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Russland bereitet neue ISS-Stammbesatzung auf superschnelles Anflugschema vor

Credit:RKK Energija

Moskau,  12. August 2020 —  Der Sojus MS-Produzent RKK Energija in Koroljow bei Moskau bereitet die nächste Stammbesatzung der Internationalen Raumstation ISS darauf vor,  erstmals in der Rekordzeit von gut drei Stunden nach dem Start in Baikonur (Kasachstan) anzudocken. Das bedeutet,  dass die Russen Sergej Ryshikow und Sergej Kudj-Swertschkow gemeinsam mit ihrer US-Kollegin Kathleen Rubins voraussichtlich am 14. Oktober nach nur zwei Erdumkreisungen die Station erreichen,  melden russische Medien unter Berufung auf die GK Roskosmos. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Das superschnelle Schema ist bereits mit Progress-Frachtschiffen erfolgreich erprobt worden. Normalerweise steuerten die Besatzungen die ISS in zwei Tagen an. Zuletzt wurde diese Zeit durch die inzwischen digitale Steuerung des Raumschiffes auf gut sechs Stunden oder vier Erdumkreisungen reduziert.

Den Kosmonauten steht bis zum Ende des Jahres auch noch der dann 47. russische Ausstieg aus der Station bevor. Dabei geht es unter anderem um den Austausch von Paneelen des Wärmeregulierungssystems des Sarja-Moduls und von wissenschaftlichen Geräten an den Swesda–und Poisk-Modulen.

© Gerhard Kowalski

„Feuerwerk“ am Himmel:  Sternschnuppenregen der Perseiden erreicht Maximum

Köln,  11. August 2020  —  Jedes Jahr tauchen sie am Himmel auf und versetzen Jung und Alt gleichermaßen in Erstaunen: Die Perseiden –   ein Meteorstrom, der immer zwischen dem 17. Juli und 24. August einen Schauer von Sternschnuppen vom Himmel „herabregnen“ lässt. Das diesjährige Maximum fällt auf den morgigen Mittwoch. Dann können Beobachter in unseren Breiten mit rund 60 Sternschnuppen pro Stunde rechnen,  teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln mit.

„Die Perseiden bestehen aus winzigen Staubteilchen, die vom Kometen 109P/Swift-Tuttle bei dessen Vorbeiflügen an der Sonne abgeströmt sind und sich als längliche, unterschiedlich dichte Staubfilamente entlang seiner Bahn verteilt haben“,  heißt es in der Pressemitteilung. Einmal im Jahr kreuze die Erde auf ihrem Weg um die Sonne diesen Bereich,  so dass die Partikel des Kometen mit einer Geschwindigkeit von rund 60 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre eindringen, wo die meisten von ihnen in einer Höhe von etwa 80 Kilometern an den Luftmolekülen „zerrieben“  werden und verdampfen. Die Moleküle werden dabei ionisiert, was die typischen hellen, zuweilen farbigen Leuchtspuren erzeugt.

© Gerhard Kowalski

Der Adler soll vornehmlich zum Mond fliegen

Credit:GK Roskosmos

Moskau,  10. August 2020 —  Das neue russische Raumschiff Orjol (Adler) der RKK Energija wird vornehmlich für bemannte Missionen zum Mond konzipiert. Es könne aber auch die Internationale Raumstation ISS anfliegen,  die nach dem Ende der Sojus-MS-Ära durch eine neue Raumfähre à la Buran versorgt werden soll,  geht aus einem Beitrag der Zeitschrift Russkij kosmos hervor. Zudem seien künftig potentiell Missionen zum Mars und zu Asteroiden möglich.

Orjol ist für vier Besatzungsmitglieder ausgelegt und braucht autonom drei Tage bis zur ISS und bis zu zehn Tagen zum Mond. Mit zwei Kosmonauten an Bord kann die Kapsel, die bis zu zehnmal wiederverwendbar sein soll, aber auch maximal 30 Tage im erdnahen Raum operieren. Die zusätzliche Nutzlastkapazität bei Missionen zum Mond beläuft sich auf 100 Kilogramm, im erdnahen Raum auf 500 Kilogramm. Durch Einbau von weiteren zwei Sitzen können erforderlichenfalls sechs Personen zur Erde zurückgebracht werden.

Das neue Raumschiff soll 2023 erstmals vom Kosmodrom Wostotschny unbemannt starten und ab 2028 zum Mond fliegen. Es wird mit einer schweren Angara-Trägerrakete ins All geschossen und dann mit einem interorbitalen Transportsystem zu einer Station gebracht, die den Erdtrabanten umkreist. Von dort erfolgt dann der Abstieg der Kosmonauten mit einem speziellen Lande- und Rückkehrkomplex auf den Mond. Nach der Rückkehr in die Mondstation steigen die Kosmonauten wieder in Orjol um und treten die Heimreise an. Die Fallschirmlandung soll in einem Radius von nur fünf bis sieben Kilometern erfolgen. Bisher gelten noch zehn Kilometer als Punktlandung.

