Intensive Fehlersuche nach dem Absturz des russischen Progress-Frachters

 

Credit: GK Roskosmos

Credit: GK Roskosmos

Moskau,  2. Dezember  2016 —  Einen Tag nach dem Absturz des russischen Weltraumfrachters Progress MS-04 über der sibirischen Republik Tuwa läuft die Suche nach den Ursachen auf Hochtouren. Eine staatliche Untersuchungskommission analysiere die Situation,  die in rund 190 Kilometern Höhe zum Verlust des Frachters geführt habe,  teilte der Staatskonzern GK Roskosmos in einem knappen Kommunique mit. Der Absturz habe „keine Auswirkungen“ auf das normale Funktionieren der Systeme der Internationalen Raumstation ISS und das Leben seiner sechsköpfigen Besatzung,  heißt es darin.

Inzwischen wird im dünnbesiedelten gebirgigen und waldreichen Absturzgebiet nach den nicht in der Atmosphäre verglühten Resten des Havaristen gesucht. Man geht davon aus,  dass keine Personen- und Umweltschäden entstanden sind.

Die Medien spekulieren indes über die Absturzursache. Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert einen nicht näher benannten Branchenspezialisten mit den Worten,  es sei wohl wieder einmal von einer nicht ordnungsgemäßen Montage des Triebwerks RD-0110 der dritten Raketenstufe im Herstellerwerk in Woronesh auszugehen. Wenn sich das als richtig erweisen sollte,  müssten alle ausgelieferten Triebwerke dieses Typs noch einmal  genau überprüft werden.

Die Agentur weist in diesem Zusammenhang darauf hin,  dass am 20. August 2011 eine ähnliche Havarie zum Verlust des Raumschiffes Progress M-12M über dem Altai geführt habe. Damals habe sich herausgestellt,  dass der Gasgenerator der dritten Stufe wegen einer verstopften Leitung nicht genügend mit Treibstoff versorgt worden war.

Der stellvertretende Vorsitzende der  Industriekommission der Staatsduma,  Wladimir Gutenjew,  geht davon aus,  dass hier ein Mangel in der technologischen Disziplin vorliegt. Er forderte deshalb,  die „Qualitätsschraube“ fester anzuziehen. Sinnigerweise hatte der für das Militär und die Raumfahrt zuständige Vizepremier Dmitri  Rogosin der Branche gerade erst  bescheinigt,  dass sie eine ganze Reihe von Niederlagen,  ärgerlichen Havarien und Katastrophe überwunden und die Qualität stabilisiert habe.

Progress MS-04 sollte 2,4 Tonnen Nachschub,  darunter Treibstoff,  Lebensmittel und wichtige neue Ausrüstungen,  zur ISS bringen. Bei dem Absturz gingen auch persönliche Geschenke für die Astronauten zu den bevorstehenden Festtagen verloren.

© Gerhard Kowalski

Dieser Beitrag wurde unter Raumfahrt veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.