Ernster Zwischenfall auf der ISS – Nauka-Triebwerke haben außerplanmäßig gezündet – Lage offenbar wieder unter Kontrolle – Starliner-Start von Boeing verschoben

Credit: GK Roskosmos

Moskau/Houston,  30. Juli 2021 —   Auf der Internationalen Raumstation ISS ist es am Donnerstagnachmittag zu einem ernsten Zwischenfall gekommen. Nachdem die russischen Kosmonauten Oleg Nowizki und Pjotr Dubrow die Luken zu dem frisch angekoppelten Mehrzwecklabormodul Nauka (Wissenschaft) geöffnet hatten,  zündeten dessen Triebwerke um 18:45 Uhr deutscher Zeit außerplanmäßig,  wie die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und russische Medien meldeten. Dadurch sei die Station aus der Bahn geraten. Durch die Zündung der Triebwerke des russischen Frachters Progress MS-17 sei deren Lage aber wieder stabilisiert worden.

Die GK Roskosmos leite die Untersuchungen zum Zwischenfall und werde von amerikanischen Spezialisten dabei unterstützt,  teilte die NASA mit. Bisher habe man keine Schäden an der Station festgestellt. Allerdings sei der für Freitag geplante Start des unbemannten Starliners von Boeing zur ISS auf einen Termin nicht vor dem 3. August verschoben worden.

Die Nachrichtenagentur TASS berichtete unter Berufung auf die GK Roskosmos,  das Modul Nauka werde vom Flugregime auf das Regime „an die ISS angekoppelt“  umgestellt. Man arbeite „mit dem Resttreibstoff des Moduls“. Für die ISS-Besatzung bestehe keine Gefahr. GK Roskosmos-Chef Dmitri  Rogosin twitterte:  „Auf der ISS herrscht Ordnung. Die Besatzung ruht sich aus. Das rate ich Ihnen auch.“

© Gerhard Kowalski

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14 Antworten zu Ernster Zwischenfall auf der ISS – Nauka-Triebwerke haben außerplanmäßig gezündet – Lage offenbar wieder unter Kontrolle – Starliner-Start von Boeing verschoben

  1. Jewgeni-7 sagt:

    Ernsthafter Zwischenfall nach der Kopplung

    Das Modul schaltete spontan die Triebwerke ein und brachte die ISS in Unordnung. Die Internationale Raumstation ISS begann durch den spontanen Betrieb der Triebwerke des multifunktionalen Labormoduls Nauka ihre Ausrichtung zu ändern. Um dem entgegenzuwirken, wurden die Motoren des Swesda-Moduls und dann Progress eingeschaltet. Jetzt sind die Nauka-Motoren aus, die Ausrichtung der Station wurde wiederhergestellt. Der Grund für den Vorfall ist noch unklar. Dies wurde aus den Gesprächen zwischen der ISS-Crew und dem Bodenflugkontrollzentrum bekannt und Roskosmos erklärte die Informationen über das ungeplante Einschalten der Triebwerke des Moduls mit Arbeiten mit Kraftstoffresten. Da fehlen mir die Worte über so eine unsachliche Antwort.

    Fakt: Nach dem Andocken begannen die Kosmonauten Oleg Nowicki und Pjotr ​​Dubrow mit den Vorbereitungen zum Öffnen der Luken zwischen den Modulen Swesda und Nauka. Nach den Informationen, die aus der NASA-Sendung stammen, begannen sie, die Innenluke der Swesda zu öffnen, aber in diesem Moment, gegen 19.45 Uhr Moskauer Zeit, gingen die Triebwerke der Nauka spontan an. Das hat auch die NASA offiziel bestätigt. Die ISS begann sich unregelmäßig zu drehen. Dies führte dazu, dass die ISS ihre nominelle Ausrichtung verließ und schließlich um 45 Grad abwich. Sofort entdeckten russische Missionsleiter das Problem, und Swesda begann, seine eigenen Triebwerke zu zünden, um das Problem zu beheben. Die Triebwerke von Nauka funktionierten jedoch weiterhin fehlerhaft, und die beiden Module kämpften tatsächlich miteinander (einige Spezialisten beschrieben das als Tauziehen der beiden Module) während Nauka die ISS außer Gefecht setzten wollte und Swesda versuchte die Bewegung zu korrigieren, gelang aber nicht vollständig zu reparieren. Gleichzeitig befahl die NASA der Station, in den Free-Drift-Modus zu wechseln, um die Belastung der modularen Verankerungspunkte am Außenposten zu reduzieren. Dann schaltete MCC-Moskau die Swesda-Motoren ab und benutzte die Progress MS-17-Motoren, um die Position der Station zu korrigieren. Am Ende konnten die russischen Disponenten die Motoren der Nauka zwingen, ihre Arbeit einzustellen; eine dauerhaftere Triebwerksabschaltung wird erreicht, wenn die ISS die russischen Bodenstationen überfliegt. So ein dramatischer Vorfall ist eine weitere negative Weltpremiere der russischen Raumfahrt, die auch anders ausgehen konnte.

    Nach Angaben des Pressedienstes von Roskosmos arbeiten jetzt Spezialisten daran, Nauka vom Flugmodus in den an die ISS angedockten Modus zu überführen. Es wird erwartet, dass in naher Zukunft alle Arbeiten abgeschlossen und die Ausrichtung der Station wiederhergestellt werden. Der ISS-Besatzung wird empfohlen, mögliche Schäden an der Steuerbordseite der ISS zu untersuchen (um sicherzustellen, dass das Orbitalobjekt laut NASA nicht beschädigt wurde).

    Möchte auch betonnen, das für Andocken an die ISS wurde eine spezielle Position eingestellt – im Wesentlichen eine Neigung von 90 Grad – um die Nauka-Andockachse entlang des Geschwindigkeitsvektors zu positionieren. Dies war nicht Teil der ursprünglichen Pläne.

