lang zu leben und zu forschen. Er war damit der dritte deutsche Raumfahrer auf der ISS.

Im Mittelpunkt der BlueDot-Mission standen mehr als 100 wissenschaftliche Experimente auf den Gebieten der Materialforschung, Biologie, Medizin, Physik, Astronomie, Erdbeobachtung und Technologieerprobung. Neben den wissenschaftlichen Experimenten wurden auch mehrere Bildungsprogramme für Schulen durchgeführt.

Heute arbeitet Gerst im Astronautenzentrum an der wissenschaftlichen Nachbereitung seiner Mission und unterstützt die nach ihm ins All gefolgten ESA-Astronauten.

Mit Gerst bekommt Deutschland den dritten Zweifach-Astronauten. Vor ihm waren schon der heutige ESA-Direktor Thomas Reiter (1996 und 2006) und Hans Schlegel (1993 und 2008) zweimal im All. Absoluter Spitzenreiter im elfköpfigen deutschen Raumfahrerklub ist allerdings Ulf Merbold mit drei Raumflügen. Er war 1983 und 1992 mit einem US-Shuttle unterwegs und ist 1994 mit einer Sojus-Kapsel zur russischen Raumstation MIR geflogen.

Bei seiner zweiten Mission wird Gerst erneut mit dem russischen Kosmonauten Alexander Samokutjajew zusammenarbeiten, den er schon 2014 in der Station getroffen hatte.

Derzeit arbeitet eine private Initiative daran,  2020 die erste Deutsche in den Weltraum zu schicken, um endlich die Phalanx der Männer zu durchbrechen.

© Gerhard Kowalski

Über 400 Frauen wollen Deutschlands erste Astronautin werden

Credit:HE Space Operations

Credit:HE Space Operations

Berlin,  18. Mai 2016 — Über 400 Frauen aus ganz Deutschland haben sich als erste deutsche Astronautin beworben. Die Bewerbungen werden nun im Rahmen einer Vorauswahl durch den privaten Personaldienstleister HE Space ausgewertet,  wie dessen  Chefin Claudia Kessler am Mittwoch mitteilte.

Im Vergleich zur letzten Ausschreibung der Europäischen Weltraumorganisation ESA von 2008 hätten damit knapp 100 Bewerberinnen mehr ihren Hut in den Ring geworfen,  wie die Initiatorin des Projekts Die Astronautin betonte. 2008 hatten sich 310 Frauen aus Deutschland beworben.

„Der Blick in die Unterlagen der Bewerberinnen zeigt,dass die große Mehrheit der Anwärterinnen beeindruckend hoch qualifiziert ist“,  sagte Kessler. Damit habe das Projekt bereits bewiesen:Es gibt sie, die hochqualifizierten Frauen im naturwissenschaftlich-technischem Bereich. Im nächsten Jahr bereits soll die Ausbildung der ausgewählten Kandidatinnen beginnen. Der Flug selbst, für den noch Sponsoren gesucht werden,   ist für 2020 geplant.

Bisher hat Deutschland lediglich elf männliche Astronauten.

© Gerhard Kowalski