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Russland und China bauen Zusammenarbeit in der kommerziellen Raumfahrt aus

 

Credit:GK Roskosmos

Moskau,  14. August 2017 —   Russland und China wollen ihre Zusammenarbeit in der kommerziellen Raumfahrt ausbauen.  Derzeit suchten beide Seiten neben den traditionellen Formaten nach neuen Aufgaben in diesem Bereich,  sagte der Chef des Startunternehmens Glawkosmos, Dennis Lyskow,  am Montag der Moskauer Nachrichtenagentur TASS nach Gesprächen mit der chinesischen Partnergesellschaft Große Mauer.

Besondere Aufmerksamkeit habe man dabei dem neuen russisch-chinesischen Kooperationsprogramm für die Jahre 2018-22 gewidmet,  betonte Lyskow, dessen Unternehmen dabei als Koordinator fungiert und selbst eine Reihe Themen bearbeitet. Das Programm soll im Herbst unterzeichnet werden.

Große Mauer ist das einzige chinesische Unternehmen,  das sich im Auftrag der Pekinger Regierung mit kommerziellen Dienstleistungen in der Raumfahrt befasst.

© Gerhard Kowalski

Kalenderblatt: Vor 55 Jahren begann der erste kosmische Gruppenflug

Credit:G. Kowalski

Credit:GK Roskosmos

Vor 55 Jahren hat der erste Gruppenflug zweier Raumschiffe in der Geschichte der Raumfahrt begonnen. Die damalige Sowjetunion startete am 11. August 1962 zuerst das Raumschiff Wostok-3 mit dem Kosmonauten Andrian Nikolajew (auf beiden Fotos rechts) und einen Tag später Wostok-4 mit Pawel Popowitsch an Bord. Der Abstand zwischen beiden Kapseln betrug nur vier Kilometer, wie Popowitsch später berichtete. Er habe Nikolajew links von sich als „kleinen Mond“  wahrgenommen. Nikolajew hat sich bei dem Flug als erster Raumfahrer von seinem Sessel abgeschnallt und schwebte ohne Skaphander frei  in der Kabine.

Der Flug endete am 15. August für Nikolajew nach drei Tagen, 22 Stunden und 22 Minuten und für Popowitsch nach zwei Tagen, 22 Stunden und 44 Minuten. Das entsprach 64 beziehungsweise 48 Erdumkreisungen. Beide Raumschiffe landeten im Gebiet Karaganda (Kasachstan).

© Gerhard Kowalski

Erstmals deutsche Frauen zur Astronauten-Ausbildung in Russland – Privatinitiative Die Astronautin in neuer Phase

Credit:G. Kowalski

Bremen, 11. August 2017 –   Die erste deutsche Frau im All zu  sein,  ist das Ziel der Eurofighter-Pilotin Nicole Baumann (auf dem Foto rechts) und der Meteorologin Insa Thiele-Eich. Zum Ausbildungsstart reisen die beiden Frauen, die sich in der Privatinitiative Die Astronautin gegen 400 andere Bewerberinnen durchgesetzt haben,  jetzt nach Russland. Am kommenden Mittwoch absolvieren sie vom Flugplatz des Kosmonautenausbildungszentrums (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen (Star City) bei Moskau ihren ersten Parabelflug.

Wie die Initiative am Freitag mitgeteilt hat,  lernen die beiden Frauen dabei die Schwerelosigkeit und den Umgang damit kennen. Außerdem stehen Übungen in der Zentrifuge auf dem Programm, um den Start einer Rakete zu trainieren. Denn dabei muss der Körper extreme Beschleunigungen aushalten. „Die Trainingseinheiten in Moskau sind ein erster wichtiger Schritt für die beiden Trainees in ihrer Astronautenausbildung“, betonte  Peter Eichler, Crew Training Coordinator, der 16 Jahre für die Europäische Weltraumorganisation ESA das Astronautentraining entwickelt und durchgeführt hat. „Im weiteren Verlauf erhalten die beiden Frauen eine maßgeschneiderte Ausbildung mit technischen und wissenschaftlichen Übungen, auch Russischunterricht steht auf dem Lehrplan. Russisch ist neben Englisch offizielle Sprache an Bord der ISS.“

Die über Spenden und Sponsoren durch die Initiative Die Astronautin finanzierte Ausbildung zur Astronautin dauert zwei Jahre. In ihrem Verlauf entscheidet sich, welche der beiden Frauen im Jahr 2020 für eine Forschungsmission zur Internationalen Raumstation ISS fliegt. Während der Mission sollen unter anderem Daten über das Verhalten des weiblichen Körpers in der Schwerelosigkeit und über psychische und soziale Belastbarkeit gesammelt werden.

