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Ein Juwel unter den Publikationen zum Jubiläum der Mondlandung:   Architekturführer Mond von Paul Meuser

Credit:G. Kowalski

Rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung vom 20. Juli 1969 ist ein Buch erschienen,  das sich wohltuend abhebt von den zahlreichen Publikationen,  die aus diesem Anlass den Markt überschwemmen, aber zumeist Bekanntes nur im neuen Gewand bieten. Architekturführer Mond lautet der Titel des reich bebilderten Werkes von Paul Meuser,  der 1996 in Berlin geboren wurde,  von 2015 bis 2019 ein Kunststudium an der Rhode Island School of Design (RISD), Providence, absolvierte und nun an der Yale School of Architecture in New Haven tätig ist.

Meuser hat in seinem Buch,  das von DOM publishers,  Berlin herausgegeben wurde,  alle Artefakte zusammengestellt,  die der Mensch seit der Landung der sowjetischen Mondsonde Luna 2 im Jahr 1959 auf den Erdtrabanten geschickt hat. Die Bandbreite der zum Teil bizarren Objekte reicht dabei in chronologischer Ordnung vom sowjetischen und US-Mondprogramm bis hin zu den gegenwärtigen Missionen von Japan, Europa, China, Indien und Israel. Sie alle werden durch die architektonische Brille ohne ideologische Färbung gesehen,  wie der Verlag ausdrücklich betont. Dafür bürgen anerkannte Experten unter anderem aus Russland, den USA und Indien.

Von besonderem Interesse für den Rezensenten war der Beitrag von Alexander Gluschko. Der Sohn des legendären sowjetischen Raketen-Chefkonstrukteurs Walentin Gluschko (1908-1989)  enthüllt darin so manche selbst ausgewiesenen Fachleuten immer noch unbekannte Einzelheit des einst streng geheimen bemannten Mondprogramms des Kreml, das unter anderem auch daran scheiterte,  dass es Chefkonstrukteur Sergej Koroljow (1907-1966)  ablehnte,  die Mondrakete mit hochtoxischem Hydrazin zu betreiben. Koroljows glücklosem Nachfolger Wassili Mischin (1917-2001) gelang es nicht, den schweren N1-Träger mit Flüssigsauerstoff-Kerosin-Antrieb rechtzeitig einsatzfähig zu machen.

Paul Meuser – Architekturführer Mond, DOM publishers, Berlin 2019,  368 Seiten, 500 Abbildungen, Softcover,  38 Euro.

ISBN 978-3-86922-9

 

© Gerhard Kowalski

Röntgenteleskop eROSITA erfolgreich gestartet –   Jagd nach der Dunklen Energie beginnt

Credit:DLR

Baikonur,  13. Juli 2019 —   Im dritten Anlauf ist die Raumsonde Spektrum-Röntgen-Gamma (SRG) mit dem deutschen Röntgenteleskop eROSITA und seinem russischen Partnerinstrument ART-XC an Bord am Samstag erfolgreich zu ihrem 1,5 Millionen Kilometer entfernten Ziel – dem Lagrange-Punkt 2 –   gestartet. Die schwere Proton-M-Trägerrakete mit der DM-03-Oberstufe hob um 14.30 Uhr deutscher Zeit vom Kosmodrom Baikonur (Kasachstan) ab. Wegen eines technischen Problems an der Rakete musste der Start,  der eigentlich für den 21. Juni geplant war,  zweimal verschoben werden.

Vom Ort des Kräftegleichgewichts aus wird eROSITA (extended Roentgen Survey with an Imaging Telescope Array)  die gigantischste kosmische Inventur des heißen Universums beginnen,  teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR ) in Köln mit. Das deutsche Weltraumteleskop wird dafür mit seinen sieben Röntgendetektoren den gesamten Himmel beobachten und nach heißen Quellen wie Galaxienhaufen,  aktiven Schwarzen LöchernSupernova-Überresten,  Röntgendoppelsternen sowie Neutronensternen suchen und sie kartieren.

eROSITA’s Röntgenaugen sind die besten,  die jemals auf einem Weltraumteleskop gestartet sind. Ihre einmalige Kombination aus Lichtsammelfläche,  Gesichtsfeld und Auflösung machen sie circa 20-mal so empfindlich wie das deutsche Teleskop ROSAT in den 1990-er Jahren –  High-Tech made in Germany. So wird eROSITA uns dabei helfen,  die Struktur des Kosmos und dessen Entwicklung besser zu verstehen. Insbesondere wird das deutsche Teleskop aber dazu beitragen,  das Rätsel der Dunklen Energie zu lösen“,  betonte Walther Pelzer,  DLR-Vorstand für das Raumfahrtmanagement,  mit dessen Unterstützung eROSITA vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik (MPE) gebaut wurde.