    Die NASA hat beschlossen, den zweiten unbemannten Testflug von Boeings neuem Starliner-Raumschiff, der für den 30. Juli geplant war, zur ISS zu verschieben – dies sollte der erste Flug des Raumschiffs seit dem Ausfall im Jahr 2019 sein. Die Verzögerung steht im Zusammenhang mit dem spontanen Einschalten der Triebwerke des gerade an die ISS angedockten Nauka-Moduls, so die Boeing-Website.

  2. Gerhard Kowalski sagt:

    Ich habe nie den Eindruck, dass Ihnen die Worte fehlen, wie Sie schreiben.

    GK

  3. Jewgeni-7 sagt:

    Eine außerplanmäßige Zündung von Triebwerken darf es nicht geben, aber die Russen haben ständig irgendwelche Probleme.

    Was die meisten nicht wissen, schon in den 80er Jahren stand die Welt kurz vor einer nuklearen Katastrophe, als auf einen sowjetischen Stützpunk mit strategischen Raketen das Startprozedere der Nuklearwaffen von alleine eingeleitet wurde. Die Verantwortlichen waren im Schock, da der Startabbruch nicht möglich war, erst nach einer Weile von alleine gingen die Lampen aus. Ich kenne die genaue Ursache, werde aber hier nicht erläutern.

    Nur so, danach haben sich die Sowjetunion und USA auf entsprechende Mechanismen geeinigt, damit durch unterschiedliche Fehler kein Atomkrieg zustande kommt.

    In Letzter Zeit hat sich Roskosmos aber mit seiner Startstatistik deutlich verbessert. Am 1 Juli 2021 erfolgte der Start der Trägerrakete Sojus-2 mit ​​britischen Kommunikationssatelliten OneWeb vom Kosmodrom Wostochny, das war der der 62. unfallfreie russische Weltraumstart in Folge. Der problematische Start, der die erfolgreichen Kette unterbrach, fand 2018 statt – der Flug der Sojus MS-10 zur ISS fand aufgrund eines Problems mit der Trennung der Sojus-FG-Raketenstufen nicht statt.

    Der bisherige russische Rekord von 58 aufeinanderfolgenden Weltraumstarts wurde zwischen Februar 1992 und Februar 1993 aufgestellt, also vor fast 30 Jahren. Das hat es in der modernen Geschichte Russlands noch nie gegeben. Der absolute Rekord an fehlerfreien Starts wurde zu sowjetischen Zeiten aufgestellt, von Januar 1983 bis November 1984 gab es 185 unfallfreie Weltraumstarts hintereinander.

    Die Trägerraketen der schweren Klasse Proton (UR-500, K und M) wurde 424-mal vom Kosmodrom Baikonur gestartet, davon waren 380 Starts erfolgreich.

    Bei Proton-M haben wir folgende Zahlen:

    1. Bei Proton-M gab es 111 Starts, von 7 April 2001 bis 21 Juli 2021
    2. davon 10 Fehlstarts
    3. ergibt eine Zuverlässigkeit von rund 90,9%

    Bei dieser kurz Analyse sehen wir den enormen und kostspieligen und wenig effektiven Weg (für die heutigen Zeiten) bei den alten russischen Trägerraketen, insbesondere das sehr schlechte Verhältnis von Startmasse zu Nutzlast. Selbst die sowjetischen Startrampen (für R7, Sojus, Angara) sind gut für die Betonlobby, damit haben die viel Geld verdient, leider zum Nachteil der Raumfahrt. Die ganze Bauweise ruft im Westen nur Verwunderung über die uneffiziente Bauweise.

    Bei den neuen Trägerraketen (z.B. Amur) kann ich folgendes sagen: Laut Vertretern von Roskosmos wird eine völlig neue Ideologie für ein Startkomplex aufgestellt. „Wir wollen den leichtesten Startkomplex ohne eine unterirdische Stadt mit Lagereinrichtungen für den Fall militärischer Bedrohungen schaffen. Das Design wird vereinfacht, auch unter dem Gesichtspunkt der Anforderungen an die Startrampe für potenzielle kommerzielle Lasten. Es ist auch eine große Kostenersparnis,“ so Igor Pschenichnikow (ein Vertreter einer neuer Garde von jungen Ingenieuren) Chefexperte der Abteilung für fortgeschrittene Programme und verantwortlich für die Umsetzung des Amur-Projekts.

    Ein weiterer wichtiger Punkt: Vollautomatische Startvorbereitung. Dieses Konzept geht davon aus, dass Personen keine Operationen mit der zu Beginn installierten Rakete ausführen sollten. Jetzt, zum Beispiel bei Sojus-2, ist die Mannschaft bis zum letzten Moment am Start, die Spezialisten laufen um die Farmen herum wie Ameisen und führen eine große Anzahl von Eingriffen durch. Das erhöht die Sicherheit der Vorbereitung und der menschlichen Faktor wird weitgehend eliminiert, trägt dazu auch die Arbeitskosten zu sparen.

  4. Gerhard Kowalski sagt:

    Womit meine letzte Antwort bestätigt wäre.
    Ihre Texte dürften viele Besucher meiner Homepage interessieren.

    GK

  5. Juergen Nabel sagt:

    Hallo Herr Kowalski, da muss ich Ihnen Recht geben und dass diese Berichte von Jewgeni-7 m.E. viel Hintergrund beinhalten. Weiß man, woher er diese Informationen bekommt? Es scheint, er sitzt am „Puls“ der russischen Raumfahrt

  6. Gerhard Kowalski sagt:

    Ich habe keine Ahnung, um wen es sich dabei handelt.
    Die Informationen sind eine Mischung aus offiziellen Verlautbarungen und reinem Insider-Wissen.

    GK

  7. Jewgeni-7 sagt:

    Die Geschichte der Reise des russischen Moduls Nauka zur Internationalen Raumstation ISS endete dramatisch und mit vielen technischen Problemen schon nach dem Start. Bin mir sicher, die meisten haben es vergessen, so ein Vorfall mit den Triebwerken hat die ISS schon mal erlebt, deshalb ein ergänzender Beitrag mit weiteren Details.