Bei den Trainees handelt es sich um Nicola Baumann (32), eine Eurofighter-Pilotin der Bundeswehr in Nörvenich bei Köln, und um Insa Thiele-Eich (34),  eine Meteorologin und wissenschaftliche Koordinatorin am Meteorologischen Institut der Universität Bonn. Ihr Vater ist der Astronaut Gerhard Thiele.

Bisher sind nur elf deutsche Männer ins All geflogen,  der erste davon war Sigmund Jähn 1978 aus der DDR. Ein zwölfter Astronaut befindet sich in der Ausbildung.

© Gerhard Kowalski

Wostotschny: Russland investiert eine halbe Milliarde Euro in Angara-Startrampe

Credit:GK Roskosmos

Moskau,  11. August 2017 —   Russland will für gut eine halbe Milliarde Euro auf dem Kosmodrom Wostoschny im Amur-Gebiet eine Startrampe für die schwere Trägerrakete Angara bauen. Die Ausschreibung für das Projekt erfolgt im Herbst,  meldet die Moskauer Nachrichtenagentur TASS am Freitag unter Berufung  auf den Staatskonzern GK Roskosmos. Die Rampe soll 2022 in Betrieb genommen werden. Seit dem vergangenen Jahr gibt es hier schon eine Sojus-Rampe für unbemannte Starts.

Im Unterschied zu früheren Planungen wird die Angara aber nicht als Träger für das neue bemannte Raumschiff Federazija eingesetzt. Diese Aufgabe übernimmt inzwischen die neue Mittelklasse-Trägerrakete Sojus 5,  die 2022 erstmals unbemannt und zwei Jahre später bemannt von einer neuen Rampe in Baikonur (Kasachstan) aufsteigen soll.

Die Angara ist eine Baukastenrakete. Sie wird  in zwei leichten Versionen (Angara-1.1 und Angara 1.2) und einer schweren Version für Nutzlasten bis 24 Tonnen (Angara-A5) hergestellt. Der Erststart der schweren Version fand am 23. Dezember 2014 vom nordrussischen Militärkosmodrom Plessezk statt.

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China übermittelt als erstes Land der Welt abhörsichere Daten von seinem Quantensatelliten

 

Credit:Xinhua

Peking,  10. August 2017 —  China hat als erstes Land der Welt abhörsichere Daten von seinem Quantensatelliten Micius (benannt nach einem chinesischen Philosophen und Wissenschaftler des 5. Jahrhunderts BC)  zur Erde geschickt. Alle geplanten Experimente im Rahmen des Quantum Experiments at Space Scale (QUESS)-Programms seien erfolgreich abgeschlossen worden,  meldete die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Der erste Quantensatellit überhaupt war am 16. August 2016 gestartet worden.

Die Quantentechnologie ermöglicht eine absolut abhörsichere Kommunikation, die auf der Erde allerdings durch die Erdkrümmung begrenzt wird. Österreichischen Wissenschaftlern ist eine solche Übertragung über gut 140 Kilometer bereits 2012 gelungen. Die Chinesen  wollen jetzt bei der Entwicklung dieser Technologie mit Deutschland und Italien zusammenarbeiten, wie QUESS-Chef Pan Jianwei ankündigt. Dabei geht es um die Übertragung eines interkontinentalen Quantenschlüssels.

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ISS-Umlaufbahn um 440 Meter erhöht – Nächste Besatzung startet am 13. September

Credit:NASA

Koroljow,  9. August 2017 –  Die Umlaufbahn der Internationalen Raumstation ISS ist am Mittwoch um 440 Meter angehoben worden. Dazu seien um 14.25 Uhr deutscher Zeit die Triebwerke des russischen Frachters Progress MS-06 für 125 Sekunden gezündet worden,  teilte das Flugleitzentrum (ZUP) in Koroljow bei Moskau mit. Die Station umkreise die Erde nunmehr auf einer mittleren Bahnhöhe von 404,5 Kilometern.

Das Manöver wurde vollzogen,  um günstige ballistische Bedingungen für die Landung des Raumschiffes Sojus MS-04 am 3. September in Kasachstan zu schaffen. Mit ihm kehren der Russe Fjodor Jurtschichin sowie die US-Astronauten Peggy Whitson und Jack Fischer zur Erde zurück.

