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Starliner auf den Namen Calypso getauft

Credit:Boeing

Washington,  23. Dezember 2019 — Das kommerzielle Raumschiff Starliner von Boeing,  das am Sonntag vorzeitig auf die Erde zurückgeholt werden musste, ist auf den Namen Calypso getauft worden. Wie die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA mitteilte,  habe das die Crew entschieden,  die unter dem Kommando von Suni Williams zur nächsten Mission mit der wiederverwendbaren Kapsel aufsteigen werde.

Mit der Namensgebung wollen die Astronauten an das Schiff des französischen Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau (1910-97) erinnern.

© Gerhard Kowalski

US-Raumschiff Starliner sicher gelandet –   Testflug nach Software-Panne damit zumindest partiell geglückt

Credit:NASA/Boeing

White Sands,  22. Dezember 2019 —  Glückliches Ende eines an sich verkorksten Testfluges:  Das Raumschiff CST-100 Starliner des Boeing-Konzerns ist am Sonntag problemlos um 13.58 Uhr deutscher Zeit auf dem Gelände der White Sands Missile Range der US-Armee (New Mexico) gelandet. Die tonnenschwere Kapsel ging an drei Riesenfallschirmen nieder. Sechs Airbags dämpften den Aufschlag in der Wüste ab. Es war dies auch die erste Landung eines US-Raumschiffs auf dem Land. Die Vorgänger wasserten alle.

Damit ging eine Mission halbwegs glimpflich zu Ende,  bei der eigentlich Start,  Kopplung mit der ISS und Landung der neuen kommerziellen und mehrfach verwendbaren Kapsel einer letzten Prüfung vor dem ersten bemannten Einsatz Mitte kommenden Jahres unterzogen werden sollten. Immerhin funktionierten der Start und die Landung,  während die Annäherung und Kopplung an die Internationale Raumstation  wegen eines Software-Fehlers gestrichen werden mussten. Denn das Raumschiff hatte am Freitag zwar die Erdumlaufbahn normal erreicht. Durch ein Timing-Problem konnte aber rund 15 Minuten nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) das Marschtriebwerk nicht pünktlich gezündet werden,  das es auf ISS-Kurs bringen sollte. Deshalb wurden die Kopplung abgesagt und das Raumschiff,  das die Erde auf einer Höhe zwischen 186 und 216 Kilometern umkreiste,  stabilisiert und auf die Landung vorbereitet.

Bei seinem Jungfernflug hatte das siebensitzige Raumschiff keine Besatzung,  dafür aber die mit Messtechnik vollgepackte Puppe Rosie the Rocketeer (zu deutsch etwa:  Rosie,  die Raketenpilotin) und rund 270 Kilogramm Nachschub für die sechsköpfige amerikanisch-russisch-italienische ISS-Besatzung an Bord:  Lebensmittel,  Kleidung und Geschenke zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr. Die Crew muss nun sehen,  wie sie die Festtage auch ohne diese Gaben über die Runden bringt.

NASA-Chef Jim Bridenstine  sagte auf einer Pressekonferenz,  ungeachtet der nicht gelungenen Kopplung habe der Flug gezeigt,  dass die Mehrzahl der Raumschiffsysteme korrekt gearbeitet hat. Im Vorfeld des Starts hatte er von einem „großen Tag“  für sein Land gesprochen,  das seit der Einstellung des Space Shuttle-Programms 2011 keine eigenen bemannten Raumflüge mehr durchführen konnte,  sondern auf die guten Dienste der Russen angewiesen war. Nun sollte der erste Schritt auf dem Weg zur Wiederaufnahme der bemannten Missionen mit eigenen Raumschiffen vom eigenen Territorium getan werden,  sagte er.  Dieser Schritt muss nun irgendwann in nächster Zeit nachgeholt werden. Der Boeing-Konkurrent SpaceX hatte bereits im März sein Raumschiff Crew Dragon  erfolgreich getestet.

Mit der Panne kommen jetzt die Russen wieder groß ins Spiel,  mit denen die Amerikaner und auch die Europäische  Weltraumorganisation ESA die Mitflugverträge in den Sojus-Schiffen offenbar etwas voreilig kündigt hatten. Die  NASA hat deshalb die GK Roskosmos gebeten,  ihr noch zwei Plätze zu verkaufen,  damit die ISS nicht ohne Amerikaner die Erde umkreist. Die Moskauer Raumfahrtagentur hat dies inzwischen „prinzipiell“  beschlossen,  was immer das in der neuen Situation heißen mag.