© Gerhard Kowalski

RKK Energija erarbeitet Programm für Einmann-Bedienung der Sojus-Raumschiffe

Credit:RKK Energija

Moskau,  8. August 2020 —  Der Raumfahrtkonzern RKK Energija bereitet derzeit Programme und Kosmonauten für die Einmann-Bedienung der Sojus-MS-Raumschiffe vor. Damit werden die Voraussetzungen dafür geschaffen,  dass Ende 2021 erstmals ein professioneller Kosmonaut mit gleich zwei Weltraumtouristen einen Flug unternehmen kann,  wie der Pressedienst des Kosmonautenmausbildungszentrums (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau mitteilte. Die Namen der beiden Weltraumtouristen,  die von der Vermittlungsagentur Space Adventures unter Vertrag genommen wurden,  sollen Anfang nächsten Jahres bekanntgegeben werden.

Mit den Kosmonauten Alexander Missurkin und Sergej Prokopjew wurden bereits wichtige Elemente der künftigen Handhabung durchgespielt. Dabei ging es vor allem darum , welche Veränderungen an dem Raumschiff vorgenommen werden müssen,  da der in der Mitte sitzende Kommandant von seinem Platz aus nicht alle Bedienungselemente erreichen kann und deshalb auf die Hilfe der Bordingenieure angewiesen war.

© Gerhard Kowalski

Falcon 9 bringt 57 Starlink-Internetsatelliten ins All

Credit:SpaceX

Cape Canaveral,  7. August 2020  —  Eine schwere Falcon 9-Trägerrakete von SpaceX hat am Freitag 57 Starlink-Internetsatelliten ins All geschossen. Der Start erfolgte um 7:12 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida),  teilte der Konzern mit. Außerdem seien zwei Satelliten von BlackSky mit an Bord gewesen.

Damit erhöht sich die Zahl der Starlink-Satelliten auf nunmehr 595. In einer ersten Etappe sind 1.584 Stück geplant.

Die ausgebrannte Erststufe des Trägers landete rund zehn Minuten nach dem Start wohlbehalten auf einer schwimmenden Plattform.

© Gerhard Kowalski

Rogosin:  Rolle des erfolgreichen Crew Dragon-Testfluges nicht übertreiben

Credit:GK Roskosmos

Moskau, 7. August 2020 —  Der Generaldirektor der GK Roskosmos, Dmitri Rogosin,  hat dazu aufgerufen,  die Rolle des erfolgreichen Testfluges des neuen bemannten US-Raumschiffs Crew Dragon nicht zu übertreiben.  Zugleich schlug er den „amerikanischen Kollegen„  in einem Interview der Nachrichtenagentur RIA Nowosti vom Freitag vor, die Rekorde russischer Raumschiffe bei der Schnelligkeit der Flüge zur Internationalen Raumstation ISS zu wiederholen. Er spielte dabei darauf an,  dass jüngst der Frachter Progress MS-15 die Station in lediglich 3 Stunden, 18 Minuten und 31 Sekunden erreicht hat. Derzeit wird daran gearbeitet, auch die nächste ISS-Stammbesatzung Mitte Oktober schon nach zwei Erdumkreisungen ankoppeln zu lassen.

Rogosin stellte angesichts der „Propaganda“  um Crew Dragon die Frage,  wo denn die Amerikaner in der Welt führend seien. „Zehn Jahre waren sie am Horizont nicht zu sehen,  und jetzt fliegen sie wie wir geflogen sind. Mögen sie jetzt doch ebenso schnell wie wir fliegen. Ich glaube nicht, dass der Crew Dragon in der Lage ist,  die ISS in drei Stunden zu erreichen“,  sagte der russische Raumfahrtchef.  Der Crew Dragon von SpaceX und der künftige Starliner von Boeing seien geräumiger und komfortabler,  aber dennoch nur Analoge der russischen Sojus MS-Raumschiffe.

Rogosin teilte zugleich mit,  dass sein Land an der Entwicklung eines Shuttles ähnlich dem Buran als Sojus MS-Nachfolger sowie von Methoden für die Landung auf Asteroiden arbeite.