    Das Multifunktionslabormodul Nauka (MLM) dockte um 16:29 Uhr Moskauer Zeit an der Nadir-Dockingstation im Transferfach (PxO) des Servicemoduls Swesda an. Das Andocken verlief gut, wenn auch nicht ohne Drama: Als noch etwa 10 Meter zur Station verblieben, erreichte das Modul eine Schlagseite von 7 Grad – mehr als der berechnete Wert, und der Flugdirektor Wladimir Solowjew forderte den Kosmonauten Oleg Novicki auf, in den manuellen Andockmodus zu wechseln. In diesem Moment begann jedoch die Automatik, die Rolle von selbst zu korrigieren, und Solowjew stoppte Novicki. Als Ergebnis wurde die gesamte Prozedur durchgeführt, ohne in den Teleoperator-Steuerungsmodus (TORU) zu wechseln.

    Damit endete die Reise von Nauka, die am 21. Juli von Baikonur aus startete. Geplant war, am Abend die Luken des Moduls zu öffnen – bis dahin hatten die Kosmonauten noch viel zu tun. Als sie schließlich zu den Luken gingen (nach einigen Quellen öffneten sie die innere Luke des Übergangsraums, nach anderen waren sie damit beschäftigt, das Nauka-Computersystem mit dem Stationssystem zu verbinden), schaltete Nauka die Motoren ein.

    Die Ereignisse entwickelten sich, wie NASA-Sprecher Joel Montalbano vier Stunden später auf einer Pressekonferenz sagte, wie folgt: Um 19.34 Uhr Moskauer Zeit registrierten die ISS-Systeme eine Abweichung der Station von ihrer normalen Position. Anscheinend startete Nauka in diesem Moment die Motoren, aber weder die Besatzung noch die Betreiber hatten dies bemerkt.

    Die Ausrichtung der Station wird durch Gyrodines unterstützt – Gyroskope, die auf dem amerikanischen Segment installiert sind. Aber sie konnten die Kraft, die die ISS von einer bestimmten Position ablenkte, nicht überwinden. Um 19:42 Uhr überschritt die Abweichung den zulässigen Schwellenwert und die Automatik gab Alarm. Die Kreisel wurden abgekoppelt, das russische Segment übernahm die Kontrolle über die Station und das Swesda-Modul startete die Triebwerke, um der Nauka entgegenzuwirken. In den nächsten 45 Minuten versuchte das russische MCC, die Nauka-Triebwerke abzuschalten. In einigen Momenten erreichte die Winkelgeschwindigkeit der Stationsbewegung 0,5 Grad pro Sekunde und um 20:29 Uhr verstummten die Triebwerke der Nauka schließlich, und die russische ZUP brachte mit Hilfe des Frachtschiffs Progress MS-17, das an der PxO auf der gegenüberliegenden Seite der Nauka andockte, die Station in ihre ursprüngliche Ausrichtung.

    Nach Angaben von Montalbano wurden keine sichtbaren Schäden an der Struktur der Station festgestellt, und die Besatzung war nicht in Gefahr. Außerdem erfuhr die ISS vom „Duell“ zwischen Swesda und Nauka vom MCC in Houston – die Bewohner der Station selbst bemerkten nichts Verdächtiges. Roskosmos sagte am Freitagmorgen, dass Spezialisten der Hauptbetriebskontrollgruppe (LOCT) „eine Reihe von Verfahren mit dem Antriebssystem des Nauka-Moduls abschließen, um die Sicherheit sowohl der Internationalen Raumstation als auch der gesamten Besatzung bedingungslos zu gewährleisten.“

    Die Gründe für das spontane Einschalten der Nauka-Motoren wurden noch nicht offiziell genannt, aber es sieht so aus, das ein Fehler in der Nauka-Software war. Wie im Dokument angegeben, schalteten sich nicht die Haupttriebwerke (DKS-, Korrektur- und Rendezvous-Triebwerke) des Moduls mit einem Schub von jeweils 4,09 Kilonewton spontan ein, sondern deutlich leistungsschwächere Festmacher- und Stabilisierungstriebwerke (DPS), deren Schub jeweils beträgt 392 Newton. Wie viele von 24 verfügbaren DPS-Engines wurden genau eingeschaltet – dazu habe ich keine Angaben. Das die DPS Triebwerke arbeiteten, war mir sowieso aus technischen Gründen klar, wären aber die DKS-Triebwerke in der Arbeit, so hätte das gravierende Konsequenzen auf die gesamte Stabilität der ISS gehabt.

    Nach russischen Angaben war die Rotationsgeschwindigkeit der Station sogar höher als nach Angaben der NASA – 0,6 Grad pro Sekunde. Die NASA glaubt, dass die Abweichung der ISS von ihrer normalen Ausrichtung 45 Grad betrug, die ZUP-Materialien sagen von einer Drehung um 160 Grad (ohne Angabe in welcher Ebene). Nauka schaltete die Triebwerke von selbst ab und nicht auf Befehl der Erde – dem Modul ging einfach der gesamte Kraftstoff in den Hochdrucktanks aus. Wie viel Treibstoff zum Zeitpunkt des Andockens in den Tanks der Nauka verblieb, ist nicht bekannt, aber es kann eine Vermutung angestellt werden. Auf dem Bildschirm der Modulsteuerung links befindet sich in der fünften Zeile von oben nach dem Buchstaben P eine Zahl, deren Wert sich nur beim Einschalten der Motoren ändert. Außerdem ändert sie sich immer nur nach unten. Der Zeitpunkt des Einschaltens ist sehr einfach zu bestimmen – in der Mitte des Bildschirms leuchtet in diesem Moment die Aufschrift DPO ON (ДПО ВКЛ), das ist die Zahl die den verbleibenden Treibstoff anzeigt. So konnte die Nauka rund 500 Kilogramm Treibstoff verbrennen – zum Zeitpunkt des Andockens stand dieser Wert auf dem Bildschirm.

