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In eigener Sache!

Credit:Sergejew/privat

Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Seit durch Gorbatschows Politik auch viele Raumfahrt-Geheimarchive geöffnet wurden, bemühe ich mich, an diese Materialien zu kommen. Leider wurden viele der dicken Archivbände nur in sehr geringen Alibi-Auflagen veröffentlicht.

Die neuen Erkenntnisse speziell zu Juri Gagarin, die ich und meine vor allem russischen und amerikanischen Kollegen aus Tausenden Dokumentenseiten herausgefiltert und veröffentlicht haben, werden bislang von den offiziellen Stellen Russlands in der Regel ignoriert. Aus welchen Gründen auch immer wiederholen sie lieber die alten Darstellungen, die inzwischen schon lange als oft ideologisch verbrämt oder schlichtweg falsch und lückenhaft entlarvt sind.

Die von mir und vielen meiner Kollegen erhobenen Forderungen, so auch an Präsident Putin, sich den Realitäten zu stellen und das auch in den offiziellen Veröffentlichungen zu berücksichtigen, blieben ungehört. Dazu gehört auch die Idee einer neuen Untersuchung des tragischen Todes Gagarins.

Jetzt aber hat sich zum ersten Mal eine russische Raumfahrtinstitution den Forderungen gestellt. Die Staatliche Korporation (GK) Roskosmos hat den Autor des im vergangenen Jahr von mir herausgegebenen Buches Gagarin –  Er könnte noch leben,  Nikolai Sergejew,  in Moskau zu einem Interview gebeten. In dem knapp dreistündigen TV-Gespräch durfte der inzwischen in den USA lebende Ex-Oberst der russischen Luftwaffe,  der auch in der DDR gedient hat, seine neuesten Rechercheergebnisse aus dem Buch darlegen. Sie gipfeln in der These, dass Gagarin,  der nur über wenig Flugpraxis verfügte,  bei seinem letzten Überprüfungsflug am 27. März 1968 mit seinem Fluglehrer Wladimir Serjogin in eine Wolkenbank geriet und dabei die räumliche Orientierung verlor. Serjogin sei aber nicht in der Lage gewesen, das Steuer zu übernehmen,  weil an seinem hinteren Sitz in der UTI MiG-15 der Steuerknüppel fehlte. Der Flug war nämlich in allerletzter Minute von Kosmonautenchef General Kamanin angeordnet worden. Da keine ordentlich vorbereitete Maschine zur Verfügung stand, wurde ein Flugzeug an den Start gebracht, bei dem der hintere Steuerknüppel ausgebaut war.

Sergejew regte in dem Interview unter anderem an,  die in einem militärischen Geheimobjekt vor den Toren Moskaus in schwarzen Fässern aufbewahrten Trümmer von Gagarins Maschine auf das Vorhandensein eines zweiten Steuerknüppels zu untersuchen. Sollte der nicht gefunden werden, sei der Beweis für seine These erbracht,  sagte Sergejew.

Das Interview für das Roskosmos-Telestudio fand im Raumfahrtmuseum Ostankino statt und soll die Grundlage für einen Film zum 50. Todestag von Gagarin am 27. März 2018 bilden. Darin sollen nur die neuesten Erkenntnisse über diese große Tragödie dargestellt werden,  wie der Studiodirektor versicherte. Bleibt die Erwartung, dass dieses Versprechen dann auch wirklich eingelöst wird.

Gerhard Kowalski

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