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Eine Woche im Orbit – Sigmund Jähn bei den Charlottenburger Gesprächen

Credit:G. Kowalski

Berlin,  14. September 2017 —   Sigmund Jähn war am Mittwochabend Gast der Charlottenburger Gespräche des SPD-Abgeordneten Frank Jahnke. Fast zwei Stunden lang stand der erste Deutsche im All vor vollem Haus in der Goethestraße 15 Rede und Antwort. Zum Schluss zeigte er noch Bilder aus der deutschen Raumfahrtgeschichte und von seiner Mission mit dem russischen Kosmonauten Waleri Bykowski mit dem Sojus-Raumschiff zur Raumstation Salut 6 vom 26. August bis zum 3. September 1978, also vor fast 40 Jahren.

Frank Jahnke, bestens auf die Begegnung vorbereitet, befragte den illustren Gast mit sichtbar ehrlichem Interesse und viel Takt vor allem auch zu dessen Befindlichkeiten in der Wendezeit. Er entlockte dem Ex-General der DDR dabei so manche Äußerung, die selbst für Raumfahrtexperten neu war. So sagte Jähn,  dass er nach seiner Entlassung aus der Volksarmee (NVA) möglicherweise als Zeitungverkäufer gestrandet wäre, hätte man ihm nicht vom deutschen Raumfahrtzentrum in Köln und von der ESA in Paris einen Beratervertrag für die Vorbereitung der nunmehr gesamtdeutschen Astronauten und ihrer europäischen Kollegen auf ihre Missionen in der russischen Raumstation MIR angeboten.

Jähn erzählte auch,  dass er eher per Zufall der erste Deutsche im All wurde. Eigentlich sei von der DDR-Führung ein anderer NVA-Offizier für diese Aufgabe vorgesehen gewesen. Doch der sei an den gesundheitlichen Anforderungen und an dem Umstand gescheitert,  dass er nicht ausreichend Russisch konnte,  weil er an der Dresdner Militärakademie und nicht an einer sowjetischen Akademie studiert hatte.

Natürlich wurde der Gast auch nach seinen Vorstellungen von der Zukunft der Raumfahrt befragt. Jähn sagte,  sein Flug sei für ihn ein beeindruckendes Erlebnis und ein großes Glück gewesen. Er habe ihn aber auch kritischer hinsichtlich des Umgangs mit unserem Planeten Erde werden lassen. Manche glaubten heute, man könne sorglos mit ihm umgehen und dann notfalls auf einen anderen Planeten umsiedeln. „Wir Menschen sind für die Erde geboren –  und das soll so bleiben. Lasst uns die Erde in Ordnung halten“, sagte der Kosmonaut, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hat.

Bei den Charlottenburger Gesprächen kommen regelmäßig namhafte Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu Wort. Einer der Schwerpunkte sind die  Astronomie und Raumfahrt.

© Gerhard Kowalski

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