Das kommerzielle US-Programm für bemannte Raumflüge wurde seit 2010 gemeinsam von der NASA mit der Industrie entwickelt. 2014 wurden Boeing und SpaceX für den Personentransport ausgewählt.

© Gerhard Kowalski

 

US-Weltraumtruppen beginnen mit 16.000 Mann

Credit:U.S. Air Force

Washington,  22. Dezember 2019 —  Das Anfangskontingent der neu formierten Weltraumtruppen (Space Force) der USA beläuft sich auf rund 16.000 Mann. Das teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit. Es werde aus Militärangehörigen und Zivilpersonen bestehen,  die vorher in der Luftwaffe gedient haben. In nächster Zeit würden die neuen Uniformen und Dienstabzeichen vorgestellt sowie eine Reihe von Luftwaffenbasen umbenannt.

Kommandeur der nunmehr sechsten Waffengattung der US-Streitkräfte ist General John Raymond. In dieser Eigenschaft gehört er auch dem Komitee der Stabschefs der Luftwaffe an. Die Space Force wurde offiziell am 20. Dezember formiert und soll aktiv an der Erfüllung der verschiedensten Aufgaben im Weltraum mitwirken,  wie es hieß.

© Gerhard Kowalski

Russland stellt der NASA zwei Sojus-Plätze zur Verfügung

Credit:GK Roskosmos

Moskau,  21. Dezember 2019 – Die GK Roskosmos habe „prinzipiell“  beschlossen, der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA zwei Plätze in ihren Sojus-Raumschiffen für Flüge zur Internationalen Raumstation ISS in den Jahren 2020 und 2021 zur Verfügung zu stellen. Das teilte der Generaldirektor der russischen Raumfahrtagentur,  Dmitri Rogosin,  am Freitag der Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit. Die amerikanische Seite habe vorerst um jeweils einen Platz für Ende 2020 und das Frühjahr 2021 gebeten.

Der derzeit zwischen der NASA und der GK Roskosmos geltende Vertrag sieht vor,  dass der Astronaut Chris Cassidy mit dem Raumschiff Sojus MS-16 am 9. April 2020 als letzter Amerikaner zur ISS fliegt und dort bis zum 22. Oktober bleibt. Die beiden zusätzlichen Plätze sind nach der NASA-Planung für die Raumschiffe Sojus MS-17 und Sojus MS-18 vorgesehen. Damit will man sicherstellen,  dass sich bis September 2021 mindestens ein Amerikaner in der Station befindet,  falls sich die geplanten eigenen Flüge mit dem Crew Dragon und dem Starliner verzögern.

© Gerhard Kowalski

 

Testflug des US-Raumschiffs Starliner zur ISS gescheitert (Update)

Credit:Boeing

Credit:NASA

Cape Canaveral,  20. Dezember 2018  —  Schwerer Schlag für die US-Raumfahrt.  Der Testflug des neuen kommerziellen und mehrfach verwendbaren Raumschiffs CST-100 Starliner des Boeing-Konzerns zur Internationalen Raumstation ISS ist gescheitert. Das Raumschiff habe 15 Minuten nach dem erfolgreichen Start  am Freitag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral (Florida) seine planmäßige Umlaufbahn nicht erreicht,  weil das Marschtriebwerk nicht gezündet habe,  teilten die US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA  und Boeing  mit.  Jetzt geht es nunmehr nur noch darum,  die Kapsel zu retten und am Sonntag heil zur Erde zurückzubringen.

Bei seinem Jungfernflug hatte das siebensitzige Raumschiff keine Besatzung,  dafür aber die mit Messtechnik vollgepackte Puppe Rosie the Rocketeer (zu deutsch etwa:  Rosie,  die Raketenpilotin) und rund 270 Kilogramm Nachschub für die sechsköpfige amerikanisch-russisch-italienische ISS-Besatzung an Bord:  Lebensmittel,  Kleidung und Geschenke zum Weihnachtsfest und zum Neuen Jahr.