Wie der Staatskonzern GK Roskosmos bekannt gab, startet die nächste Besatzung am 13. September zur ISS. Ihr gehören der Russe Alexander Mussurkin sowie die US-Astronauten Mark Vande Hei und Joseph Acaba an.

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In eigener Sache!

Credit:Sergejew/privat

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Seit durch Gorbatschows Politik auch viele Raumfahrt-Geheimarchive geöffnet wurden, bemühe ich mich, an diese Materialien zu kommen. Leider wurden viele der dicken Archivbände nur in sehr geringen Alibi-Auflagen veröffentlicht.

Die neuen Erkenntnisse speziell zu Juri Gagarin, die ich und meine vor allem russischen und amerikanischen Kollegen aus Tausenden Dokumentenseiten herausgefiltert und veröffentlicht haben, werden bislang von den offiziellen Stellen Russlands in der Regel ignoriert. Aus welchen Gründen auch immer wiederholen sie lieber die alten Darstellungen, die inzwischen schon lange als oft ideologisch verbrämt oder schlichtweg falsch und lückenhaft entlarvt sind.

Die von mir und vielen meiner Kollegen erhobenen Forderungen, so auch an Präsident Putin, sich den Realitäten zu stellen und das auch in den offiziellen Veröffentlichungen zu berücksichtigen, blieben ungehört. Dazu gehört auch die Idee einer neuen Untersuchung des tragischen Todes Gagarins.

Jetzt aber hat sich zum ersten Mal eine russische Raumfahrtinstitution den Forderungen gestellt. Die Staatliche Korporation (GK) Roskosmos hat den Autor des im vergangenen Jahr von mir herausgegebenen Buches Gagarin –  Er könnte noch leben,  Nikolai Sergejew,  in Moskau zu einem Interview gebeten. In dem knapp dreistündigen TV-Gespräch durfte der inzwischen in den USA lebende Ex-Oberst der russischen Luftwaffe,  der auch in der DDR gedient hat, seine neuesten Rechercheergebnisse aus dem Buch darlegen. Sie gipfeln in der These, dass Gagarin,  der nur über wenig Flugpraxis verfügte,  bei seinem letzten Überprüfungsflug am 27. März 1968 mit seinem Fluglehrer Wladimir Serjogin in eine Wolkenbank geriet und dabei die räumliche Orientierung verlor. Serjogin sei aber nicht in der Lage gewesen, das Steuer zu übernehmen,  weil an seinem hinteren Sitz in der UTI MiG-15 der Steuerknüppel fehlte. Der Flug war nämlich in allerletzter Minute von Kosmonautenchef General Kamanin angeordnet worden. Da keine ordentlich vorbereitete Maschine zur Verfügung stand, wurde ein Flugzeug an den Start gebracht, bei dem der hintere Steuerknüppel ausgebaut war.

Sergejew regte in dem Interview unter anderem an,  die in einem militärischen Geheimobjekt vor den Toren Moskaus in schwarzen Fässern aufbewahrten Trümmer von Gagarins Maschine auf das Vorhandensein eines zweiten Steuerknüppels zu untersuchen. Sollte der nicht gefunden werden, sei der Beweis für seine These erbracht,  sagte Sergejew.

Das Interview für das Roskosmos-Telestudio fand im Raumfahrtmuseum Ostankino statt und soll die Grundlage für einen Film zum 50. Todestag von Gagarin am 27. März 2018 bilden. Darin sollen nur die neuesten Erkenntnisse über diese große Tragödie dargestellt werden,  wie der Studiodirektor versicherte. Bleibt die Erwartung, dass dieses Versprechen dann auch wirklich eingelöst wird.

Gerhard Kowalski

Russland: Flugtests der Progress MS-Frachter erfolgreich abgeschlossen

Credit:GK Roskosmos

Moskau, 8. August 2017 —   Die Flugtests des neuen russischen Weltraumfrachters der Progress MS-Serie sind Anfang August erfolgreich abgeschlossen worden. Die Prüfung der modernisierten Systeme (MS)  habe zwischen Juli 2016 und Januar 2017 bei Missionen der Frachter mit den Seriennummern 01 bis 03 zur Internationalen Raumstation ISS stattgefunden, teilte der Staatskonzern GK Roskosmos in Moskau mit.

Progress MS ist die neueste Version des bewährten automatischen Raumschiffs,   das erstmals 1978 gestartet ist. Sie zeichnet sich durch höhere  Funktionalität und Zuverlässigkeit aus. Dazu gehören ein einheitliches Kommando- und Telemetriesystem,  das modernisierte Annäherungs- und Kopplungssystem Kurs-NA (NA steht für neu und aktiv) sowie ein zusätzlicher Schutz vor Weltraumschrott und Mikrometeoriten.