    Anmerkung: Ab 300km von der Station entfernt, wenn die Kurs Antennen der Station und des Schiffes das Signal des anderen aufnehmen und Daten über die Position im Weltraum austauschen, in diesem Moment zeigt der Bildschirm die Aufschrift (захват), schaltet sich das Nauka-Bild auf das Format 44, ganz oben links auf den Videos zu sehen (Ф 44 сближение). Das Format 42 (динамика) wird nach dem Start verwendet, wenn das Schiff (oder das Modul) manövriert oder die Orientierung im Raum ändert.

    Der erster Zwischenfall

    Der Vorfall am 29 Juli ist nicht der erste seiner Art in der Geschichte der ISS. Am Abend des 9. Juni 2015 gingen bei einer routinemäßigen Überprüfung der Kommunikationssysteme zwischen der Station und der daran angedockten Sojus-TMA-15M plötzlich die Triebwerke des Raumschiffes an, wodurch sich die Ausrichtung der ISS im Weltraum änderte. Die Motoren wurden dann schnell abgestellt und die Orientierung der Station wiederhergestellt. Die Gründe für den Vorfall wurden nicht offiziell gemeldet, aber ITAR-TASS berichtete unter Berufung auf Quellen, dass die Orientierungsmotoren der Sojus während des Tests des Kurs-Automatiksystems eingeschaltet waren und der Grund für den Vorfall ein Fehler im Programm war.

  8. Gerhard Kowalski sagt:

    Danke für die neuen Details.

    GK

  9. Juergen Nabel sagt:

    hoch interessant, so erfährt man das in der „normalen“ Presse nirgends. Ein Dank an Jewgeni-7.
    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
    Jürgen Nabel

  10. Jewgeni-7 sagt:

    @ Juergen Nabel, Kowalski

    Danke!

    …versuche immer bescheiden zu sein, bin aber ein Verfechter objektiver Realität als auch über deren Grenzen hinaus. Ziolkowski als auch Koroljow waren starke Vertreter des russischen Kosmismus. Auch Gagarin (nicht nur er) hatte während seines Fluges bewusstseinsveränderungen, wird in keinen Buch erwähnt, es gibt aber nur eine Quelle…

    Zu Nauka hätte ich noch einen abschließenden Beitrag, als auch einen etwas komplizierten technischen Beitrag über die verschieden Modi bei der Annährung und Kopplung.

  11. Gerhard Kowalski sagt:

    Nur voran!
    Nicht nur ich bin gespannt, was Sie uns zu sagen haben.

    GK

  12. Jewgeni-7 sagt:

    Die ganze Wahrheit

    Im nachhinein, bei Betrachtung der Live-Übertragung (in Zeitraffer) der ISS während des Vorfalls mit dem Modul, zeigt sich, dass die ISS einen FLIP (Salto, Purzelbaum) ausführte. Fast die gesamte Rotation fand mit arbeitenden Triebwerken statt. Fast 1,5 Umdrehungen wurden in einem positiven Schritt durchgeführt, dann 0,5 Umdrehungen für einen Rücklauf.

    Der Orientierungsverlust der Station war gravierend genug als ursprünglich berichtet. Die Meldungen über eine 45-Grad-Wende der Station waren vorläufig, das waren die ersten Meldungen. ISS US Segment Flight Leader Zebulon Scoville twitterte, verglich die Situation mit Kopfstand- und Radakrobatik und sagte, dass die Olympia-Richter stolz sein könnten …

    Fakt: Die Orientierungstriebwerke der Nauka konnten nicht abgestellt werden, sie arbeiteten 45 Minuten (gut, dass auf dem Weg zur ISS ein Teil des Treibstoffs aufgebraucht war, da die Haupttriebwerke nicht sofort starteten). Es war wie ein Tauziehen der ungleichen Kräfte. Das Problem ist nicht die Drehung selbst, sondern die Geschwindigkeit, mit der Sie sich drehte. In einigen Momenten erreichte die Winkelgeschwindigkeit der Stationsbewegung 0,5 Grad pro Sekunde. Der Flugleiter des russischen Segments der Internationalen Raumstation, erklärte: „Aufgrund eines kurzfristigen Softwarefehlers wurde fälschlicherweise ein direkter Befehl implementiert, um die Triebwerke des Moduls zum Zurückziehen einzuschalten, was einige Änderungen mit sich brachte der Ausrichtung des Gesamtkomplexes.“

    Ja, und der Pressedienst von Roskosmos gibt eine Meisterklasse ab: “ Wir arbeiten mit dem Restbrennstoff im Modul „

  13. Gerhard Kowalski sagt:

    Auch ich kann lesen, muss mich aber an die offiziellen Quellen halten.

    GK

  14. Jewgeni-7 sagt:

    Was heißt sie dürfen nur an offizielle Quellen sich halten ?

    Wollen sie die Leser für Dum verkaufen oder unterliegen sie der neuen FSB Verordnung vom 19 Juli 2021? Danach wird jede kritische Diskussion über die russische Raumfahrt von FSB kontrolliert, mitunter mit Androhung von strafrechtlichen Konsequenzen. Laut der Zeitung „Troitski Wariant“ wird es nach der Logik dieses Befehls auch aus wissenschaftlicher Sicht nicht möglich sein, über die russische Kosmonautik zu sprechen, sogar Diskussionen über die Einsatzbereitschaft von Raumfahrzeugen sind verboten, zum Beispiel warum Russland seinen Mars-Rover immer noch nicht starten kann, Analysen von Problemen beim Start einer neuen Raumstation und dergleichen.

