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Credit: NASA/Boeing

White Sands,  22. Dezember 2019 —  Glückliches Ende eines an sich verkorksten Testfluges:  Das Raumschiff CST-100 Starliner des Boeing-Konzerns ist am Sonntag problemlos um 13.58 Uhr deutscher Zeit auf dem Gelände der White Sands Missile Range der US-Armee (New Mexico) gelandet. Die tonnenschwere Kapsel ging an drei Riesenfallschirmen nieder. Sechs Airbags dämpften den Aufschlag in der Wüste ab. Es war dies auch die erste Landung eines US-Raumschiffs auf dem Land. Die Vorgänger wasserten alle.

Damit ging eine Mission halbwegs glimpflich zu Ende,  bei der eigentlich Start,  Kopplung mit der ISS und Landung der neuen kommerziellen und mehrfach verwendbaren Kapsel einer letzten Prüfung vor dem ersten bemannten Einsatz Mitte kommenden Jahres unterzogen werden sollten. Immerhin funktionierten der Start und die Landung,  während die Annäherung und Kopplung an die Internationale Raumstation  wegen eines Software-Fehlers gestrichen werden mussten. Denn das Raumschiff hatte am Freitag zwar die Erdumlaufbahn normal erreicht. Durch ein Timing-Problem konnte aber rund 15 Minuten nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) das Marschtriebwerk nicht pünktlich gezündet werden,  das es auf ISS-Kurs bringen sollte. Deshalb wurden die Kopplung abgesagt und das Raumschiff,  das die Erde auf einer Höhe zwischen 186 und 216 Kilometern umkreiste,  stabilisiert und auf die Landung vorbereitet.

Bei seinem Jungfernflug hatte das siebensitzige Raumschiff keine Besatzung,  dafür aber die mit Messtechnik vollgepackte Puppe Rosie the Rocketeer (zu deutsch etwa:  Rosie,  die Raketenpilotin) und rund 270 Kilogramm Nachschub für die sechsköpfige amerikanisch-russisch-italienische ISS-Besatzung an Bord:  Lebensmittel,  Kleidung und Geschenke zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr. Die Crew muss nun sehen,  wie sie die Festtage auch ohne diese Gaben über die Runden bringt.

NASA-Chef Jim Bridenstine  sagte auf einer Pressekonferenz,  ungeachtet der nicht gelungenen Kopplung habe der Flug gezeigt,  dass die Mehrzahl der Raumschiffsysteme korrekt gearbeitet hat. Im Vorfeld des Starts hatte er von einem „großen Tag“  für sein Land gesprochen,  das seit der Einstellung des Space Shuttle-Programms 2011 keine eigenen bemannten Raumflüge mehr durchführen konnte,  sondern auf die guten Dienste der Russen angewiesen war. Nun sollte der erste Schritt auf dem Weg zur Wiederaufnahme der bemannten Missionen mit eigenen Raumschiffen vom eigenen Territorium getan werden,  sagte er.  Dieser Schritt muss nun irgendwann in nächster Zeit nachgeholt werden. Der Boeing-Konkurrent SpaceX hatte bereits im März sein Raumschiff Crew Dragon  erfolgreich getestet.

Mit der Panne kommen jetzt die Russen wieder groß ins Spiel,  mit denen die Amerikaner und auch die Europäische  Weltraumorganisation ESA die Mitflugverträge in den Sojus-Schiffen offenbar etwas voreilig kündigt hatten. Die  NASA hat deshalb die GK Roskosmos gebeten,  ihr noch zwei Plätze zu verkaufen,  damit die ISS nicht ohne Amerikaner die Erde umkreist. Die Moskauer Raumfahrtagentur hat dies inzwischen „prinzipiell“  beschlossen,  was immer das in der neuen Situation heißen mag.

Das kommerzielle US-Programm für bemannte Raumflüge wurde seit 2010 gemeinsam von der NASA mit der Industrie entwickelt. 2014 wurden Boeing und SpaceX für den Personentransport ausgewählt.

© Gerhard Kowalski

 

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