Archiv

Artikel

  • 2936855 Besucher

ISS-Kosmonaut schickt zwei Nachrichten zur Erde:  eine gute und eine schlechte

 

Moskau/Koroljow,  14. Oktober 2019 —  Der russische ISS-Kosmonaut Alexander Skworzow hat am Montag zwei Nachrichten zu verkünden gehabt:  eine gute und eine schlechte. Die gute kam zuerst und lautete:  In Russland sind ab sofort alle Fernsehsendungen digital zu empfangen. Das Analog-Fernsehen in dem Riesenreich ist Vergangenheit.

Die andere Nachricht war weniger erfreulich,  denn Skworzow musste mitteilen,   dass das Laufband im russischen Swesda-Modul kaputt ist. Die Naht des Bandes ist gerissen,  und an Bord gibt es keinen Ersatz,  teilte das Flugleitzentrum (ZUP)  in Koroljow bei Moskau mit. So müssen die Kosmonauten ihr tägliches Lauftraining vorerst auf dem Fahrradergometer absolvieren –  es sei denn,  die Amerikaner helfen mit ihrem Laufband aus.

(c) Gerhard Kowalski    

Kosmos-Legende, Banker, Künstler und Verschwörungsstheoretiker –  Zum Tod von Alexej Leonow

Von Gerhard Kowalski

Credit:Reg. RF

Credit:Archiv Kowalski

Er war nach Juri Gagarin der wohl legendärste russische Kosmonaut: Alexej Archipowitsch Leonow. Am 18. März 1965 ging er als erster „Weltraumspaziergänger“ über Nacht wie sein großer Landsmann in die Geschichte ein. Jetzt ist er im 86. Lebensjahr gestorben.

Der Blonde, wie er einst wegen seiner Haarfarbe genannt wurde, verließ sein Raumschiff  „Woßchod 2“ für 20 Minuten und verbrachte bei seinem „Weltraumspaziergang“, der alles andere als ein solcher war, 12 Minuten und 9 Sekunden außerhalb der Schleusenkammer im freien Weltraum. Nur mit einer Sicherungs- und Versorgungsleine verbunden, entfernte er sich, purzelbaumschlagend, 5 Meter von der Schleuse. Die Bilder gingen um die Welt. Dass er dabei haarscharf am Tode verbeischrammte, verriet die Sowjetpropaganda erst Jahrzehnte später.

Mit dem Sojus-Apollo-Test-Projekt (SATP) machte er 1975 wieder Schlagzeilen. Damals, in der Zeit des Kalten Krieges, trafen sich drei Amerikaner und zwei Russen –  Leonow und sein inzwischen auch verstorbener Freund Waleri Kubassow –  zum Shakehands auf der Umlaufbahn. Im Grunde ging es darum, ein System zu schaffen, um sich im Notfall gegenseitig im Weltraum zu Hilfe zu kommen. Aber wegen der im Zuge des Helsinki-Prozesses eingeleiteten Politik der friedlichen Koexistenz gewann diese Geste enorme symbolische Bedeutung. Denn das Unternehmen zeigte, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten kann, wenn man nur will, wie auch heute in der Internationalen Raumstation ISS.

Doch zurück zum 18. März 1965. Als Leonow nach dem Ausflug wieder in die Luftschleuse zurückklettern wollte, zeigte sich, dass sie zu eng war. Sein Raumanzug hatte sich nämlich aufgebläht. Er ließ deshalb kurzerhand ein bisschen Luft ab und rettete sich schließlich in letzter Minute und mit den letzten Sauerstoffreserven in das Raumschiff.

Das war das erste, aber nicht das letzte  Mal, dass Leonow dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Schon bei der Landung von „Woßchod 2“  hatten er und sein Freund Pawel Beljajew erneut eine lebensgefährliche Situation zu meistern, als die Automatik versagte. Die Männer landeten schließlich in der tief verschneiten Taiga und konnten erst nach zwei Tagen geborgen werden.

Beim dritten Mal entging Leonow, der auch als erster Russe auf dem Mond landen sollte, im Januar 1969 nur knapp einem Attentat, das eigentlich Parteichef Leonid Breshnew galt. Dabei kam der Fahrer des Wagens ums Leben, in dem er, Georgi Beregowoi und das Ehepaar Andrijan Nikolajew/Walentina Tereschkowa saßen.

Das letzte Mal erwies sich Leonow 1971 als “Alexej im Glück“. Wegen einer plötzlichen Erkrankung von Kubassow mussten die Doubles den Flug mit dem Raumschiff “Sojus 11“  antreten. Die drei Männer kamen bei der Landung ums Leben, weil sich ein Frischluftventil zu früh geöffnet hatte. Sicher ist die Tatsache, dass er oft gerade noch einmal der Katastrophe entronnen ist, der Grund für Leonows teils überschäumende Lebensfreude.

