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Kosmos-Legende, Banker, Künstler und Verschwörungsstheoretiker –  Zum Tod von Alexej Leonow

Von Gerhard Kowalski

Credit:Reg. RF

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Er war nach Juri Gagarin der wohl legendärste russische Kosmonaut: Alexej Archipowitsch Leonow. Am 18. März 1965 ging er als erster „Weltraumspaziergänger“ über Nacht wie sein großer Landsmann in die Geschichte ein. Jetzt ist er im 86. Lebensjahr gestorben.

Der Blonde, wie er einst wegen seiner Haarfarbe genannt wurde, verließ sein Raumschiff  „Woßchod 2“ für 20 Minuten und verbrachte bei seinem „Weltraumspaziergang“, der alles andere als ein solcher war, 12 Minuten und 9 Sekunden außerhalb der Schleusenkammer im freien Weltraum. Nur mit einer Sicherungs- und Versorgungsleine verbunden, entfernte er sich, purzelbaumschlagend, 5 Meter von der Schleuse. Die Bilder gingen um die Welt. Dass er dabei haarscharf am Tode verbeischrammte, verriet die Sowjetpropaganda erst Jahrzehnte später.

Mit dem Sojus-Apollo-Test-Projekt (SATP) machte er 1975 wieder Schlagzeilen. Damals, in der Zeit des Kalten Krieges, trafen sich drei Amerikaner und zwei Russen –  Leonow und sein inzwischen auch verstorbener Freund Waleri Kubassow –  zum Shakehands auf der Umlaufbahn. Im Grunde ging es darum, ein System zu schaffen, um sich im Notfall gegenseitig im Weltraum zu Hilfe zu kommen. Aber wegen der im Zuge des Helsinki-Prozesses eingeleiteten Politik der friedlichen Koexistenz gewann diese Geste enorme symbolische Bedeutung. Denn das Unternehmen zeigte, dass man auch in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten kann, wenn man nur will, wie auch heute in der Internationalen Raumstation ISS.

Doch zurück zum 18. März 1965. Als Leonow nach dem Ausflug wieder in die Luftschleuse zurückklettern wollte, zeigte sich, dass sie zu eng war. Sein Raumanzug hatte sich nämlich aufgebläht. Er ließ deshalb kurzerhand ein bisschen Luft ab und rettete sich schließlich in letzter Minute und mit den letzten Sauerstoffreserven in das Raumschiff.

Das war das erste, aber nicht das letzte  Mal, dass Leonow dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Schon bei der Landung von „Woßchod 2“  hatten er und sein Freund Pawel Beljajew erneut eine lebensgefährliche Situation zu meistern, als die Automatik versagte. Die Männer landeten schließlich in der tief verschneiten Taiga und konnten erst nach zwei Tagen geborgen werden.

Beim dritten Mal entging Leonow, der auch als erster Russe auf dem Mond landen sollte, im Januar 1969 nur knapp einem Attentat, das eigentlich Parteichef Leonid Breshnew galt. Dabei kam der Fahrer des Wagens ums Leben, in dem er, Georgi Beregowoi und das Ehepaar Andrijan Nikolajew/Walentina Tereschkowa saßen.

Das letzte Mal erwies sich Leonow 1971 als “Alexej im Glück“. Wegen einer plötzlichen Erkrankung von Kubassow mussten die Doubles den Flug mit dem Raumschiff “Sojus 11“  antreten. Die drei Männer kamen bei der Landung ums Leben, weil sich ein Frischluftventil zu früh geöffnet hatte. Sicher ist die Tatsache, dass er oft gerade noch einmal der Katastrophe entronnen ist, der Grund für Leonows teils überschäumende Lebensfreude.

Nach dem Zerfall der UdSSR bewies Leonow Geschäftssinn und wechselte als erster russischer Kosmonaut in das Big Business. Er wurde Vizepräsident eines US-Investmentfonds und vermarktete auch sonst seinen Namen und Ruhm sehr erfolgreich, was ihm nicht nur Freunde machte. Auch die Familie Gagarin ging auf Distanz zu ihm, weil er mit seiner sprühenden Fantasie und Leutseligkeit so manche zweifelhafte Story in Umlauf gebracht hat. So verbreitete er, dass Gagarin durch ein zwar offenbar zufälliges, aber dennoch gefährliches Flugmanöver eines Piloten umgebracht wurde. Er kenne sogar den Namen des Mannes, doch Präsident Putin habe ihn gebeten, den nicht preiszugeben.

Unverkäuflich sind indes die vielen Weltraum-Gemälde, die der begnadete Künstler Leonow im Laufe der Jahrzehnte geschaffen hat. Keiner kann wie er die Farben darstellen, die die Erde aus dem Kosmos bietet. Er könne sich einfach von diesen Arbeiten nicht trennen, weil sie ihm so sehr ans Herzen gewachsen seien, sagte der zweifache „Held der Sowjetunion“ einmal.

11. Oktober 2019

4 comments to Kosmos-Legende, Banker, Künstler und Verschwörungsstheoretiker –  Zum Tod von Alexej Leonow

  • Jan Z.

    Und wieder verlieren wir wieder eine weiteren Kosmonauten,welcher Geschichte geschrieben hat. Ich hatte das Glück Alexej mehrmals zu treffen,letzte tolle Bilder konnte ich machen zum ASE Congress 2016 in Wien. Guten Flug Alexej…habe auch eine der wenigen Bilder vom Besuch in Morgenröthe,beim Eintrag in das Gästebuch…damals noch in dem alten Museum! RIP

  • Gerhard Kowalski

    Ja,so ist das Leben. Wer weiß,was es einen selbst trifft.

    GK

  • Wolfram Flemming

    Mein Beileid an seine Angehörigen.Ich erinnere mich noch der erste Mensch frei im Raum schwebend. Es war eine Sensation,nun wird er in unserer Erinnerung ein besonderen Platz einnehmen,als ein großer Held und Wissenschaftler.
    Alexej Leonow Ruhe in Frieden

  • Gerhard Kowalski

    Ja,das ist so! Und auch ein großer Selbstdarsteller.

    GK

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