    Russische Wissenschaftler sagen, dass die Liste den Bemühungen um die Popularisierung der Raumfahrt als fortschrittliche Wissenschaft ein Ende setzt und auch Probleme bei der internationalen Zusammenarbeit im Weltraum schafft. In der Praxis der weltweit führenden Raumfahrtagenturen wird eine solche Situation als abnormal angesehen, – bemerkt Sergei Popow, Astrophysiker, Professor der Russischen Akademie der Wissenschaften, führender Forscher an der Moskauer Staatlichen Universität. Die Annahme einer solchen Liste wird zu Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Roskosmos und anderen russischen Organisationen führen, die an der friedlichen Erforschung des Weltraums beteiligt sind, und wird das Image dieser Organisationen sowohl in Russland als auch in der Welt schädigen. Andere Wissenschaftler und Pädagogen als auch Kosmonauten glauben, dass die neue Verordnung des FSB zum Gesetz über „natürliche Personen-ausländische Agenten“ die Diskussionen über den Weltraum in der Russischen Föderation begraben könnte.

    Wenn Roskosmos sagt, das die Nauka mit den restlichen Treibstoffmengen arbeitet, so ist das nur die halbe Wahrheit und zugleich eine Verdummung aller Raumfahrtliebhaber. Der Kosmonaut Sergei Krikalew hat im Fernsehen erklärt: „Als es zum ursprünglichen Steuerungssystem gebracht wurde, verstand das Steuerungssystem nicht, was passierte. Der Sicherheitsalgorithmus hat die Triebwerke zum Abgang ausgelöst . Auf die Frage „wie ernst ist die Drehung der Station um 540 Grad“, antwortete Sergei Krikalew: Die Frage liegt hier nicht in den Grad der Drehung, sondern in der Tatsache, dass jedes Einschalten der Motoren ein dynamischer Vorgang ist, auf die Station wirkt eine Belastung, mit beschleunigen und dann mit bremsen, es ist eine Dynamik. Die Station ist ein ziemlich heikles Gerät …“

    Auf die ehrliche Antwort des Kosmonauten, schreibt ein russischer Blogger: „Dies ist eine ehrliche Antwort eines echten Mannes und nicht von Söhnen, professionellen Lügnern, Arschlöchern, einem ehemaligen Helden Russlands von RKK Energia…“
    Ja, das ist die russische Realität mit deutlichen Worten gegen Roskosmos und Rogozin, der in seinen jungen Jahren als Krimineller sein Geld verdiente, wird heute als Totengräber der russischen Raumfahrt bezeichnet. Möchte auch anmerken, das die meisten russischen Blogger sehr positiv zu E. Musk und seinen Raumfahrtprogramm stehen. Vor einigen Tagen war ich auf einer russischen Seite und habe eine freundliche Mitteilung der Redakteurs gelesen, hier werden mir die deutschen Lesern kaum glauben, er richtete eine Bitte an die Leser, das sie möchten auf ihre Kritik und Wortwahl zu russischer Raumfahrt achten, da alle Postings werden von FSB gelesen.

    Ein weiteres Problem sind die russischen Raumanzüge für den offenen Weltraum, ihre Lebenserwartung an Bord der ISS geht zu Ende und auf der Erde sind keine in Sicht. Dmitri Rogozin reagierte auf diese Beschwerden in einem charakteristischen Stil – er wird sein eigenes Geschäft mit Raumanzügen gründen. Die amerikanischen Raumanzüge sind deutlich besser als die russischen, die sind sehr empfindlich und ermöglichen hochpräzise Operationen im Weltraum. Laut Padalka, eine Frau in einem russischen Raumanzug muss „die anthropometrischen und physischen Eigenschaften eines Mannes haben“ und die Ressourcen des amerikanischen Raumanzugs sind bei sehr ähnlichen Kosten doppelt so hoch.

    Das gleiche gilt auch für Trägerraketen und deren starker Rückstand zu den westlichen Trägern. Möchte auf Details verzichten, wäre zu umfangreich, aber Russland ist nicht in der Lage Trägerraketen wie die F-9 oder Ariane-6 zu entwickeln. Sergei Sopow, Vorsitzender des Verwaltungsrates von Reusable Transport Space Systems (MTKS), sagte dazu: „Wir sind sowohl Musk als auch der modernen europäischen Familie der Arian 6-Raketen unterlegen, und es gibt keine wirklichen Schritte, um eine vollwertige zweistufige Rakete in Russland herzustellen. Und wer auch immer etwas sagt, ein solches technologisches Niveau steht uns einfach nicht zur Verfügung.“ Fakt: Die Angara Trägerrakete entstand auf Zeichenbrettern wie im Mittelalter.

    Habe auch mehrfach Mir und ISS Station verglichen. In den 20 Jahren waren die Lebensbedingungen der Kosmonauten auf der ISS viel schlechter als auf der Mir, wo für jedes Besatzungsmitglied ein Vielfaches mehr Wohnraum zur Verfügung stand. Auf dem russischen Segment der ISS ist die Besatzung aufgrund der unvollständigen Montage (mit Nauka wird deutlich besser) gezwungen, in nur einem Servicemodul Swesda zu leben und zu arbeiten. Auf der Mir hatten die Kosmonauten sechs davon. Schlafplätze, Essen, Toilette, Fitnessraum (Laufband und Fahrradergometer), die meisten wissenschaftlichen Experimente waren in einem Modul zusammengefasst. Es beherbergt auch einen Komplex von Lebenserhaltungssystemen für die Besatzung und die Steuerung anderer Systeme des russischen Segments. Die Partner haben deutlich mehr Wohnraum. Russland hat sogar bei den Amerikaner einen Liegeplatz gemietet, als die russische Besatzung mit drei Personen flog. Ja, was hätte Koroljow dazu gesagt?