© Gerhard Kowalski

China startet neuen Fernerkundungssatelliten

Jiuquan,   6. August 2020 —   China hat am Donnerstag erfolgreich einen neuen optischen Fernerkundungssatelliten gestartet. Gaofen-9-04 stieg um 6:01 Uhr deutscher Zeit an der Spitze einer Langer Marsch-2D-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Jiuquan im Nordwesten des Landes auf,  meldet die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua.

Der Satellit dient hauptsächlich der Landvermessung, Stadtplanung,  Straßennetzgestaltung, Ermittlung von Ernteerträgen sowie der  Katastrophenverhütung.

Es war dies der 432. Start einer Rakete des Typs  Langer Marsch.

© Gerhard Kowalski

Trump:  Habe NASA und Space Force wiederbelebt

Credit:White House

Washington,  6. August 2020 —  Präsident Donald Trump rühmt sich,  die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und die Space Force wieder belebt zu haben,  auf die man nun zählen könne. „Die NASA war bis zu jenem Zeitpunkt geschlossen und tot,  da ich sie wieder in Gang gesetzt habe. Jetzt ist sie der belebteste Ort dieser Art auf dem Planeten“,  schrieb er auf Twitter vor dem Hintergrund des erfolgreichen Testflugs des Crew Dragon.

„Wir haben in den ersten dreieinhalb Jahren mehr erreicht als jede andere Administration zuvor“,  behauptete Trump. Das hätte es unter dem Demokraten Joe Biden nicht gegeben.

 

© Gerhard Kowalski

Crew Dragon-Astronauten:  Raumschiff ähnelte bei der Landung einem wilden Tier

Credit:SpaceX

Washington,  5. August 2020 —   Das neue US-Raumschiff Crew Dragon von SpaceX hat sich nach Ansicht der Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken bei der Rückkehr auf die Erde am Sonntag nicht wie ein Raumschiff, sondern eher wie ein wildes Tier verhalten. Der Eintritt in die Atmosphäre sei noch einigermaßen komfortabel gewesen,  „obwohl  wir uns wie in einem wilden Tier fühlten“,  sagte Behnken am Dienstag in einer Videopressekonferenz. Die Rückkehr sei spürbarer als erwartet gewesen. Der Drache sei erwacht, als er in die Atmosphäre eintrat, erinnerte sich Behnken. Das habe sich durch ein „Brüllen“  und „Rütteln“  bemerkbar gemacht. Allerdings sei man nach dem ersten unbemannten Testflug des Crew Dragon darauf im Training vorbereitet worden.

Hurley sagte,  er habe während des Testfluges „mehr Überraschungen“  erwartet. „Es ist aber wie im Simulator gewesen,  es gab keine Überraschungen.“ Das Raumschiff habe sich so verhalten, wie zu erwarten stand.

Beide Männer lobten,  dass sie schon unmittelbar nach der Wasserung im Golf von Mexiko über das Bordtelefon mit dem NASA-Kontrollzentrum in Houston (Texas) und ihren Frauen sprechen konnten.

© Gerhard Kowalski

Bykowski-Museum in Pawlowski Possad eröffnet

Credit:ZPK

Credit:ZPK

Pawlowski Possad (Moskauer Gebiet),  4. August 2020 —  In Pawlowski Possad bei Moskau ist ein Museum für den legendären Kosmonauten Waleri Bykowski eröffnet worden. An der feierlichen Zeremonie nahmen neben der Witwe des Kosmonauten Nr. 5 der damaligen Sowjetunion und Kommandanten von DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn die erste Kosmonautin der Welt,  Walentina Tereschkowa,  der Chef des Kosmonautenausbildungszentrums (ZPK) Juri Gagarin,  Pawel Wlassow,  und zahlreiche weitere Persönlichkeiten teil. Worte des Gedenkens sprach Walentina Tereschkowa,  die 1963 mit Bykowski einen Gruppenflug absolviert hatte.

Das Museum zeigt zahlreiche persönliche Gegenstände und Dokumente des Kosmonauten,  der 1976 gemeinsam mit Wladimir Axjonow die Multispektralkamera  MFK-6 aus Jena getestet und 1978 mit Jähn eine Woche in der Raumstation Salut-6 geforscht hat.

Bykowski wurde am 2. August 1934 in Pawlowski Possad geboren. Ab 1960 gehörte er nach Abschluss der Fliegerschule der sogenannten Gagarinschen Garde der ersten 20 Kosmonautenkandidaten an. Von 1965 bis 1969 leitete er die Gruppe der sowjetischen Kosmonauten,  die sich auf einen bemannten Mondflug vorbereitete,  der dann nicht stattfand. Der zweifache Held der Sowjetunion und Berliner Ehrenbürger war häufiger Gast in Jähns Heimat Morgenröthe-Rautenkranz. Er starb am 27. März 2019.

(c) Gerhard Kowalski