© Gerhard Kowalski

 

Ex-Astronaut Bowersox ersetzt Bill Gerstenmaier

Washington ,  13. Juli 2019 —   Stühlerücken bei der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA:    NASA-Chef Jim Bridenstine hat in einer Hauruckaktion seinen Vize für bemannte Flüge,  Bill Gerstenmaier, durch Ken Bowersox ersetzt. Der Fünffach-Shuttle-Astronaut war bislang Gerstenmaiers Stellvertreter. Dieser wiederum wurde zum Sonderberater für NASA-Vize-Administrator Jim Morhard ernannt. Mit Bill Hill,  der maßgeblich an der Entwicklung der schweren Trägerrakete Space Launch System (SLS) beteiligt war,  die weit hinter dem Plan herhinkt,  wurde ein weiteres Führungsmitglied ausgetauscht.

Medien begründen das Revirement mit der Unzufriedenheit der US-Administration mit den unzureichenden Fortschritten der NASA bei der Umsetzung des ambitionierten Mondprogramms. Die Amerikaner wollen bereits 2024 erneut bemannt auf dem Erdtrabanten landen.

© Gerhard Kowalski

USA investieren Milliarden in Kommerzialisierung der ISS-Versorgung

Credit:NASA

Washington,  12. Juli 2019 —   Die USA haben in den vergangenen 12 bis 14 Jahren bereits 17 Milliarden Dollar in die Kommerzialisierung der Versorgung der Internationalen Raumstation ISS investiert. Das teilte die Luft- und Raumfahrtbehörde NASA bei einer Anhörung des Repräsentantenhauses in Washington mit. Das bedeute jedoch nicht, dass die Privatfirmen sich nicht an den Kosten für den Güter-  und Personentransport zur Station beteiligt hätten, wurde weiter betont. Sie hätten ebenfalls „bedeutende Mittel“  beigesteuert.

Der Betrieb der ISS koste die NASA in jedem Jahr zwischen drei und vier Milliarden Dollar,  teilte die Behörde mit. Bisher wurden in die ISS rund 100 Milliarden Dollar investiert.

© Gerhard Kowalski

Vega-Trägerrakete mit VAE-Satellit kurz nach dem Start abgestürzt

Credit:Arianespace

Kourou,  11. Juli 2019  —   Eine leichte Vega-Trägerrakete mit einem Militärsatelliten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an Bord ist in der Nacht zum Donnerstag kurz nach dem Start vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana abgestürzt. Der Fehler sei rund zwei Minuten nach dem Abheben aufgetreten, als die zweite Raketenstufe zünden sollte,  teilte das Betreiberunternehmen Arianespace mit. Die genaue Ursache für den Fehler werde nun untersucht.

Es war dies der erste Fehlstart der Vega-Rakete nach 14 erfolgreichen Starts seit Februar 2012. Der Überwachungssatellit Falcon Eye 1,  der von Airbus gebaut wurde, war der erste von zwei Satelliten der Serie.

© Gerhard Kowalski

Russland startet vier Militärsatelliten

Plessezk,  10. Juli 2019 —   Russland hat am Mittwoch erfolgreich vier militärische Satelliten gestartet. Die Sojus-2.1W-Trägerrakete stieg um 19.14 Uhr deutscher Zeit vom nordrussischen Militärkosmodrom Plessezk auf,  teilte das Moskauer Verteidigungsministerium mit.

Es war dies der zweite Sojus-2-Start von Plessezk in diesem Jahr. Seit November 2004 sind von hier 38 solcher neuen Raketen der Typen 1A,  1B und 1W ins All geschossen worden. Sie lösten die Sojus-U ab, die zwischen 1973 und 2012 von hier 435 Mal zum Einsatz kamen. Dabei wurden rund 430 Satelliten auf ihre Umlaufbahn gebracht.

© Gerhard Kowalski

Russland strebt Experiment zur Geburt eines Menschen im All an

Le Bourget,  19. Juni 2019 —   Russland will das erste Land der Welt werden, das ein Experiment zur Geburt eines Menschen im All durchführt. Das Wichtigste dabei sei nicht, dass der erste Mensch dort geboren werde, „sondern dass er gesund geboren wird“,  sagte die Leiterin des Labors für Zell-Biophysik des Moskauer Instituts für Medizinisch-Biologische Probleme (IMBP), Irina Ognewa, auf der Paris Air Show in Le Bourget,  melden russische Nachrichtenagenturen.  Diese konkrete Aufgabe zu stellen,  sei freilich noch zu früh, aber als Ziel könne man sie schon formulieren.