NASA-Chef Jim Bridenstine  hatte im Vorfeld des Starts von einem „großen Tag“  für sein Land gesprochen,  das seit der Einstellung des Space Shuttle-Programms 2011 keine eigenen bemannten Raumflüge mehr durchführen konnte,  sondern auf die guten Dienste der Russen angewiesen war. Nun sollte der erste Schritt auf dem Weg zur Wiederaufnahme der bemannten Missionen mit eigenen Raumschiffen vom eigenen Territorium getan werden,  sagte er.  Doch es kam ganz anders. Bereits im März war aber das neue Raumschiff Crew Dragon von SpaceX erfolgreich getestet worden.

Der Starliner-Flug sollte vor allem der Überprüfung aller Bordsysteme beim Start,  bei der Kopplung an die ISS und bei der Rückkehr auf die Erde sowie der Einsatzbereitschaft aller Bodendienste dienen. Der erfolgreiche Verlauf der Mission sollte auch entscheidend für die Zertifizierung des Raumschiffes für bemannte Flüge und schließlich für die Betriebserlaubnis sein.

Jetzt kommen bestimmt die Russen wieder ins Spiel,  mit denen die Amerikaner und auch die Europäische  Weltraumorganisation ESA die Mitflugverträge gekündigt haben. Die  NASA hat inzwischen die Russen gebeten,  ihr mindestens einen,  besser aber noch zwei Plätze zu verkaufen,  damit die ISS nicht ohne Amerikaner die Erde umkreist.

Das kommerzielle US-Programm für bemannte Raumflüge wurde seit 2010 gemeinsam von der NASA mit der Industrie entwickelt. 2014 wurden Boeing und SpaceX für den Personentransport ausgewählt.

© Gerhard Kowalski

China und Brasilien starten erfolgreich gemeinsamen Satelliten

Taiyuan,  20. Dezember 2019 —   China und Brasilien haben am Freitag erfolgreich einen gemeinsamen Erderkundungssatelliten gestartet. Die Trägerrakete des Typs Langer Marsch-4B mit CBERS-4A an der Spitze stieg um 4.22 Uhr deutscher Zeit vom Weltraumbahnhof Taiyuan in der Nordprovinz Shanxi auf,  teilte die Pekinger Nachrichtenagentur Xinhua mit.

Der Satellit ist bereits der sechste dieser Art,  der im Rahmen der Raumfahrtzusammenarbeit zwischen beiden Ländern ins All geschossen wurde. Er soll vor allem den Regenwald am Amazonas und die Umweltveränderungen Brasiliens beobachten.

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Offenbar Zoff bei der RKK Energija

Credit:GK Roskosmos

Moskau,  19. Dezember 2019 —   Beim führenden russischen Raumfahrtkonzern RKK Energija gibt es offenbar heftigen Zoff. Generaldirektor Nikolai Sewastjanow habe sich beim Chef der GK Roskosmos,  Dmitri Rogosin,  über seinen leitenden Mitarbeiter,  den Generalkonstrukteur für die bemannten Programme Russlands Jewgeni Mikrin,  beschwert,  meldet die Moskauer Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Er beschuldige diesen in einem Brief, eine Reihe von Projekten,  internationalen Kontrakten und die Erfüllung von Rüstungsstaatsaufträgen torpediert zu haben,  darunter die letzten drei neuen russischen  Module für die Internationale Raumstation ISS und das neue bemannte Raumschiff Orjol (Adler).

Sewastjanow fordere von Rogosin,  Mikrin disziplinarisch zur Verantwortung zu ziehen, eine Rüge zu erteilen und an das Zentrale Wissenschaftliche Forschungsinstitut des Maschinenbaus (ZNIImasch),  das Roskosmos-Leitinstitut,  zu versetzen. Die GK Roskosmos behauptet indes der Nachrichtenagentur zufolge,  von der Existenz des Briefs nichts zu wissen.

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Prof. Ulrich Walter bei Markus Lanz:  Sigmund Jähn war ein Brückenbauer zwischen Ost und West

Credit:G. Kowalski

Hamburg, 19. Dezember 2019 —   Der deutsche Astronaut Prof. Ulrich Walter hat den im September verstorbenen DDR-Kosmonauten Sigmund Jähn (auf dem Foto links mit seinem Kommandanten Waleri Bykowski) als Brückenbauer zwischen Ost und West gewürdigt. Das sei seine „entscheidende Leistung“  gewesen,  sagte Walter am Mittwochabend in der ZDF-Sendung Markus Lanz, bei der es auch um Persönlichkeiten wie Hannelore Elsner,  Karl Lagerfeld oder Niki Lauda ging, die in diesem Jahr gestorben sind. So habe Jähn nach der Wende geholfen,  dem geeinten Deutschland die Tür bei den Russen für die Teilnahme an Missionen zur Raumstation MIR zu öffnen.