    Die russische Realität ist aber mehr als die Raumfahrt. Ich kenne viele Fälle, wo die Bürger Russlands an die deutsche Kanzlerin, A. Merkel, wenden, um unterschiedliche Hilfe zu bekommen. Vor einigen Wochen haben sich Bewohner zweier Regionen gleichzeitig um Hilfe gewandt … an Angela Merkel und Leonardo DiCaprio. Darüber hinaus wurden die deutsche Bundeskanzlerin und der amerikanische Schauspieler aufgefordert, Probleme nicht nur auf Bundes-, sondern sogar auf regionaler Ebene zu lösen. In den letzten Jahren sind solche Videobotschaften nicht mehr ungewöhnlich: Russen verlassen sich weniger auf Beamte und mehr und mehr auf Hollywoodstars und westliche Führer. Hier nur drei Beispiele:

    1. Bewohner des russischen Dorfes Werchni Karbush haben eine Videobotschaft an Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der Bitte aufgezeichnet, eine Straße für sie zu bauen, da die Behörden auf die Bewohner nicht hören.

    2. Bewohner des Dorfes Kosoturikha in Perm bitten die deutschen Behörden, die örtliche Straße zu nehmen und zu reparieren. Die lokalen Behörden weigern sich, mit den Anwohnern zu kommunizieren und nennen das Grundstück besitzerlos. Dorfbewohner sagen, dass sie Angst haben, im Winter ohne medizinische Versorgung zu bleiben, insbesondere inmitten der Pandemie. Krankenwagen werden hier nicht hinkommen, der Schulbus kommt kaum.

    3. Am 14 Juli 2021 haben die Bewohner des Dorfes Omsk einen Appell an Bundeskanzlerin Merkel bezüglich der Straßenreparatur geschrieben. Die Vertreterin der BRD-Behörden, Nadine Wachter, antwortete den Einwohnern Russlands und stellte fest, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgrund des Zustroms solcher Nachrichten leider nicht eigenständig auf diese Anfrage antworten könne. Laut Wachter können sich die deutschen Behörden nicht in die inneren Angelegenheiten Russlands einmischen und ihre Straße reparieren.

    Ein weiterer Aspekt das mit der Raumfahrt zu tun hat, ist die demografische Krise Russlands, das unaufhaltsame sterben einer Großmacht. Schon vor 11 Jahren, am 11 Mai 2010, schrieb die Süddeutsche Zeitung in ihren Beitrag „Die Russen sterben aus“, das:

    „Russlands Bevölkerungszahl nimmt in einem Tempo ab, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Kreml und Kirche beschwören die Liebe, doch der Nachwuchs bleibt aus – während die ältere Generation rapide stirbt… Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in Russland im Jahr 2050 nur noch 108 Millionen Menschen leben werden. 2080, so warnte Sergej Mironow, der Vorsitzende des Föderationsrates, werde es in Russland nur noch 52 Millionen Bürger geben. „Ein so großes Territorium“, fügte er hinzu, „kann man mit so einer Bevölkerung nicht halten. Das bedeutet das Auseinanderfallen des Staates“.

    Die aktuellen demografischen Indikatoren die von Rosstat im Oktober 2019 veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass die Russische Föderation immer mehr in den Abgrund rutscht. Tatsächlich stirbt die russische Bevölkerung in Rekordtempo ab. Das derzeitige Verhältnis von Sterblichkeit und Geburtenrate in Russland weist darauf hin, dass die Bevölkerungsrückgangsrate in den letzten 11 Jahren am schnellsten gestiegen ist. Im Mai 2021 ein weitere Schock: Die Sterblichkeitsrate in Russland wächst auf Rekordhöhe. Es wird von Rosstat berichtet, dass der natürliche Bevölkerungsrückgang bereits das Niveau von 1947, als es eine Hungersnot gab, überschritten hat.

    Kein wunder das viele Russen das Land verlassen wollen. „Mehr als die Hälfte der Russen im Alter von 18 bis 24 Jahren will unser Land verlassen, das ist ein Rekord seit 10 Jahren“ , so die Umfrage vom Levada Center. Die Hauptgründe sind die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen oder politischen Situation im Land. Selbst der radikale russischer Politiker Schirinowski, Abgeordnete und LDPR-Vorsitzender, merkte an:

    „Ein Teil der Jugend sieht, dass die Säulen der Kommunisten wieder durch das Land marschieren, sehen wieder Porträts von Lenin, Stalin, hören die Vorschläge für einen neuen Sozialismus“. So erinnert sich die Jugend laut Schirinowski an den Gulag und beginnt darüber nachzudenken, dass sie wieder „alle verhaftet werden“.

    In diesem Zusammenhang ist interessant zu wissen, dass die Nachfahren der sowjetischen Führer von Lenin, Stalin, Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Gorbatschow als auch von Suslow und Trotzki in westlichen Ländern wie USA, Schweiz, England, Österreich und Deutschland leben. So hat die Stalins Tochter bei einer US-Botschaft (in Indien) um Asyl nachgesucht, und „dank der CIA – sie haben mich rausgeholt“ – das sind die Worte von Alliluyeva. In einen Buch beschuldigte sie ihren Vater, den größten Mörder der sowjetischen Geschichte, auch für die Ermordung von tausenden polnischer Offizieren in Katyn. Sie starb 2011 an Dickdarmkrebs und Stalins Enkelin Chris Evans besitzt ein Bekleidungsgeschäft, spricht kein Russisch.

    Russische Realität ist auch Donbas, das mit militärischer Gewalt und Veränderung der europäischen Grenzen besetzt wurde, wo noch heute fast jeden Tag Menschen abgeschlachtet werden. Das Leben dort, im 8 Jahr der besetzten Gebieten, ist am Rande einer wirtschaftlichen und industriellen Katastrophe.

    „Unter der Ukraine habe ich 500 Dollar im Monat bekommen und unter der Russischen Föderation 600 Dollar im halben Jahr. Früher konnte ich mich als Ernährer der Familie bezeichnen, aber jetzt kann ich nicht so sagen.“ So die Aussage eines Bewohner von Donezk und DMZ-Mitarbeiter gegenüber der kremltreuen Zeitung Moskowski Komsomolez. Ein anderer DMZ-Mitarbeiter sagte: „Uns wurde in den letzten Jahren nicht das gesamte Gehalt ausgezahlt, sondern nur ein Teil davon.“ Der Dontel-Telegrammkanal veröffentlichte Informationen von einem der Arbeiter, nach denen die Verspätung der Gehälter von Metallurgen in verschiedenen Unternehmen zwischen 5 Monaten und fast einem Jahr liegt, also bis ein ganzes Jahr ohne Lohn zu arbeiten! Das ist die Realität der russischen Aggressoren!