Nach dem Zerfall der UdSSR bewies Leonow Geschäftssinn und wechselte als erster russischer Kosmonaut in das Big Business. Er wurde Vizepräsident eines US-Investmentfonds und vermarktete auch sonst seinen Namen und Ruhm sehr erfolgreich, was ihm nicht nur Freunde machte. Auch die Familie Gagarin ging auf Distanz zu ihm, weil er mit seiner sprühenden Fantasie und Leutseligkeit so manche zweifelhafte Story in Umlauf gebracht hat. So verbreitete er, dass Gagarin durch ein zwar offenbar zufälliges, aber dennoch gefährliches Flugmanöver eines Piloten umgebracht wurde. Er kenne sogar den Namen des Mannes, doch Präsident Putin habe ihn gebeten, den nicht preiszugeben.

Unverkäuflich sind indes die vielen Weltraum-Gemälde, die der begnadete Künstler Leonow im Laufe der Jahrzehnte geschaffen hat. Keiner kann wie er die Farben darstellen, die die Erde aus dem Kosmos bietet. Er könne sich einfach von diesen Arbeiten nicht trennen, weil sie ihm so sehr ans Herzen gewachsen seien, sagte der zweifache „Held der Sowjetunion“ einmal.

11. Oktober 2019

Kosmosveteran Alexej Leonow gestorben

Moskau,  11. Oktober 2019 —  Der russische Kosmosveteran Alexej Leonow ist tot. Er starb am Freitag im 86. Lebensjahr nach langer Krankheit in einem Moskauer Krankenhaus,  teilte die Nachrichtenagentur TASS mit. 

Leonow hat insgesamt zwei Raumflüge von zusammen 7 Tagen und 33 Minuten absolviert. Am 18. März 1965 stieg er als erster Mensch aus dem Raumschiff Woßchod-2 in den freien Weltraum aus. Im Juli 1975 nahm er zusammen mit Waleri Kubassow am Sojus-Apollo-Test-Projekt (SATP) teil. Dabei trafen sie sich auf der Umlaufbahn zum ersten Handschlag im All mit den US-Astronauten Thomas Stafford,  Vance Brand und Donald Slayton. Die Begegnung gilt aus der Auftakt für die heutige Internationale Raumstation ISS.

Leonow wird am 15. Oktober auf dem Zentralen Militär-Gedenkfriedhof in Mytischtschi im Moskauer Gebiet beigesetzt.

(c) Gerhard Kowalski   

NASA-Satellit ICON im zweiten Anlauf gestartet

 

Cape Canaveral,  11. Oktober 2019 —  Im zweiten Anlauf ist der NASA-Satellit ICON (Ionospheric Connection Explorer) am Freitagmorgen um 4.00 Uhr deutscher Zeit mit halbstündiger Verspätung erfolgreich gestartet worden. Er wurde mit  einer dreistufigen Pegasus XL-Feststoffrakete von einem Flugzeug des Typs L-1011 Stargazer aus über dem Atlantik nordöstlich von Cape Canaveral (Florida) auf die Reise geschickt, um die Ionosphäre zu erforschen.  

Ein erster Startversuch musste am Vortag wegen schlechten Wetters abgesagt  werden.

Es war dies der 44. Flug einer Pegasus-Rakete und der 30. erfolgreiche in Folge. 

(c) Gerhard Kowalski

NASA-Chef Bridenstine rechnet mit Wiederaufnahme der US-Flüge zur ISS im ersten Quartal 2020

 

Washington,  11. Oktober 2019 —  Der Chef der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, Jim Bridenstine, rechnet mit der Wiederaufnahme der bemannten Flüge amerikanischer Raumschiffe zur Internationalen Raumstation ISS im ersten Quartal des kommenden Jahres. Bei den Vorbereitungen dafür laufe wie bei vielen neuen Dingen allerdings nicht alles nach Plan,  aber man sei auf einem guten Weg, sagte er bei einem Besuch in der SpaceX-Zentrale in Hawthorne (Kalifornien). Hier werden die Crew Dragon gebaut.

Bridenstine nannte die Zusammenarbeit mit den Russen bei der Weltraumforschung “sehr gut und extrem wichtig”. Ungeachtet der Schwierigkeiten beider Länder auf der Erde sei es gelungen, diese Sphäre “irgendwie von der Geopolitik fernzuhalten”. Entscheidend sei, dass US-Raumschiffe wieder mit eigenen Raketen und eigenen Besatzungen vom eigenen Territorium sicher zur ISS fliegen.

(c) Gerhard Kowalski

Proton-M bringt zwei Satelliten ans Ziel – Rekordzeit zwischen Start und Absetzen

 

Baikonur,  10. Oktober 2019 —  Die beiden Satelliten, die am Mittwoch von einer russischen Proton-M  ins All geschossen wurden, haben am Donnerstag ihren Zielorbit erreicht. Damit ist die Mission errfolgreich beendet, teilte  das Unternehmen International Launch Service (ILS) mit. Der europäische Satellit Eutelsat-5WB und der amerikanische MEV-1 wurden 15 Stunden und 54 Minuten nach dem Start vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan von der Briz-M-Oberstufe erfolgreich abgesetzt. Das bedeutet einen neuen Rekord. Der alte betrug rund elf Stunden und stammt aus dem Jahre 2016 beim Start der ExoMars-Sonde. 

