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Qualitätsfiasko in der russischen Raumfahrt – Proton- und Sojus-Triebwerke werden ins Herstellerwerk zurückgerufen

 

GK RoskosmosMoskau,  25. Januar 2017 —  Der Triebwerksbau der russischen Raumfahrt steckt in einer tiefen Qualitätskrise. Nach den Sojus-Triebwerken der dritten Stufe sind jetzt auch alle Proton-Motoren der zweiten und dritten Stufe ins Herstellerwerk nach Woronesh zurückgerufen worden. Der Staatskonzern GK Roskosmos habe die Wissenschaftliche Produktionsvereinigung (NPO) Energomasch beauftragt,  den Triebwerksbau zu „reformieren“,  teilte Pressesprecher Igor Burenkow der Nachrichtenagentur RIA Nowosti am Mittwoch mit.

Auslöser für diese ungewöhnliche Aktion ist der Absturz eines Progress-Frachters vom 1. Dezember,  für den Produktionsfehler in der dritten Stufe des Sojus-Trägers verantwortlich gemacht werden. Ähnliche Fehler werden jetzt auch bei den Proton-Motoren vermutet. Es geht vor allem um den Einbau von Teilen, die nicht den technischen und Materialnormen entsprechen.

Russische Experten rechnen jetzt damit,  dass das Land dadurch für eine gewisse Zeit ohne mittlere und schwere Trägerraketen auskommen muss. Dadurch werde sich der gesamte Startplan verschieben. Wann diese Raketen wieder aufsteigen können,  werde sich erst in den nächsten Wochen entscheiden. Der Start einer Sojus-ST-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana in der Nacht zum Samstag soll aber planmäßig stattfinden

Inzwischen versucht der Sprecher von Präsident Wladimir Putin,  Dmitri Peskow, die dramatische Situation herunterzuspielen. Die Raumfahrtbranche insgesamt „entwickelt sich“, sagte er. Man dürfe nicht nur über die Misserfolge in diesem Bereich sprechen. Es gebe auch eine Reihe von Projekten, die erfolgreich verwirklicht werden.

Die NPO Energomasch gilt als Betrieb der vorbildlichen Qualität. Sie liefert auch Triebwerke in die USA,  die unter anderem in den Atlas V-Raketen eingesetzt werden.

© Gerhard Kowalski

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