Der letzte Vorgänger Progress M-29M hatte die ISS am 8. April vergangenen Jahres verlassen und war über dem Pazifik verglüht.

Inzwischen sind sechs Progress MS-Frachter zur Raumstation gestartet. Doch nur fünf davon erreichten ihr Ziel. Im Dezember vergangenen Jahres stürzte Progress MS-04 offenbar wegen der Explosion eines Sauerstofftanks der Trägerrakete ab.

© Gerhard Kowalski

 

 

ISS: Kurzzeitiges Problem mit US-Nachrichtenverbindungssystem – Russische Bodenstationen halfen aus

 

Credit:NASA

Koroljow,  7. August 2017 —  Im Nachrichtenverbindungssystem des US-Segments der Internationalen Raumstation ISS ist es am Wochenende zu einer Störung gekommen. Die Sprachverbindung sei kurzzeitig ausgefallen,  melden russische Nachrichtenagenturen am Montag unter Berufung auf das Flugleitzentrum (ZUP)  in Koroljow bei Moskau. Der Schaden sei aber noch am Sonntagabend operativ  behoben worden. Während der Reparaturarbeiten sei der Sprechverkehr durch russische Bodenstationen gewährleistet worden.

In der ISS halten derzeit die Amerikaner Peggy Whitson, Jack Fischer und Randolf Bresnik,  die Russen Fjodor Jurtschichin und Sergej Rjasanski sowie der italienische ESA-Astronaut Paolo Nespoli Wache.

© Gerhard Kowalski

Botschaften für die Zukunft – Einsendungen von 8.000 Schülern für DLR-Projekt Zeitkapsel

Köln,  4. August 2017 —   Als 1977 die beiden US-Voyager-Raumsonden starteten, um das äußere Sonnensystem zu erforschen, flog auch die Golden Record mit – eine Datenplatte mit Fotos, Audios und Musikstücken. Sollten Außerirdische existieren und auf die Platte stoßen, würden sie so erfahren, wie das Leben und die Kultur auf der Erde sind, hoffte man damals.

Die Zeitkapsel des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die im nächsten Jahr ins All fliegt,  legt zwar einen nicht ganz so weiten Weg zurück, doch auch sie enthält Grußbotschaften – und zwar an die Menschen in 50 Jahren. Sie wird mit dem deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst ein halbes Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS um die Erde kreisen –  gefüllt unter anderem mit Wünschen von 8.000 Schülerinnen und Schülern sowie mit über 2.000 Fotos, die den Alltag im Jahr 2017 zeigen. Erst 50 Jahre nach dem Start wird diese versiegelte und ins All gereiste Zeitkapsel dann im Haus der Geschichte in Bonn geöffnet, teilte das DLR am Freitag in Köln mit.

Für die Voyager-Mission suchte ein Experten-Team aus, welche Motive in den Weltraum fliegen sollten. Für die Zeitkapsel indes rief das DLR über die Sozialen Medien hingegen alle auf, ihr Alltagsleben zu dokumentieren. Die dazugehörigen Fotos kommen mit auf den Datenträger.

Von Schülern aus Hennef kommt beispielsweise die Vision, „dass jeder einen Roboter hat, der uns bedient und für uns sorgt. Die Roboter werden alles für uns machen.“ Ein anderes Team namens  „Die coolen Jungs der Moderne“wünscht sich, „dass alle Kinder auf der Welt genügend zu essen haben und dass es keinen Krieg gibt. Und dass die Schule nur noch vier Stunden dauert. Das wäre gut.“

Eine Mädchen-Gruppe aus Berlin stellt einen Katalog von Forderungen für die Zukunft auf, in dem sich unter anderem folgende Punkte finden: „Bessere Versorgung der armen Länder. Illegalen Tierhandel stoppen. Frauen und Kinder sollen mehr Rechte haben. Mehr Bildung.“ Außerdem wollen sie „mit Jetpacks zur Schule fliegen können“.  Auch bei Team Humanity ist der Name Programm: Die Schülerinnen machen sich für Toleranz, Respekt und Menschenrechte stark.

Alle diese Beiträge werden auf einer M-Disc im Blu Ray-Format untergebracht, auf der die Informationen auch noch in 50 Jahren ausgelesen werden können.

© Gerhard Kowalski