Die Wissenschaftlerin erinnerte daran, dass ihr Land in der Raumfahrt oft führend gewesen ist und das auch bleiben will. Deshalb wolle man,  dass der erste Mensch,  der im All geboren wird,  ein Bürger Russlands ist.

© Gerhard Kowalski

Projekt RETALT:  Mit europäischen Recycling-Raketen zu mehr Nachhaltigkeit in der Raumfahrt

Credit:DLR

Köln,  19. Juni 2019 —   Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und fünf europäische Unternehmen haben sich im Projekt RETALT (RETro Propulsion Assisted Landing Technologies) zusammengeschlossen,  um gemeinsam die Erforschung und Entwicklung von Schlüsseltechnologien für rückwärtslandende Raketen voranzutreiben. Über drei Jahre untersucht das Konsortium die Aerodynamik,  die Aerothermodynamik,  die gesamte Flugdynamik bei Flug und Rückflug,  Navigation und Steuerung sowie Strukturteile,  Materialien und Mechanismen,  teilte das DLR in Köln mit.

„In den USA sind wiederverwendbare Raumtransportsysteme mit Retro-Schub schon in der Praxis in Betrieb. Die Bilder und Videos von SpaceX sind um die Welt gegangen. Da verwundert es vielleicht,  dass die physikalischen Phänomene hinter den Technologien noch gar nicht vollständig verstanden sind. Aber es ist so:  Stand heute fehlen hochwertige,  experimentelle Daten aus Windkanalversuchen und Bodendemonstratoren“,  sagte Ali Gülhan,  RETALT-Projektkoordinator und Leiter der Abteilung Über- und Hyperschalltechnologien am DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik in Köln. „Wenn wir diese Daten mit numerischen Simulationen kombinieren,  können wir die komplexe Physik besser verstehen und einen großen Schritt in Richtung Wiederverwendbarkeit von Raketen in Europa machen.“  Nur eine enge und intensive Zusammenarbeit von Forschung und Industrie könne das Know-how für eine schnellstmögliche Umsetzung der notwendigen Technologien liefern.

© Gerhard Kowalski

 

Russland stellt in Le Bourget sein Mond-Programm vor

Paris, 18. Juni 2019 —   Russland stellt auf der Paris Air Show in Le Bourget bis zum 23. Juni seine neuesten Entwicklungen der Raketen- und Raumfahrtbranche vor. Von besonderem Interesse für die Besucher des Gemeinschaftsstands der GK Roskosmos dürfte die Präsentation des Mondprogramms sein. Auf einem Modell der Mondoberfläche sind dabei die Hauptelemente der geplanten Infrastruktur für künftige bemannte Expeditionen zu bestaunen. Der erste Russe soll 2030 auf dem Erdtrabanten landen. Zwischen 2032 und 2035 soll dann eine ständige Mondbasis errichtet werden.

Zudem werden Modelle der neuen Trägerrakete Sojus-5 Irtysch aus dem RKZ Progress,  der Angara von Chrunitschew sowie zahlreicher Satelliten gezeigt. Nach russischen Medienberichten kann GK Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin wegen der westlichen Sanktionen gegen ihn nicht nach Le Bourget kommen.

© Gerhard Kowalski

Digitalisierung,  Klimawandel und Erhalt der Mobilität –   das DLR auf der Paris Air Show 2019

Credit:DLR

Köln/Le Bourget,  17. Juni 2019 —   Mit aktuellen Projekten und Forschungsergebnissen präsentiert sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf der am Montag eröffneten Paris Air Show in Le Bourget. Am deutschen Gemeinschaftsstand widmet sich das DLR besonders den Schwerpunkten Digitalisierung, Klimawandel und Erhalt der Mobilität. Gezeigt werden technische Innovationen für ökoeffiziente Flugzeuge mit geringeren CO2-  und Lärmemissionen bis hin zum elektrischen Fliegen sowie die DLRFalcon 20E, das fliegende Labor für Umwelt-  und Klimaforschung.

Das globale Monitoring des dynamischen Systems Erde aus dem All steht mit der deutsch-französischen Satellitenmission MERLIN zur Beobachtung des Treibhausgases Methan im Fokus. Der mobile Astronauten-Assistent CIMON®, der geplante Demonstrator einer wiederverwendbaren Raketenstufe sowie die beiden DLR-Instrumentenbeiträge zur europäischen Merkur-Mission Bepi-Colombo runden den Messeauftritt im Bereich Raumfahrt ab.

© Gerhard Kowalski