Der Nachrichten-  und der Technologiesatellit haben zusammen eine Masse von rund 5,2 Tonnen.

Ein erster Startversuch am 30. September musste abgesagt werden,  weil die Satelliten nicht korrekt mit der Oberstufe verbunden waren. 

(c) Gerhard Kowalski

Das neue bemannte Orjol-Raumschiff Russlands soll nun mit einer Angara gestartet werden

Moskau,  8. Oktober 2019 —  Das neue russische bemannte Raumschiff Orjol soll nun offenbar doch nicht mit dem ebenfalls neuen Mittelklasse-Träger Sojus-5,  sondern mit einer schweren Angara-Rakete ins All geschossen werden. Der Entwurf für die Angara-A5P (das P steht für bemannt) werde bis zum Jahresende beim Chrunitschew-Konzern abgeschlossen,  meldet die Moskauer Nachrichtenagentur TASS am Dienstag. 

Die Idee für den Trägerwechsel gehe vom Chef der GK Roskosmos,  Dmitri Rogosin,   aus, heißt es weiter. Seine Vorgänger hätten noch die Sojus-5 favorisiert, für die gemeinsam mit Kasachstan eine Rampe in Baikonur geplant ist. Doch dafür hätte ihre Nutzlast mit hohem Kostenaufwand auf 18 Tonnen gesteigert werden müssen. 

Die Angara-A5P kann von Wostotschny im Amur-Gebiet aus starten. Die Arbeiten für die Rampe haben gerade begonnen. Damit macht sich Russland auch bei den bemannten Starts von Kasachstan unabhängig.

(c) Gerhard Kowalski  

Kalenderblatt: Vor 60 Jahren entstanden die ersten Fotos von der Mond-Rückseite

 

Moskau,  7. Oktober 2019 —  Heute vor genau 60 Jahren, am 7. Oktober 1959,  hat die sowjetische Mondsonde Luna-3 die ersten Fotos von der Rückseite des Erdtrabanten gemacht. Wie das Moskauer Russische  Staatsarchiv für wissenschaftlich-technische Dokumentation (RGANTD) mitteilte,  war die Oberfläche der Rückseite zur Überraschung der Wissenschaftler glatter als die sichtbare Seite.

Die 24 Fotos wurden mit 35-Millimeter-Beutefilmen aus abgeschossenen US-Spionageballons aufgenommen, in der Sonde entwickelt und am 18. Oktober  zur Erde gesendet. Die erste Aufnahme erschien am 27. Oktober in der Prawda.

(c) Gerhard Kowalski 

US-Astronauten beenden erfolgreich ersten Ausstieg zum Batterieaustausch

Houston, 6. Oktober 2019 — Die US-Astronauten Christina Koch und Andrew Morgan haben am Sonntag erfolgreich den ersten Ausstieg aus der Internationalen Raumstation ISS zu einem Batterieaustausch an den Sonnensegeln absolviert. In sieben Stunden und einer Minute montierten sie eine neue Lithium-Ionen-Batterie von 194 Kilogramm Masse und demontierten zwei alte Wasserstoff-Nickel-Sammler,  teilte die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA in Houston (Texas) mit. Es war dies der erste von insgesamt zehn bis November/Dezember geplanten Ausstiegen.

Die ersten fünf Außenbordaktivitäten dienen dem Batterieaustausch, die restlichen der Reparatur und Modernisierung des Alpha-Magnet-Spektrometers (AMS).

Koch und Morgan haben damit nunmehr je zwei Ausstiege auf ihrem Konto. Zudem war dies der 219. ISS-Ausstieg.

(c) Gerhard Kowalski

Russisches Raumschiff Sojus MS-12 sicher in Kasachstan gelandet

Moskau,  3. Oktober 2019 —  Das Raumschiff Sojus MS-12 mit dem russischen Kosmonauten Alexej Owtschinin,  dem US-Astronauten Nick Hague und dem ersten Raumfahrer der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Hazza al-Mansuri,  an Bord ist am Donnerstag um 12.59 Uhr deutscher Zeit sicher in der kasachischen Steppe rund 145 Kilometer süd-östlich der Stadt Dsheskasgan gelandet. Es hatte um 9.37 Uhr von der Internationalen Raumstation ISS abgekoppelt,  wie die GK Roskosmos in Moskau mitteilte.  

Al-Mansuri hatte als Teilnehmer eines Raumfluges, wie die Russen es nennen,  eine Woche lang in der Station Experimente für Schulprogramme zum Thema Mikrogravitation durchgeführt, an deren Planung auch die GK Roskosmos,  die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und die Europäische Weltraumorganisation ESA beteiligt waren. Der VAE-Bürger war am 27. September mit dem Raumschiff Sojus MS-15 auf der Umlaufbahn eingetroffen. Seine beiden Kollegen haben dagegen schon seit Mitte März in der ISS gearbeitet,  in der inzwischen der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano das Kommando übernommen hat.

Der Start des nächsten Sojus-Raumschiffes ist für den 15. April  2020 geplant. 

(c) Gerhard Kowalski