Paradigmenwechsel in der Raumfahrt: Raumfahrt 4.0 mit mehr Wettbewerb und Kommerzialisierung

 

Credit: G. Kowalski

Credit: G. Kowalski

Berlin,  3. Juni 2016 —  Die Raumfahrtgemeinde muss sich an einen neuen Begriff gewöhnen:  Raumfahrt 4.0. Dahinter verbirgt  sich der  Paradigmenwechsel,  der sich derzeit in der Branche vollzieht,  wie ESA-Chef Johann-Dietrich Wörner und andere führende Leute  auf der ILA 2016 immer wieder betont haben. Es geht  dabei um mehr Wettbewerb und Kommerzialisierung,  das heißt um mehr Engagement  von Privatpersonen,  die stärkere Einbeziehung privaten Kapitals und die Unterstützung von Startups. Vorbild sollen dabei die USA sein,  wo die Bereitschaft von jeher größer ist,  eigenes Geld für Raumfahrtprojekte in die Hand zu nehmen,  wie SpaceX von Elon Musk und andere Unternehmen beweisen.

Das müsse jetzt auch in Europa durchgesetzt werden,  forderte Wörner. Der in den USA übliche Begriff New Space sei dabei für Europa aber nicht tauglich,  weil der bei den Amerikanern schon 30 Jahre gelte,  fügte er hinzu. Deshalb spreche er lieber von Space 4.0 oder besser noch von Raumfahrt 4.0.

Bei deren Umsetzung umfasse das Aufgabenportfolio der ESA fünf Säulen:  Raumfahrt-Anwendungen,  Weltraumforschung,  Raumtransport,  Technologien und Betrieb sowie Verwaltung für den „United Space of Europe“,  wie Wörner es formulierte. Dahinter stünden im Detail neben der postulierten Autonomie bei Weltraumraketen oder der Exploration ferner Galaxien unter anderem auch Informations-  und Erdbeobachtungssysteme,  die jüngst zum Monitoring von Flüchtlingsbewegungen oder der Absturzstelle eines Airbus‘ von Egyptair zum Einsatz gekommen seien. Und das sei für den einzelnen Bürger gar nicht so teuer: „Die Weltraumforschung kostet umgerechnet pro Jahr etwa den Gegenwert von 10 Litern Kraftstoff.“ Wichtig sei dabei,  dass die Innovationskette von der Forschung bis zur Verwertung ihrer Ergebnisse im Endprodukt nicht abreiße.

Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) trage den neuen Bedingungen Rechnung,  sagte die Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund. Es entwickele sich immer mehr von einem Wettbewerber zu einem Unterstützer des wachsenden privaten Engagements in der Branche.

© Gerhard Kowalski

 

 

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