Er habe den Namen Jähns 1986 das erste Mal gehört und ihn 1990 beim heutigen Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in Bonn persönlich kennengelernt,  betonte der Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München,  der 1993 als Nutzlastspezialist an der deutschen Spacelab-Mission D2 in der US-Raumfähre Columbia teilgenommen hat. Dabei habe sich Jähn, der 1978 als erster Deutscher ins All geflogen ist, als „sehr bescheidener und sympathischer Mensch“ erwiesen. Er kenne „kaum einen sympathischeren als ihn“.

Weniger treffsicher zeigte sich Prof. Walter allerdings, als er über die Anfänge der russischen Raumfahrt sprach. Das betraf speziell seine Ausführungen zur Landung von Juri Gagarin und zum Tod von Wladimir Komarow.

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Weltraumteleskop CHEOPS untersucht Planeten an anderen Sternen

Credit:   ESA

Kourou,  18. Dezember 2019 —   Die Forschung zu Planeten an anderen Sternen wurde in diesem Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Nun ist am Mittwoch um 9.54 Uhr deutscher Zeit im zweiten Anlauf das von Nobelpreisträger Didier Queloz wissenschaftlich geleitete ESA-Weltraumteleskop CHEOPS (CHaracterising ExOPlanets Satellite) mit einer russischen Sojus-ST-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ins Weltall geschossen worden,  um weitere Geheimnisse von Exoplaneten zu lüften. Unter Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wird CHEOPS Planeten auf ihre Größe,  Dichte und mögliche Atmosphären aus einer sonnensynchronen Erdumlaufbahn in 700 Kilometern Höhe untersuchen. Ein erster Startversuch musste am Dienstag wegen technischer Probleme mit der Fregat-Oberstufe abgebrochen werden.

Mittlerweile sind mehr als 4.000 Exoplaneten in unserer Milchstraße bekannt. Das neue Weltraumteleskop wird mehrere hundert helle Sterne ins Visier nehmen,  in deren Umlaufbahnen bereits Planeten beispielsweise durch das Teleskopsystem NGTS (Next-Generation Transit Survey) in Chile oder das NASA-Weltraumteleskop TESS (Transiting Exoplanet Survey Satellite) entdeckt wurden. Die Mission konzentriert sich auf Sterne,  um die Planeten im Größenbereich zwischen Erde und Neptun kreisen,  also Planeten mit Durchmessern von zirka 10.000 bis etwa 50.000 Kilometern.

Mit an Bord der Rakete waren zudem weitere vier Satelliten,  darunter COSMO-SkyMed und EyeSat.

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Boris Wolynow wird 85

Credit:ZPK

Moskau,  18. Dezember 2019 —  Der sowjetische Kosmosveteran Boris Wolynow begeht am heutigen Mittwoch seinen 85. Geburtstag. Das letzte noch lebende Mitglied der 20-köpfigen Gagarischen Garde war bei zwei Flügen insgesamt 52 Tage im All.

1969 nahm der 14. Kosmonaut der damaligen UdSSR an der ersten Kopplung zweier Raumschiffe auf der Umlaufbahn teil. Aufgrund von technischen Problemen an der Sojus 5-Kapsel erfolgte der Abstieg dann aber ballistisch mit einer Überbelastung von 10g, und schließlich versagte auch noch das System für die weiche Landung. Durch den harten Aufprall erlitt der geborene Irkutsker schwerste Kieferverletzungen, so dass er aus dem Kosmonautenkorps ausscheiden musste. Mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit erholte er sich jedoch wieder und konnte 1976 mit Sojus 21 zur Raumstation Salut 5 fliegen,  die eigentlich Almas hieß und militärischer Natur war.

Wolynow ist zweifacher Held der Sowjetunion und leitete viele Jahre die Kosmonautenabteilung des Kosmonautenausbildungszentrums (ZPK) Juri Gagarin im Sternenstädtchen bei Moskau.

© Gerhard Kowalski