    Im Mai 2021 haben sich die Bewohner des besetzten Altschewsk an die UNO um Hilfe gewandt: „Die Lage ist sehr beklagenswert.“
    Die Nichtauszahlungen von Löhnen ist dort auf der Tagesordnung. Arbeiter des Altschewsker Eisen- und Stahlwerks (AMK) stehen bereits auf der Kippe: „Wir wissen, wem wir die Schnauze schlagen müssen, aber sie sind nicht mehr in der Stadt.“ Die Arbeiter des metallurgischen Unternehmens, dem größten der Stadt, haben seit fast fünf Monaten keinen Lohn mehr erhalten. Das letzte Mal erhielten AMK-Mitarbeiter ihre Gehälter im Dezember 2020. Am 1. Juni gingen diejenigen, die es satt haben, auf Versprechen der Regierung zu warten, zu einer Kundgebung, nachdem sie eine Videobotschaft aufgenommen hatten.

    Auch die Bergarbeiter drohen in sozialen Netzwerken wegen Lohnrückständen mit dem Aufstand gegen die russischen Invasoren. So schreibt ein Bergarbeiter am 3 August 2021, das für Mai, Juni und Juli noch keine Löhne bekommen hat. Bergleute und ihre Familienmitglieder schreiben in sozialen Netzwerken, dass zum Beispiel in der einst prosperierenden Donezk-Mine namens V. Zasyadko im Juli erhielten die Arbeiter 5 % des Märzlohns. Wann der Rest bezahlt wird, ist völlig unbekannt. Ein anderer Bergarbeiter schreibt: „Es gibt kein Geld für einen Laib Brot. Das Kind ist auch krank, es gibt kein Geld für Medikamente … “

    Bei der ganzen Betrachtung der russischen Raumfahrt, dürfen wir nicht die Mentalität und Korruption des Landes vergessen, die einen erheblichen Bremsklotz für die weitere Entwicklung darstellen. Am 28. Januar veröffentlichte Transparency International seinen jährlichen Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) für das vergangene Jahr. Das Rating wird seit 1995 auf Basis von weltweit durchgeführten Experten- und Unternehmerbefragungen erstellt. Die Länder werden auf einer Skala von 0 bis 100 eingestuft, wobei 0 das höchste wahrgenommene Korruptionsniveau und 100 das niedrigste Niveau darstellt. In der neuen Rangliste erzielte Russland 30 Punkte und teilte sich damit den niedrigen 129. Platz mit Aserbaidschan, Gabun, Mali und Malawi. Ein Jahr zuvor hatte Russland im Korruptionswahrnehmungsindex 28 Punkte und 137 Platz belegt (danach belegten Paraguay, Libanon, Kenia, Mauretanien, Uganda und die Dominikanische Republik). Die russischen Indikatoren – 28 Punkte – blieben in den Indizes 2018 und 2019 gleich.

    Korruption als russischer Krebsgeschwür grassiert auch in der Raumfahrt, besonders in den vergangenen Jahren hat die Korruption nie dagewesene kosmische Höhen erreicht. A. Kudrin, Abteilungsleiter von der Rechnungskammer, ernannte Roskosmos 2018 zum Rekordhalter für das Volumen der Finanzverstöße. Im Jahr 2017 haben die Prüfer 151 Verstöße mit einem Gesamtbetrag von 785,5 Milliarden Rubel festgestellt. Nach Angaben der Rechnungskammer fielen 40 % der von der Abteilung festgestellten Verstöße auf Roskosmos. Die Rechnungskammer hat 2020 den Staatskonzern Roskosmos überprüft und Verstöße in Höhe von mehr als 30 Milliarden Rubel festgestellt. Wir dürfen auch die Selbstmorde und Morde in der russischen Raumfahrt nicht vergessen.

    Ich selbst kenne sehr gut die russische Arbeitsmoral, selbst unter den sowjetischen Kosmonauten war Wodka-Schmuggel in den Weltraum auf der Tagesordnung. Die Besatzungen vollbrachten Wunder des Einfallsreichtums, während sie feurige Liköre schmuggelten. Alkohol gelangte in Anzügen, in Wasserkanistern, Lebensmittelverpackungen und Medikamentenverpackungen in die Umlaufbahn. In den Saljut Stationen wurden schon vor dem Start bis 6 Liter Alkohol in mehreren Verstecken platziert.

    Im Jahr 1945 als der Krieg noch tobte, haben führende russische Raketenfachleute, darunter B. Tschertok, S. Koroljow, Deutschland besucht, und das was sie vorfanden und sahen, machte sie wirklich sprachlos. Tschertok schreibt in seinen Aufzeichnungen: „Manchmal schien es, als sei ganz Deutschland eine Kette ausgezeichneter Autobahnen, die saubere, sehr komfortable Städte und Dörfer miteinander verbanden. Aber in den Dörfern hat fast jedes Haus eine Kanalisation, warmes und kaltes Wasser, Elektroherde in den Küchen! Nach ein paar Monaten haben wir fast vergessen, dass jeder von uns in Moskau in einer Gemeinschaftswohnung lebte mit einer winzigen Toilette für 8-10 Personen, einem Holzofen in der Küche, keiner Badewanne und einem Waschbecken mit kaltem Wasser für alle.“ Besonders von der Ausstattung der Labore waren die Russen begeistert, Tschertok schreibt am 29 April 1945:

    „Laborgebäude. Ein luftfahrttechnisches Labor mit Ständen zum Testen von Bordinstrumenten, ein photochemisches Labor, ein Labor zum Testen von Materialien auf Festigkeit, Ermüdung, Vibrationsständer. Labor für Bomber- und Zielfernrohre, Kalibriergeräte für Beschleunigungsmesser. Und was für ein wunderbares Zeichen- und Designgerät! Die deutschen Arbeitsplätze machen uns neidisch. Neben einem guten Zeichenbrett, einer drehbaren Sitzfläche und einem bequemen Tisch mit vielen Schubladen steckt er voller Kleinigkeiten und alles hat seinen Platz. Oh, diese deutsche Liebe zum Detail und zur Ordentlichkeit, erhoben zu einer Arbeitskultur der Extraklasse.

    Das Nötigste und Seltenste für jedes Labor sind die Vierschleifen-Oszilloskope von Siemens. Hier haben wir verschiedene gefunden: zwei-, vier- und sechszeilig. Ohne sie ist die Untersuchung schneller dynamischer Prozesse unmöglich. Dies ist eine neue Ära in der Messtechnik und der Ingenieurforschung. In Moskau haben wir am NII-1 nur ein sechsschleifen-Oszilloskop für das gesamte Institut. Und diese Deutschen! Nein, wir verspürten nicht mehr den Hass oder die Rachsucht, die früher in allen brodelte.“

    Selbst der Begriff Stecker kam von den Deutschen nach dem Krieg nach Russland. Tschertok kommentiert in seinen Aufzeichnungen dazu: „Erst nach dem Krieg erkannten wir, welch große technische Rolle in der Flug- und Raketentechnik ein so scheinbar einfaches Gerät wie ein Steckverbinder spielen wird!“

    Aber auch später beklagt sich B. Tschertok, er schreibt im Jahr 1995: „Leider schätzen wir auch jetzt, bereits 50 Jahre nach dem Krieg, die Stärke der Laborwaffen eines Wissenschaftlers und Forschers und auch nur eines Ingenieurs nicht angemessen ein. Das brennende Thema der letzten zehn Jahre um unseren eklatanten Rückstand im Bereich der Personal Computer hat übrigens nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ideologische Wurzeln: Gleichgültigkeit gegenüber den spezifischen Bedürfnissen des Menschen als Individuum.“

    Es bedarf keinen weiteren Kommentar und das Russland noch heute nicht in der Lage ist eine Trägerrakete wie F-9 oder Ariane-6 zu bauen, spricht für sich. Die ersten Erfolge kann Russland nur den Deutschen und von Braun verdanken, der die Grundlagen für die Raumfahrt mit seiner V-2 legte, die am 20 Juni 1944 als erstes von Menschen konstruiertes Objekt die Karman-Linie durchstoßen hat, sie erreichte eine Höhe von 174,6 km.

    Der amerikanische Experte David Ex teilte vor einigen Tagen seine Meinung für The Daily Beast mit, dass die UdSSR einst wirklich führend auf dem Gebiet der Weltraumforschung war. Lokale Spezialisten trafen unkonventionelle Entscheidungen, die es ermöglichten, ambitionierte Programme umzusetzen. Russland hat von seinem Vorgänger die Infrastruktur- und Raumfahrtbehörde Roskosmos geerbt. Moskau ist derzeit jedoch nicht in der Lage, die Branche auf dem hohen Niveau zu halten und kommt zu dem Schluss, dass es unmöglich ist, Roskosmos zu vertrauen. Wenn es um neue Geräte geht, besteht die Tendenz zu einer schlechten Qualitätskontrolle. Pavel Luzin, ein unabhängiger Experte aus Moskau, verbindet Misserfolge mit Personalmangel. Viele der sowjetischen Spezialisten sind bereits im Ruhestand, und ihre Nachfolger machen ihre Arbeit nicht so gut. Die Probleme von Roskosmos werden durch unzureichende Mittel nur weiter verschärf.

    Noch ein Wort zu Raumfahrtstatistik und Zahlenvergleich, das uns ein folgendes Bild zeigt: Der US-Staatshaushalt erreicht 41 Milliarden US-Dollar, von denen 23,3 Milliarden US-Dollar auf die NASA konzentriert sind. China ist das zweitgrößte Land in Bezug auf das Weltraumbudget und verfügt über etwa 6 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Russland, Frankreich und Japan mit Budgets zwischen 3 und 4 Milliarden US-Dollar. Die USA geben mehr für die Raumfahrt aus als alle anderen Länder zusammen, geht aus dem neuen Bericht von Space Tech Analytics. Derzeit sind in den USA 5.582 Unternehmen in der Raumfahrtindustrie tätig, das sind fast 10 Mal mehr als das nächste Land in diesem Indikator – Großbritannien, in dem 615 Unternehmen ansässig sind. Weltweit gibt es mehr als 10.000 dieser Unternehmen. Die meisten dieser Unternehmen gruppieren sich laut dem Bericht von Space Tech Analytics um nur fünf Sektoren. Navigation und Topographie ist mit 2.820 Unternehmen der größte Sektor, gefolgt von Cloud-Lösungen mit 2.406 Unternehmen. Es gibt auch produzierende Unternehmen, von denen es nur 1.048 gibt. Das private globale Satellitenkommunikationsprojekt von SpaceX Starlink hat bereits mehr als 500.000 Vorbestellungen gesammelt. Bei einem monatlichen Tarif von 100 US-Dollar können diese Aufträge dem Unternehmen von Elon Musk einen jährlichen Gewinn in der Größenordnung von 600 Millionen US-Dollar bescheren. Wenn wir die Anzahl der Menschen in ländlichen Gebieten mit schwachem Internet berücksichtigen, dann können die Einnahmen aus diesem Markt 10 mal mehr werden. Diese Zahlen sprechen Bände mit deutlichen Nachteil für Roskosmos.

    Möchte anmerken, das für mich das GG, Art 5, gilt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten…Eine Zensur findet nicht statt.“ Das gilt auch für schonungslose als auch gute Berichte über Russland und seiner stotender Raumfahrt.

    Я желаю вам всего хорошего.

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